Joanna Semmelrogge will nicht „die Tochter von“ sein

Joanna Semmelrogge arbeitet als Schauspielerin – wie auch ihr Vater.
Joanna Semmelrogge arbeitet als Schauspielerin – wie auch ihr Vater.
Foto: imago stock&people
Joanna Semmelrogge trägt einen bekannten Namen. Gemeinsam mit ihrem Vater Martin Semmelrogge spielt sie nun in einer Comedy-Miniserie.

Berlin ..  Joanna Semmelrogge (26) ist gut gelaunt. Die Arbeit am Set mit ihrem Vater, dem Schauspieler Martin Semmelrogge (60), war einfach nur schön. In „Dit is Fußball“ (Tele 5, vier Folgen, 19.45 Uhr) spielt die in München geborene Schauspielerin die Co-Trainerin einer Jugendmannschaft. Das sei sehr spannend gewesen, da sie zwar privat Fußball schaue, selbst jedoch nicht spiele, sagt sie. Zur Vorbereitung habe sie sich Tricks von Freunden beibringen lassen.

Das Besondere an den Dreharbeiten war für Joanna Semmelrogge die Besetzung des Präsidenten des Fußballvereins: Martin Semmelrogge. „Ich habe zum ersten Mal mit meinem Vater vor der Kamera gestanden“, sagt sie. Das sei toll gewesen, da sie es nur selten schaffe, nach Mallorca zu fliegen, um ihn und seine Frau zu besuchen.

Auch Großvater und Halbbruder schauspielern

Ratschläge zum besseren Spielen habe ihr Vater ihr nicht gegeben, sagt Semmelrogge. Sie hätten als Kollegen zusammengearbeitet. Über die Freiheitsstrafen u. a. wegen Trunkenheit am Steuer ihres bekannten Vaters will Joanna Semmelrogge nicht sprechen. Sie wolle nicht nur als „Tochter von“ wahrgenommen werden, sagt sie. Mittlerweile habe sie gelernt, Stopp zu sagen, wenn sie nicht mehr über ihren Vater reden wolle. „Wir sind sehr unterschiedlich, haben aber ein sehr gutes Verhältnis. Ich bin stolz auf meinen Vater, er ist ein sehr guter Schauspieler“, sagt sie.

Als Kind sei sie oft bei Dreharbeiten dabei gewesen. „Wir sind eine kleine Dynastie“, sagt sie. Nicht nur ihr Vater Martin und ihr Halbbruder Dustin sind Schauspieler, auch Großvater Willy Semmelrogge stand auf der Bühne und vor der Kamera.

Eigentlich wollte sie gar nicht Schauspielerin werden – und so begann sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau. „Ich habe aber schon in der ersten Woche gemerkt, dass die Menschen in der Bank ein ganz anderer Schlag sind als ich“, sagt sie. „Ich habe mir alles etwas mehr wie in einem Film vorgestellt. Spannender, wenn zum Beispiel die Aktien fallen, oder man mit den Kunden Konzepte erarbeitet.“ Trotz der fehlenden Dramatik beendete sie ihre Ausbildung. Um mehr Spannung in ihr Leben zu bringen, habe sie in der freien Zeit Hörspiele gesprochen und als Synchronsprecherin gearbeitet. Das sei toll gewesen, da es bei der Arbeit vor dem Mikrofon nicht um das eigene Aussehen gehe, sondern darum, mit der Stimme einen Charakter zu erschaffen.

Karrierestart bei „Rote Rosen“

Nach der Ausbildung war aber klar: Sie wollte Schauspielerin werden. Eigentlich wollte sie zur Schauspielschule. Doch dann sei ihr ein interessantes Angebot zuvorgekommen: Als damals 18-Jährige bekam sie die Anfrage, in der ARD-Serie „Rote Rosen“ mitzuspielen – und sie sagte zu. Eine aufregende Zeit: Am frühen Morgen wurde sie ans Set gebracht, am Abend wieder zurück nach Hause kutschiert. Dann habe sie noch ihren Text für den nächsten Tag lernen müssen. Ein Arbeitspensum, auf das sie jedoch vorbereitet gewesen sei. „Ich bin nicht naiv an den Beruf rangegangen“, sagt sie. Da sie in einer Künstlerfamilie aufgewachsen sei, kenne sie die langen Arbeitstage am Set. Auch gegenüber Träumen von Ruhm und Reichtum sei sie realistisch. „Mir ist es wichtig zu arbeiten und in dem Beruf erfolgreich zu sein, nicht, berühmt zu werden“, sagt sie. Das unterscheide sie von vielen Kollegen, die in ihren Fernsehauftritten nur ein Mittel sähen, um zu Geld und Ansehen zu kommen.

Damit sie als Schauspielerin ihre Leistung erbringen könne, achte sie auf ihren Körper, sagt Joanna Semmelrogge. „Ich bin diszipliniert, aber in einem bestimmten Rahmen. Ich bin 26 und will mein Leben auch auskosten“, sagt sie. Besonders gerne gehe sie tanzen, sei aber meistens um ein Uhr nachts im Bett.

Semmelrogge sehnt sich nach Heimat

Die Schauspielerei sei für sie die Erfüllung schlechthin: Sie liebe den Geruch auf der Bühne, den Kontakt zu den Zuschauern. Besonders gerne spiele sie Figuren, die sich von ihr grundlegend unterscheiden. So wie Paula in dem Stück „In alter Frische“, in dem sie zur Zeit in Berlin auf der Bühne steht. Sie spielt eine Rapperin, die in einer Altersresidenz auf den ehemaligen Direktor einer Eliteschule trifft. Sie mag den Kontakt zu den alten Menschen. Das erinnere sie an das Leben mit ihren Großeltern. Ein wenig melancholisch wird sie bei dem Gedanken. Manchmal fehle ihr das Heimatgefühl. „Ich habe meinen Lebensmittelpunkt noch nicht gefunden, ich weiß noch nicht, wo er ist.“

 
 

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