Mehrzad Marashi gewinnt Finale von DSDS

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Köln.. Der diesjährige Superstar heißt Mehrzad Marashi. Der 29-Jährige setzte sich in der Finalshow überraschend deutlich gegen seinen Konkurrenten Menowin Fröhlich durch und veröffentlicht jetzt seine erste Single „Don’t Believe“. Richtige Spannung wollte bei der überlangen Show dennoch nicht aufkommen.

Um 0.15 Uhr war es endlich soweit: Nach einem zehnminütigen Dialog und unzähligen Einspielern und Rückblicken verkündete der nur sehr schwer zu ertragende Marco Schreyl, dass Mehrzad Marashi der diesjährige Superstar ist. 56,4 Prozent der Anrufer stimmten für den gebürtigen Iraner, ein überraschend deutliches Ergebnis. Überraschend deshalb, da sein Konkurrent Menowin Fröhlich während der Finalsendung durchweg bessere Leistungen bot und auch in den Augen der Jury der Favorit war.

Eher Doku-Soap als Gesangswettbewerb

Doch da diese Staffel von DSDS nur noch rudimentär ein Musikwettbewerb war, ist eine Entscheidung, die nicht nur auf musikalischen Erwägungen basiert, eine logische Schlussfolgerung. Große Teile der diesjährigen DSDS-Version wirkten eher wie eine schlechte Doku-Soap, mit viel menschlichen Abgründen – Drogenkonsum, Vorstrafen, Zoff im Kandidaten-Loft – als eine herkömmliche Casting-Show.

So war es auch nur folgerichtig, dass das Finale zu einem „Hass-Duell“ hochstilisiert wurde. Doch von Feindschaft zwischen den beiden Finalisten war nicht viel zu spüren. Routiniert spulten beide ihr Programm ab und die Jury-Urteile schwankten auch nur zwischen „Sensationell“ und „Weltklasse“. Dabei war Nina Eichinger, die bisherige Meisterin der unkritischen Bewertungen, gar nicht anwesend, da sie dank der isländischen Vulkanasche nicht rechtzeitig aus Los Angeles anreisen konnte. Sie wurde jedoch würdig von der Fußballergattin und „Let’s Dance!“-Teilnehmerin Sylvie van der Vaart würdig vertreten. Würdig insofern, als dass beide über ähnlich viel musikalischen Sachverstand verfügen.

Aber selbiger wäre in weiten Teilen der Show ohnehin fehl am Platze gewesen. So begann die Sendung mit einem Auftritt der ausgeschieden Top Ten-Kandidaten aus diesem Jahr, ohne den geschassten Helmut Orosz. Gemeinsam sangen sie „I Gotta Feeling“ von den Black Eyed Peas und das so schlecht, dass man als Zuschauer das ungute Gefühl bekam, der Abend werde noch sehr anstrengend werden. Diese üble Vorahnung wurde bereits wenige Momente später bewahrheitet, als sich Mehrzad und Menowin zu „I Came For You“ von den Disco Boys ein Dance-Off lieferten. Da der Gesang dabei vom Band kam, wähnte man sich eher bei der „Mini Playback Show“ denn bei DSDS.

Eine Neun auf der nach oben offenen Kitsch-Skala

Danach wurde zwar wieder live gesungen, dafür aber auch kräftig am Herzschmerz-Faktor geschraubt. Denn nach einem Einspieler über Mehrzad und seine Verlobte sang der 29-Jährige „Endless Love“ (Lionel Richie und Diana Ross) für seine zukünftige Frau. Dabei standen drei brennende Herzen auf der Bühne, sodass sich der Aufritt mindestens eine Neun auf der nach oben offenen Kitsch-Skala verdiente. Stimmlich war die Leistung sicherlich nicht schlecht, doch hat man Mehrzad Marashi bereits routinierter erlebt. Dennoch attestierte Jurymitglied Volker Neumüller dem Sänger aus Hamburg mal wieder „Gänsehaut-Feeling“.

Diese hatte man bei Menowin Fröhlichs ersten Auftritt nicht zu befürchten, auch wenn es einem bei dem Anblick seines Outfits aus weißer Pseudo-Seide mit goldenen Akzenten ein wenig schüttelte. Einige Texthänger zum Trotz, überzeugte seine Version von „That’s What Friends Are For“ (Dionne Warwick & Friends) gesanglich durchaus. Aber die Bühnenshow mit einem Dutzend tanzender Kinder war definitiv übertrieben, auch wenn Sylvie van der Vaart aussagte, dass sie „ein Weichei bekomme“, wenn sie Menowin mit Kindern auf der Bühne sieht.

Aber Übertreibung war anscheinend das Motto des Abends. Ein Einspieler folgte auf den nächsten, der unsägliche Marco Schreyl wollte zunächst Rekordnationalspieler und C-Promi Lothar Matthäus und anschließend die in der ersten Mottoshow gescheiterte Steffi Landerer zum Kölsch trinken nötigen und jeder entfernte Schwippschwager der beiden Finalisten durfte noch mal kund tun, wie stolz er auf Menowin beziehungsweise Mehrzad sei.

Runde zwei war dann musikalisch das beste am ganzen Abend, denn hier durften M & M ihre jeweiligen Lieblingssongs aus den bisherigen Mottoshows noch einmal präsentieren. Mehrzad entschied sich für „Fresh“ von Kool & the Gang, während Menowin „Billie Jean“ von Michael Jackson darbot. Beide Auftritte waren überdurchschnittliche Leistungen, auch wenn sich Menowin mit seiner Coverversion des King of Pop gegenüber seinem Auftritt in der vierten Mottoshow verschlechtert hatte. Natürlich war die Jury trotzdem voll des Lobes für beide Kandidaten, wobei sich die Floskeln „richtig Gas gegeben“, „amtlich abgeliefert“ und „ich muss den Hut ziehen“ mehrfach wiederholten.

Bohlen-Komposition als „krönender“ Abschluss

Doch leider war die Show an diesem Punkt noch nicht beendet, denn als vermeintlich krönenden Abschluss durften die beiden Kandidaten noch die Ballade „Don’t Believe“ singen, der von Dieter Bohlen komponiert wurde. Es überrascht wohl Niemanden, dass sich dieses Lied wie jede andere Ballade anhört, die Dieter Bohlen in den vergangenen 20 Jahren auf die Menschheit losgelassen hat. Stimmlich passte das Lied besser zu Menowin Fröhlich als zu Mehrzad Marashi, wobei das nicht unbedingt ein Lob darstellen muss. Darüber hinaus hatte Mehrzad auch noch mit technischen Problemen zu kämpfen, sodass sein Auftritt eher verkrampft wirkte.

Dennoch entschieden sich die Zuschauer klar für Mehrzad Marashi. Das dürfte nicht zuletzt an den vielen Eskapaden und Disziplinlosigkeiten von Menowin Fröhlich gelegen haben, der nach der Entscheidung vor lauter Enttäuschung kaum ein Wort heraus bekam. Mehrzad versuchte ihn zu trösten und prognostizierte Menowin trotz des zweiten Platzes eine erfolgreiche Musik-Karriere. Betrachtet man die Halbwertszeit einiger der bisherigen DSDS-Sieger – Elli Erl, Tobias Regener, Daniel Schuhmacher – wird ist dies bereits für den Sieger kein leichtes Unterfangen, von dem Unterlegenen ganz zu schweigen. Denn spätestens im nächsten Jahr sucht RTL wieder nach dem nächsten Superstar.

 
 

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