K.Dieter Klebsch will Dr. House gar nicht treffen

Essen. Er ist medikamentensüchtig, schlecht gelaunt, ein Zyniker – und fachlich brillant. Und genau das macht den Erfolg von „Dr. House” aus. Aber wer ist seine deutsche Stimme? Jürgen Overkott sprach mit dem Schauspieler K.Dieter Klebsch.

Wie sehen Sie „Dr. House”?

K.Dieter Klebsch: Ich mag Dr. House. Er ist zynisch, ironisch, aber er versteht was von seinem Job. Das unterscheidet ihn von mancher Führungskraft. Hugh Laurie habe ich nie getroffen und habe es auch nicht vor.

Wie haben Sie sich der Rolle angenähert?

K.Dieter Klebsch: Annäherung an eine Rolle? Von wegen. Ich komme ins Studio. Probesprechen. Da gibt's ein Buch. Dann folgen zehn bis zwölf Takes. Und dann kriegst Du irgendwann einen Anruf: „Mach es.” Du musst innerhalb von 60 Sekunden in der Lage sein, das Ding zu machen. Da steckt sehr viel Handwerk hinter.

Wie hat sich die Arbeit verändert?

K.Dieter Klebsch: Früher gab es bei Kinofilmen, wenn es eine Hauptrolle war, vorab ein Video nach Hause. Heute haben die Amis unheimlich viel Angst vor Raubkopien. Deshalb soll man alles im Studio ansehen.

Wie sehen Sie Ihren Job?

K.Dieter Klebsch: Ich verkaufe meine Stimme an manchen Tagen, könnte man sagen, wie ein Fließbandarbeiter, wenn der Begriff nicht so abwertend wäre. Aber es ist schon so: Das Tempo bei den Produktionen hat sich unheimlich erhöht. Die Arbeit muss einen guten Fluss haben. Ich mache nur kurze Pausen für eine Zigarette, eine Banane, Möhren oder Kohlrabi. Ich habe bei der Arbeit immer grünen Tee dabei und Wasser.

Machen Sie noch Theater?

K.Dieter Klebsch: Heute lebe ich zu 100 Prozent von meiner Synchronarbeit. Ich bin ein ausgebildeter Schauspieler. Ich habe 1994 meine Theaterarbeit beendet, mit einem Auflösungsvertrag. Die Arbeit hatte mit meinen Vorstellungen nix mehr zu tun.

Haben Sie damals schon synchroniert?

K.Dieter Klebsch: Ich habe schon in der DDR synchronisiert. Nach der Wende ging es 1991 richtig los. Ein Freund von mir, der kurz vor dem Mauerfall ausgereist war, hatte mich gedrängelt, in das ehemalige Westberlin zum Synchronisieren zu kommen. Ich war überrascht, als ich im Studio, bei der Vorstellung gefragt wurde: „Haben Sie heute Zeit? Unsere Hauptrolle ist abgesprungen, Probleme mit einem Weisheitszahn.” Ja, ich habe den Job gemacht, und dann sprach es sich rum: Da ist einer aus dem Osten, der kann was. Ich habe mich später übrigens bei dem Weisheitszahn bedankt.

Haben Sie die Entscheidung bereut?

K.Dieter Klebsch: Ich komme, ich gehe, ich habe Spaß. Ich kann mich über meine Versprecher kaputt lachen. Wo ich bin, ist es entspannt.

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