Journalist Claus Jacobi gestorben - "Einer wie keiner"

Der Journalist Claus Jacobi, der damals der Chefredakteur der "Welt am Sonntag" war, aufgenommen am 28. Januar 1971.
Der Journalist Claus Jacobi, der damals der Chefredakteur der "Welt am Sonntag" war, aufgenommen am 28. Januar 1971.
Foto: dpa
Claus Jacobi prägte deutsche Leitmedien: Er hatte beim "Spiegel", bei der "Welt" und bei "Bild" Spitzenfunktionen. Wegen kritischer Berichterstattung saß er sogar in Haft. Jetzt starb Jacobi mit 86 Jahren.

Hamburg.. Der bekannte deutsche Publizist Claus Jacobi ist tot. Er starb in der Nacht zum Samstag im Alter von 86 Jahren in Hamburg, wie die Familie am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. Beim Medienhaus Axel Springer gehörte Jacobi seit Mitte der 1970er viele Jahre zu den führenden Köpfen, zuvor hatte er von 1962 bis 1968 das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geleitet.

In der "Spiegel"-Affäre 1962 wurde Jacobi als Chefredakteur des Nachrichtenmagazins festgenommen und ebenso wie sechs weitere "Spiegel"-Journalisten - darunter Vizechefredakteur Conrad Ahlers und Herausgeber Rudolf Augstein - in Untersuchungshaft gesteckt. "Die Polizisten suchten nach Beweisen dafür, dass in einer im "Spiegel" gedruckten Geschichte ("Bedingt abwehrbereit") Staatsgeheimnisse verraten worden waren, in deren Besitz wir durch Bestechung gelangt sein sollten", erinnerte sich Jacobi später in einem "Bild"-Artikel.

17 Tage hinter Gittern

"Das Beunruhigende an der Situation war, dass ich sie nur bedingt beurteilen konnte. Ich wusste nicht, ob in dem Artikel tatsächlich Staatsgeheimnisse standen. Aber ich war mir sicher, dass mein Freund Conny Ahlers, der den Bericht geschrieben hatte, sehr gründlich gearbeitet hatte. Das hat sich später bestätigt", so Jacobi weiter. Vor dem Gefängnis forderten Demonstranten die Freilassung der "Spiegel"-Journalisten. 17 Tage verbrachte Jacobi hinter Gittern, Augstein war sogar 103 Tage in Haft. Die Affäre kostete später Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) sein Amt und gilt als Meilenstein deutscher Pressegeschichte. Unter Jacobis Ägide wurde die "Spiegel"-Auflage auf eine Million Exemplare mehr als verdoppelt.

Weitere Spitzenpositionen folgten: Nach einem Ausflug zum "Stern" fing der gebürtige Hamburger, Sohn eines Kaufmanns, 1970 bei der "Welt am Sonntag" an. 1973 kam Jacobi zur Chefredaktion der "Wirtschaftswoche". Von dort aus ging er 1974 erneut zu Springer, wo er an der Redaktionsspitze von "Welt" und "Welt am Sonntag" stand. Auch die "Bild" prägte er mit, seine Kolumne hieß "Mein Tagebuch". Jacobi veröffentlichte mehrere Bücher.

"Einer wie keiner"

"Ein Jahrhundert-Journalist ist tot", hieß es auf "Bild.de" in einem Nachruf. "Er spazierte mit Albert Schweitzer im Dschungel über Ameisen. Er flog mit Bobby Kennedy im Jet. Er guckte mit Willy Brandt aus dem DDR-Erker von Erfurt. Er trank mit Richard Nixon zu Hause Wodka. [...] Vor Papst Johannes Paul II. kniete er nicht, aber er neigte sein Haupt." Jacobi sei "die funkelndste Feder von Axel Springer" gewesen. "Einer wie keiner." (dpa)

 
 

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