Neue Wochenshow schafft den Anschluss an alte Zeiten nicht

Jürgen Overkott
„Die Wochenshow“ stand einst für „die witzigsten Nachrichten der Welt“. Genau daran will Sat.1 ab Freitag, 22.15 Uhr, nach mehr als achtjähriger Pause wieder anknüpfen. Doch der Faden ist gerissen.

Köln. Am Ende der Aufzeichnung am Mittwochabend ist das Saalpublikum im ehemaligen „Residenz“-Kino am Kölner Hansaring doch noch versöhnt mit der Comedy-Truppe um Altmeister Ingolf Lück, die in den nächsten acht Wochen seltsamen Nachrichten komische Seiten abgewinnen will.

Da stehen die fünf Herren in feinen schwarzen Zwirn und geben die Pop-Tenöre von Adoro, die mit Schmalz und Schmelz Herzen und Geldbeutel ihrer Fans öffnen. Doch die feinen Fünf huldigen der hohen Kunst des Fußball-Schmähs. Er kombiniert schlichte Melodien mit noch schlichteren Botschaften, Fäkalbegriffe werden dabei gern in den Mund genommen. Die Ode an die einfachen Freuden des Lebens kommen bei den erstaunlich jungen Zuschauern an, sie verlangen eine Zugabe, selbst gegen eine dritte Wiederholung hätten sie sich nicht gewehrt.

Dümmliche Texte

Die Nummer kommt an, weil die Comedians in diesem Moment Alchimisten des Humors sind: Es gelingt ihnen, Dreck in Gold zu verwandeln, weil ihr Timing stimmt. In seltenen Momenten wie diesen siegt an diesem Abend die Form über den Inhalt, die stimmige Präsentation macht die schlichte Botschaft des Liedguts erträglich, rückt das Schräge gerade.

Das eher männliche als weibliche Publikum liebt gerade das Schräge. Es hat offenkundig Stadion-Erfahrung und genießt die Fußball-Oper. Die Stimmung wirkt wie ein Mix aus Oberstufen-Party und Erstsemester-Sause. Der Eintritt war billig. Es hätte den Comedy-Novizen eine Warnung sein sollen. Denn unterm Strich bietet der Neuaufguss des Sat.1-Formates lediglich ein billiges Vergnügen.

Woran liegt das? Erst einmal an den über weite Strecken bedrückend dümmlichen Texten, die auf der nach unten offenen Skala der Niveaulosigkeit bisher unbekannte Tiefen ausloten. Selten wirken Fäkal-Sketche so infantil wie bei dieser Aufzeichnung.

Osama-Sketch

Obendrein arbeitet sich der Humor der Spaßarbeiter eher an Leuten ab, die sowieso ins Abseits geraten sind, von Liberalen bis zu Loddar, der ohnehin sein bester Parodist ist. Das steht nicht gerade für Mut.

Auch ein schwärzest humoriger Sketch, in dem eine Bohlen-Jury den nächsten Osama bin Laden sucht, zeichnet längst nicht so viel Mut aus, wie er auf den ersten Blick zu haben vorgibt. Es ist bezeichnend, dass sich Komiker erst jetzt, nach seinem Tod, trauen, den schrecklichen Scheich der Finsternis satirisch zu entzaubern. Diese Nummer verfehlt, ein seltener Moment an diesem Abend, seine Wirkung jedoch nicht.

Dabei können Comedians noch aus einem Telefonbuch eine Lach-Nummer machen. Doch die sieben Spaßvögel haben nicht dieselbe Flughöhe, nur Dave Davis schwebt, Matthias Matschke gerät unerwartet ins Trudeln, Axel Stein ist ohnehin ein Billigflieger, ebenso Altwochenschauler Matze Knop, der im Grunde genommen nur Bohlen kann, „Tatort“-Gehülfin Friederike Kempter stört nicht weiter, und Carolin Kebekus, völlig überschätzt, stürzt mit plattestem Anal-Humor ab. Wenn Sat.1 gnädig ist, schneidet der Münchner Privatsender ihren Auftritt einfach raus; dann kann er nicht mehr durchfallen.

Und Ingolf Lück? Der alte und neue Chef des Jux-Ensembles wirkt seltsam fahrig, ganz so, als glaube er nicht an den Erfolg des Projekts.

Humoritischer Offenbarungseid

Auch Sat.1 glaubt offensichtlich nicht daran, an die goldene Zeit seines legendären Formats anzuknüpfen, das einst Satire und Nonsens glücklich vereinte. Sonst hätte der Münchner Privatsender den Neustart des alten Formats nicht auf den Beginn der notorisch zuschauerarmen Zeit der langen Tage gelegt.

So bleiben nur Erinnerungen an die Zeit, als Sat.1 der Fernsehnation die besten Lockerungsübungen auf dem deutschen TV-Markt bot. Wie gut das Start-Quartett Ingolf Lück, Marco Rima, Bastian Pastewka und Anke Engelke Mitte der Neunziger war, lässt sich daran erkennen, dass etliche Redewendungen der Show in die Umgangssprache eingegangen sind – von „Danke, Anke“ bis zu „Liebe Liebende“.

Jetzt zerstört Sat.1 seinen eigenen Mythos mit einem humoristischen Offenbarungseid. Was die Sache noch schlimmer macht: Die „Wochenshow“ hat Konkurrenz, starke Konkurrenz sogar. „Switch Reloaded“ beim kleinen Schwestersender ProSieben bietet die besseren Medienparodien, und die „heute-show“ im ZDF vereint alles, was intelligenten Humor auszeichnet: Hinterfotziger Humor trifft anarchischen Spieltrieb.