Medienwächter sehen bei „Galileo“ und MTV Jugendschutz verletzt

Sie können auch anständig - zumindest aussehen: Ein Beitrag der MTV-Home-Sendung „Joko und Klaas“ von der Sex-Messe „Venus“ hat gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags verstoßen – einer von 27 Fällen im dritten Quartal 2011, wie die Kommission für Jugendmedienschutz mitteilt. Foto: Getty Images
Sie können auch anständig - zumindest aussehen: Ein Beitrag der MTV-Home-Sendung „Joko und Klaas“ von der Sex-Messe „Venus“ hat gegen die Bestimmungen des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags verstoßen – einer von 27 Fällen im dritten Quartal 2011, wie die Kommission für Jugendmedienschutz mitteilt. Foto: Getty Images
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„Methoden zum Töten“ im Vorabend-Programm, Berichte von der Sex-Messe am Nachmittag: Die Kommission für Jugendmedienschutz hat im vergangenen Quartal 27 Mal Verstöße gegen den Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz ausgemacht – von „Joko und Klaas“ bis „Galileo“

Essen. Ein Moderator lässt sich vor laufenden Kameras fesseln und von einer Domina auspeitschen, während sein Kollege sich halbtot lacht. Auch der beherzte Griff ins Gemächt, mit dem die Dame auf der Porno-Messe den Moderator quält, löst Lachkrämpfe aus, die Zwölfjährige nicht unkontrollierter schütteln würden. „Joko und Klaas“ haben Spaß auf der Sex-Messe „Venus“, MTV Home zeigt die Aufnahmen um 17 Uhr: Das ist zu früh, hat die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) befunden – einer von 27 Fällen im dritten Quartal 2011, in denen das Gremium Verstöße gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag festgestellt hat.

Nach 20 Uhr wäre die Sendung unbeanstandet geblieben, denn dann dürfen Sendungen laufen, die für Zuschauer ab zwölf Jahren geeignet sind. Diese spezielle aber beinhalte aus Jugendschutz-Perspektive Handlungs- und Deutungsmuster, „die problematische Verhaltensweisen, Einstellungen und Rollenmuster nahe legen“. Die könnten dazu beitragen, „die psychosoziale und psychosexuelle Entwicklung von Kindern unter zwölf Jahren zu beeinträchtigen“, befand die KJM.

Wie gut funktionieren „Methoden zum Töten“?

„Wissensmagazin“ nennt sich die ProSieben-Sendung „Galileo“ – und sendet auch schon mal in der Stunde vor 20 Uhr Beiträge über „Methoden zum Töten“. Da klären die Experten, ob in Filmen wie „True Lies“ angewandte Killer-Aktionen auch im wahren Leben funktionieren würden. Die KJM befand, dass der Beitrag erst ab 22 Uhr hätte gezeigt werden dürfen – weil eine Genickbruch-Methode mehrfach wiederholt wurde, dazu noch eine Methode mit einem geworfenen Sägeblatt demonstriert wurde.

Nicht der einzige Verstoß der ProSieben-Sendung: Ein 15-Minüter mit dem Titel „Die härtesten Gefängnisse der Welt“ habe eine Vielzahl von massiven, drastischen Gewalt-szenen. „Aus Jugendschutz-Perspektive sind vor allem die beschriebenen Tötungshandlungen problematisch. Da die Bilder real sind, können sie auf Kinder und Jugendliche besonders emotionalisierend und belastend wirken“, befand die KJM und entschied, „dass die Darstellungen geeignet sind, Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nachhaltig zu ängstigen und damit in ihrer Entwicklung zu beeinträchtigen“.

„Aufdringliche Darstellung der Themen Sex und Alkohol“

24 Verstöße im Fernsehen und Radio haben die Jugendschützer ausgemacht, drei im Internet. Auf zwei Wegen landen die Fälle vor dem Gremium, erklärt Verena Weigand, Leiterin der KJM-Stabsstelle bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien. Einerseits beobachteten die jeweiligen Landesmedienanstalten die Sender, die sie zugelassen haben – „das geht allerdings nicht flächendeckend“ – andererseits würden die Anstalten durch Beschwerden auf mögliche Verstöße aufmerksam. Bei einem Anfangsverdacht werden die Fälle an das Gremium weitergeleitet, das für alle Landesmedienanstalten zuständig ist.

Werden Verstöße festgestellt, gebe es unterschiedliche Konsequenzen, erklärt Weigand: Die beanstandete Sendung dürfe auf keinen Fall zur unpassenden Uhrzeit wiederholt werden (bei Inhalten ab zwölf Jahren erst nach 20 Uhr, ab 16 Jahren erst nach 22 Uhr und ab 18 Jahren nach 23 und vor sechs Uhr), eine offizielle Beanstandung ist den Sendern sicher, und dazu können Bußgelder bis zu 500.000 Euro verhängt werden.

Wie schon im zweiten Quartal 2011 ist auch im vergangenen wieder die RTLII-Sendung „X-Diaries – Love, Sun & Fun“ aufgefallen. „Vor allem mit der aufdringlichen Darstellung der Themen Sex und Alkohol und der derbzotigen Sprachwahl“ bestehe die Gefahr einer Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder unter zwölf Jahren, und „aufgrund der für Heranwachsende nicht zu erkennenden Fiktionalität“ der Sendung im Scripted-Reality-Format sei eine „sozialethische Desorientierung“ für Zuschauer unter 16 zu befürchten. Ausgestrahlt wurden die Sendungen im Vorabend und im Tagesprogramm, zum Teil direkt vor Zeichentrick-Serien.

 
 

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