„Maybrit Illner“ – Mehr Fahrrad fahren für das Klima

Maybrit Illner
Maybrit Illner
Foto: Svea Pietschmann / ZDF
Fleisch, Flüge, SUVs: Als Konsumenten haben wir einen Anteil am Klimawandel. „Müssen wir mehr verzichten?“, fragte Maybrit Illner.

Berlin.  Der trockene Sommer führt uns einmal mehr vor Augen, dass der Klimawandel längst im Gang ist. Und schon sind wir dabei, die Schuldigen zu suchen: Der ignorante Donald Trump, die Kohleindustrie, die konventionelle Landwirtschaft – tatsächlich gibt es viele davon.

Unterbelichtet aber bleibt oft die Verantwortung des Einzelnen. Haben wir als Konsumenten nicht mitunter den größten Einfluss? Dieser Frage ging am Donnerstagabend Maybrit Illner nach: „Sind wir zum Verzicht bereit?“, fragte sie ihre Gäste.

• Wer trägt die Verantwortung?

Im Grunde war sich die Runde schnell einig, dass in erster Linie die Verursacher – also etwa Fluglinien oder die konventionellen Landwirtschaft – verantwortlich sind. Allerdings wies der Klimaforscher Mojib Latif darauf hin, dass natürlich jeder Einzelne etwas beitragen müsse.

„Ich fahre auf der Autobahn nur noch 100“, nannte er ein Beispiel. Das sei entspannter und spare auch Geld. „Ich fahre auch gern Fahrrad, das ist gut für den Body – es geht also gar nicht um Verzicht!“

Max Moor forderte dagegen, dass Verzicht gar kein Thema mehr sein sollte. Vielmehr sollten schädliche Produkte einfach abgeschafft werden. „Ich kann Plastik einsparen – doch warum gibt’s den Mist überhaupt?!“, fragte der Moderator. Am Ende sei immer der Verbraucher schuld. Dabei sei doch die eigentliche Frage, wer da aus welchem Grund produziere. „Wer wird damit reich?“

• Die Politik will nicht mehr verbieten

Bemerkenswert war in der Runde, dass sich die Politik offenbar völlig davon verabschiedet hat, die Bürgerinnen und Bürger erziehen zu wollen. Bei Wolfgang Kubicki von der FDP überraschte es nicht, dass er sich gegen Verbote aussprach. Doch auch SPD-Umweltministerin Svenja Schulze sagte: „Ich halte nicht viel vom erhobenen Zeigefinger.“

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Nahezu kleinlaut gab sich in dieser Hinsicht auch Robert Habeck. Als Chef jener Partei, die mit der Forderung nach einem eigentlich harmlosen „Veggieday“ einen Bundestagswahlkampf verlor, vermied der Chef der Grünen auch bei Maybrit Illner jede vermeintlich erzieherische Forderung. „Es wäre freudlos, wenn alle Menschen sich perfekt benähmen: Dann wären wir Engel und das ist ja auch langweilig“, sagte Habeck. Statt jedes Einzelnen müsse vor allem die Politik aktiv werden.

• Was Politik tun könnte

Doch wie könnte das konkret aussehen? Habeck etwa forderte, Kerosin endlich zu besteuern, damit Flüge teurer werden. Umweltministerin Schulze stellte in Aussicht, CO2 einen Preis zu geben und den Ausstoß somit teuer zu machen. Und der Klimaexperte Latif forderte, die Bahn besser auszubauen und günstiger und zuverlässiger zu machen. „Dann fliegen die Leute auch nicht mehr.“

Allein, viele mögliche Maßnahmen hätten eine Folge: Die Produkte und Dienste würden teurer werden – und damit vor allem diejenigen treffen, die wenig Geld haben. „Alle Steuern die Verbrauch besteuern belasten ärmere Haushalte stärker“, räumte Habeck ein. Das müsse man durch die Sozialpolitik abfedern.

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• Der Selbstversuch

Müssen wir also einfach nur warten, bis sich die Politik zu Taten durchringt? Petra Pinzler belegte in der Runde, dass man jederzeit selbst anfangen kann: Gemeinsam mit ihrer Familie versuchte die Journalistin, ein Jahr lang möglichst wenig CO2 zu produzieren.

„Uns ist es wie bei einer Diät gegangen: Irgendwann fühlte es sich gut an“, berichtete Pinzler. Gespart wurde etwa beim Duschen, bei den Klamotten und beim Auto. Auch verzichtete die vierköpfige Familie auf innerdeutsche Flüge. „Am Ende haben wir sogar Geld gespart“, sagte Pinzler.

• Das Fazit

Diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ war richtig gut. Das lag vor allem daran, dass die Runde deutlich machte, wie ambivalent die Angelegenheit ist: Natürlich ist in erster Linie die Politik gefragt. Auf der anderen Seite sollte man aber schon mal hinterfragen, ob es beispielsweise wirklich sein muss, dass die Menschen im Durchschnitt jährlich 60 Kilogramm Fleisch essen.

Am Ende geht es dabei womöglich auch um Psychologie. „Jeder Deutsche entlässt im Schnitt zehn Tonnen CO2“, sagte Mojib Latif. In Indien seien es nur knapp zwei. „Wenn die Inder auf dieses Niveau kommen, hätten wir Ende des Jahrhunderts eine Klimakatastrophe.“ Es kann also nicht Schaden, wenn die Großverbraucher schon mal mit gutem Beispiel vorangehen.

Hier geht es zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek

 
 

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