"Mama kommt": Unterhaltsamer Psychokrieg

Foto: Susan R.Skelton

Essen. Es gibt Mütter, und es gibt Übermütter - Übermütter wie Luise Fischer. Sie quartiert sich bei ihrer Tochter ein, dekoriert die Wohnung um und kündigt obendrein der Putzfrau. Kein Wunder, dass der Filmtitel wie ein Hilferuf der Tochter klingt: “Mama kommt!” (Mo., ZDF, 20.15 Uhr).

Ein Problemfilm? Was anfangs vor tieferer Bedeutung trieft, weicht später Scherz, Ironie, ja Satire. Regisseurin Isabel Kleefeld und ihre Drehbuch-Autorin Sophia Krapoth erzählen von allzu menschlichen Schwierigkeiten des Familienlebens mit leichter Hand. Was uns im wirklichen Leben Tränen der Wut in die Augen treibt, zaubert uns in dieser Komödie ein Lächeln ins Gesicht - mit ordentlichen, zuweilen brillanten Dialogen und einem gut aufgelegten Ensemble, allen voran Senta Berger als Mutter und Anja Kling als Tochter Christiane.

Christianes Leben verläuft nicht gerade in geordneten Bahnen, zumindest in Liebesdingen nicht. Die Ärztin turtelt mit einem jüngeren Kollegen (verhuscht: Matthias Schloo). Aber sie steht nicht recht zu ihrer Beziehung, in der Klinik nicht, nicht vorm pubertierenden Töchterlein Jette (Jella Haase) und schon gar nicht vor ihrer Mutter.

Die steht nämlich - Telefon hin, E-Mail her - plötzlich in der Tür. Sie ist gerade aus dem Haus ihrer Schwester komplimentiert worden. Und zwar nicht ganz ohne Grund: Luise Fischer, männerlos, hat nämlich spitzgekriegt, dass sich ihre Schwester einen jungen Liebhaber zugelegt hat, und sie daraufhin als “Schlampe” beschimpft. Also wird die wohnungslose Luise kurzerhand bei ihrer Tochter vorstellig. Was heißt: vorstellig? Mit der Selbstverständlichkeit von Invasionstruppen nimmt die alte Dame die vier Wände ihrer Tochter in Beschlag und übernimmt sogleich das Kommado: alles meins! Nicht, dass sie nicht hilfsbereit wäre, aber ihre Physik-Nachhilfe für die Enkelin wirkt wie ein stummer Vorwurf an die alleinerziehende Tochter. Nicht, dass sie laut wäre, aber ihr sanftes Säuseln macht ihre Bosheiten nur noch schlimmer. Nicht, dass sie bösartig wäre, aber ihre Fürsorge offenbart bald die erdrückende Wucht einer Panzerkette. Willkommen im Psycho-Krieg.

Erschwerend dazu kommt, dass Christianes Bruder (Senta Bergers Sohn Simon Verhoeven) zwar Mutti mit seinem Charme bezirzt, sich aber konsequent um unangenehme Verantwortung drückt. Kein Wunder, dass Nähe-Flüchtling Christiane der Klammer-Blues packt. Um das Gefühlschaos perfekt zu machen, taucht obendrein noch ihr Jugendfreund Stephan (smart: Martin Lindow) auf.

Der Ausweg aus den Irrungen, Wirrungen zeigt sich unvermutet. Jette bahnt bei einer Partnerbörse im Internet einen Kontakt zu einem graumelierten Galeristen (Walter Kreye) an - eigentlich für ihre Mutter, die doch eher auf junge Hüpfer steht. Aber da wäre ja noch Luise.

Senta Berger gelingt ein Kunststück. Sie verwandelt Nervensäge Luise allmählich in eine durchaus sympathische Dame, die immer noch das ABC des Flirtens perfekt beherrscht - im Gegensatz zu dem Galeristen, der sich mit schönen Künsten besser auskennt als mit schönen Damen. Werden sich die beiden kriegen?

Diese Frage steht im Zentrum eines prickelnden Finales. Und dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack: Was als beeindruckender Ensemblefilm begann, endet als Solo für Senta. Schade.

 
 

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