Mord und eine eiskalte Ermittlerin im „Tatort“

Rebecca Müller
Dem Leiter der Polizeischule Brandstetter (Christian Redl, Mitte) ist es unangenehm. Aber Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) muss auch in der Polizeischule ermitteln und verhört deshalb auch Heiner Struck (Adrian Topol) aus dem Jahrgang der Ermordeten. © SWR/Bettina Müller
Dem Leiter der Polizeischule Brandstetter (Christian Redl, Mitte) ist es unangenehm. Aber Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) muss auch in der Polizeischule ermitteln und verhört deshalb auch Heiner Struck (Adrian Topol) aus dem Jahrgang der Ermordeten. © SWR/Bettina Müller
Foto: SWR/Bettina Müller

Essen. Eine tote Polizeischülerin und ein dubioses Fitnessstudio: Das sind die Zutaten des Ludwigshafener Tatorts, bei dem Kommissarin Odenthal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. „Tödliche Ermittlungen“ ist ein solider Krimi, aber nicht mehr.

Die junge Polizeischülerin Bettina Schnell (Julischka Eichel) wird tot in einem Feld gefunden, erschlagen und halbnackt wurde sie mehr schlecht als recht in der Erde verscharrt. Wer könnte die junge Frau umgebracht haben? Die Nachforschungen im Ludwigshafener Tatort „Tödliche Ermittlungen“, zu sehen am Sonntag, 2. Januar, um 20.15 Uhr in der ARD, werden für Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) zu einer Reise in die Vergangenheit, denn die Spur führt zu ihrer alten Polizeischule, wo Bettina Schnell kurz vor ihrer Abschlussprüfung zur Polizistin stand.

Dort hat Odenthals früherer Mentor Robert Brandstetter (Christian Redl) die Leitung übernommen. Er zeigt sich erfreut, dass seine ehemalige Ausnahmeschülerin die Ermittlungen in diesem Mordfall übernommen hat, war sein Sohn Torben (Matthias Ziesing) doch mit Bettina verlobt. Schnell kommt das Duo Odenthal/Kopper den privaten Ermittlungen des Opfers auf die Spur, die vor ihrem Tod in ihrer Wohnsiedlung dem Fitnessstudio-Betreiber Malte Boller (Ralph Herforth)und dessen Kumpan Hasan Kiser (Fahri Yardim) hinterher spionierte und so auf die Spur ihres Anabolika-Handels gekommen war.

Doch musste die junge Frau sterben, weil sie von den Drogen wusste? Und wieso behindert Robert Brandstetter dann plötzlich die Ermittlungen, als die Spuren auch zur Polizeischule führen? Für Lena Odenthal und Mario Kopper (Andreas Hoppe) entwickelt sich dieser Fall immer mehr zu einem Verwirrspiel, bei dem sich die Kommissarin plötzlich mit den Schwächen ihres alten Vorbilds konfrontiert sieht.

Ein souveräner Krimi - aber nicht mehr

So spannend die Handlung und so verwirrend die Verwicklungen – aus diesem Tatort hätte man mehr herausholen können. Regisseur Michael Schneider gelingt es nicht, dem Menschen Lena Odenthal näherzukommen und ihre Entwicklung von der strebsamen Polizeischülerin zur Kommissarin im Morddezernat nachvollziehbar zu machen. Hier und da wird in Halbsätzen auf die jungen Jahre der Lena Odenthal Bezug genommen, doch bleiben diese hingeworfenen Informationsbrocken spärlich und machen die Handlung dieses Tatorts eher noch verwirrender, weil der Zuschauer nicht weiß, wie er sie einordnen soll.

Odenthal selbst ist die ganze Zeit die stets besonnene, souveräne und eiskalte Ermittlerin, die sich auch durch die Interventionen ihres alten Idols Brandstetter nie aus der Ruhe bringen lässt. Dabei hätte sich doch gerade bei den zahllosen Szenen mit ihrem früheren Mentor die Möglichkeit geboten, ihre Figur klarer zu zeichnen und dem Zuschauer ein Gefühl davon zu vermitteln, wer sie war, ist und vielleicht mal sein will. Hatte sie in ihrer Jugend das gleiche Verlangen, aus ihrem Leben mehr zu machen wie die ermordete Bettina Schnell? Kann sie sich vielleicht sogar mit dem jungen Mädchen identifizieren? Darauf gibt es keine Antworten.

Stattdessen setzt dieser Tatort auf komödiantische Einlagen von Mario Kopper, der sich einen romantisch angehauchten Kleinkrieg mit einer aufreizenden Politesse liefert – ein kurioses Element, das völlig aus der Handlung herausfällt und gegen Ende ins Lächerliche abdriftet. Und so ist dieser Tatort zwar ein spannender, solider Krimi rund um die Themen Anabolika-Handel, Liebe und die Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch er schafft es nicht, diesen einen Schritt über die bloße Handlung hinaus zu tun und den Zuschauern einen Blick hinter die Fassade der Figuren zu gewähren.

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