Julia Koschitz und ein "Harter Brocken"

Andreas Böhme
Julia Koschitz bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2014. In dem Krimi „Harter Brocken“ liefert sie eine tolle Vorstellung ab.
Julia Koschitz bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2014. In dem Krimi „Harter Brocken“ liefert sie eine tolle Vorstellung ab.
Foto: imago/Spöttel Picture
Der Titel des ARD-Krimis klingt nach Schmunzelfernsehen. Der Eindruck täuscht. Der Film ist richtig gut – dank Koschitz und ihres TV-Partners.

Hannover. Sechs Schuss, kein Treffer. „Muss an der Munition liegen“, sagt Frank Koops (Aljoscha Stadelmann) auf dem Schießstand. Jedenfalls nicht an ihm, denn: „Ich bin doch der Dorfpolizist.“ Die Umstehenden nicken schweigend und schon denkt man: „Aha, schon wieder so ein Regional-Krimi mit einem vermeintlich lustigen Ermittler.“ Nur um bereits Minuten später festzustellen, das man sich gewaltig getäuscht hat.

„Harter Brocken“ haben sie diesen Film genannt. Das soll die Hauptperson charakterisieren, gleichzeitig aber – Achtung Wortspiel – auch die Gegend, in der die 90 Minuten spielen. Koops sorgt nämlich im Harz für Recht und Ordnung. Normalerweise ist das quasi ein Ferienjob, dieses Mal aber gibt es Mord und Totschlag im verschnarchten Sankt Andreasberg. Vanessa Riemann, Fremdenführerin und Schützenkönigin aus St. Andreasberg, wird nach einem Erdrutsch tot im Berg gefunden.

Und dann taucht die LKA-Frau auf

Nicht verschüttet, sondern erschossen von Thomas und Nicola (Christoph Bach, Anna Schudt), einem Paar, das mit einem Rucksack voller Geld durch die Wälder wandert, den Vanessa klaut. Man darf das ruhig verraten, genau wie die schwere Verletzung, die Nicola bei der Schießerei erleidet, denn beides passiert schon in den ersten Minuten.

Kurz darauf taucht Julia Koschitz erstmals auf dem Bildschirm auf. Eine LKA-Beamtin namens Miriam Nohe spielt sie, die bei schlechtem Wetter einen Unfall hat und im Örtchen strandet. Was nicht verhindern kann, dass sie zu jeder Sekunde bezaubernd aussieht. Einmal da und über die Tote informiert, bietet sie Hilfe an, die von Koops gerne angenommen wird. Wie sich die beiden schneller als erwartet näher kommen, zählt zu den unterhaltsamsten Augenblicken dieses Films.

Rollen sind hervorragend besetzt

„Harter Brocken“ ist keine Romanze, und es ist auch keine Komödie – witzigen Augenblicken zum Trotz. Es ist ein Krimi. Aber einer, der seine Spannung nicht durch die Frage gewinnt, wer der Täter ist, sondern durch die Konstellation, die sich durch das Verbrechen ergibt. Denn Koops und Nohe sind nicht die einzigen, die die Mörder jagen. Auch Marco (Godehard Giese) und der schlichte Patrick (Hinnerk Schönemann), die Brüder des Opfers ahnen bald, woher der Wind weht und sinnen auf Rache. Und wenn die Kamera dabei zusieht, wie sie extra starke Schrotpatronen laden, der ahnt, dass die Begriffe „Auslieferung“ und „Prozess“ in ihrem Plan nicht vorkommen. Zumal sie dann das Geld, das ihre Schwester gestohlen hat, abschreiben können.

So entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit überraschenden Wendungen und teils herrlich lakonischen Dialogen, ein Sechspersonen Stück rund um die nebelverhangene und deshalb mystisch wirkende Landschaft des Brocken. Jede Rolle ist hervorragend besetzt, keiner aber passt so gut zu seiner Figur wie Aljoscha Stadelmann zum eigenbrötlerischen Kommissar. Koops schnitzt kleine Figuren aus Speckstein, er fährt einen alten Geländewagen russischer Produktion und sieht oft aus, als habe er in seinen Klamotten geschlafen.

Nichts wirkt aufgesetzt

Das sind natürlich Attribute und Anhängsel, die schon vielen Kommissaren ins Drehbuch geschrieben wurden. Hier aber wirkt nichts aufgesetzt, passt alles und bildet darüber hinaus einen wunderbaren Gegenpol zur attraktiven LKA-Ermittlerin, die anfangs fast schon belustigt, später durchaus bewundernd die Arbeit des Kollegen vom Land begleitet und sogar Gefühle für ihn entwickelt, die sich nicht allein mit der im Film nahenden Walpurgisnacht erklären lassen.

Fazit: Man wünscht sich das ungleiche Duo am Ende in einer Serie, ahnt aber, dass sich diese 90 nicht beliebig wiederholen lassen. Ein Grund mehr, sie zu genießen.

Samstag, ARD, 20.15 Uhr