Jenke-Experiment - Drogenrausch als Selbstversuch bei RTL

Julia Emmrich
Wo hört der Spaß auf, wo fängt der Teufelskreis an? Jenke von Wilmsdorff geht zum Start seiner neuen Selbstversuchsreihe der Gefährlichkeit von Drogen nach.
Wo hört der Spaß auf, wo fängt der Teufelskreis an? Jenke von Wilmsdorff geht zum Start seiner neuen Selbstversuchsreihe der Gefährlichkeit von Drogen nach.
Foto: RTL
Recherche muss wehtun, ist das Motto des RTL-Reporters. Nachdem er zunächst das Leben eines Alkoholikers nachahmte, versucht es Jenke von Wilmsdorff jetzt mit Cannabis. Kiffen im Selbstversuch brachte ihm die knappe Erkenntnis: „Ist nichts für mich.“

Berlin. Der Mann ist breit. Zugedröhnt. Bis unter die Haarwurzeln bekifft. „Ich spüre es in den Beinen“, sagt er mit lahmer Zunge, „ich fahre Karussell.“ Da kann er noch sprechen. Später kichert er nur noch oder liegt apathisch auf der Couch. Nach fünf Tagen Dauerrausch in einem holländischen Coffee-Shop hat Jenke von Wilmsdorff schließlich die Nase voll. Der Selbstversuch ist zu Ende. Kurz war der Kick, lang war die dumpfe Müdigkeit. Kiffen? „Ist nichts für mich“, sagt der RTL-Reporter.

Wie gefährlich ist Cannabis? Wo hört der Spaß auf, wo fängt der Teufelskreis an? Jenke von Wilmsdorff geht zum Start seiner neuen Selbstversuchsreihe ein riskantes Experiment ein: Fünf Tage unter Drogen. Keine harten Sachen, nur Cannabis, die Volksdroge unter den illegalen Rauschmitteln. Aber immerhin. „Das letzte Mal gekifft habe ich mit 16 oder 17, damals bin ich nur müde geworden und hab’s schnell wieder aufgegeben.“ Jetzt ist Jenke von Wilmsdorff 48 Jahre alt, der Arzt bescheinigt ihm beste Gesundheit, und dennoch: Jeder Körper reagiert anders – „und die wenigsten rauchen sechs Joints am Tag plus Wasserpfeife plus Verdampfer“. Die Folge: Kicheranfälle vor laufender Kamera, wirre Ansichten, bräsige Kommentare. Zum Selbstversuch gehört Selbstentblößung. Das Format lebt davon.

Das TV-Prinzip „Recherche muss wehtun“ ist nicht neu. Auf allen Sendern stürzen sich Leute unter vollem Körpereinsatz in fremde oder fiese Lebenslagen. Auch das „Jenke-Experiment: Drogen“ (Montag, RTL 21.15 Uhr) funktioniert so: „Ich kann mir nur eine Meinung bilden, wenn ich es selbst erlebt habe“, glaubt der Rheinländer. Das ist sein Credo.

Zu Beginn der letzten Staffel hat Jenke von Wilmsdorff vier Wochen lang ausdauernd gesoffen, um zu zeigen, was Alkohol anrichten kann. Der damalige liberale Gesundheitsminister Daniel Bahr war „not amused“: Alkoholsucht sei eine Krankheit, die für die Betroffenen und ihre Familien ein schweres Schicksal bedeute. Bahr fand den RTL-Selbstversuch deswegen „vollkommen unangemessen“. Diesmal, beim Cannabis-Experiment, gibt es Lob von allen Seiten: CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer findet Jenkes Experiment „hochinteressant“ – nach diesen Bildern werde jedem die Lust aufs Kiffen vergehen. Auch der Grüne Hans-Christian Ströbele findet den Selbstversuch weder albern noch reißerisch. Doch er zieht andere Schlüsse als der CSU-Mann: „Richtig und gut“ findet er alles, was die Debatte um die Freigabe von Cannabis anheizt.

Die Bundesregierung lehnt die Legalisierung ab. Öffentliche Coffee-Shops wie in Holland wird es hierzulande vorerst nicht geben. Denkbar ist allenfalls eine beschränkte Freigabe für medizinische Zwecke, etwa in der Schmerztherapie. Der Sender n-tv zeigt die Diskussionsrunde mit Ströbele, Mayer und weiteren Fachleuten einen Tag nach dem Kiffer-Experiment, am Dienstag um 22.10 Uhr.

Mehrheit gegen die Freigabe

Nicht nur die Regierung, auch die Mehrheit der Deutschen ist gegen eine vollständige Freigabe – dabei hat fast jeder vierte Erwachsene zwischen 18 bis 64 Jahren schon mal gekifft. Kinder und Jugendliche sind deutlich gefährdeter als Erwachsene, da Cannabis als psychoaktive Substanz das Gehirn in der Wachstumsphase schädigen kann. Jenke von Wilmsdorff ist trotzdem für eine Freigabe. „Ich wende mich gegen die sture Haltung der Regierung“, sagt er. Erwachsene sollten selbst entscheiden können, und Kinder, so glaubt er, könnten sogar besser als bisher geschützt werden, wenn Cannabis aus der Illegalität geholt würde – wie in Holland oder einigen US-Bundesstaaten. Mit Verboten, sagt er und denkt an seinen Sohn Janik, komme man nicht weiter.

Jenke von Wilmsdorff ist längst wieder fit. Letzte Woche war er in Berlin, um Werbung für seine Selbstversuche zu machen – als RTL-Reporter, aber auch als Buchautor. Er nimmt immer noch Drogen. Aber nur legale. Nikotin zum Beispiel. Der Mann hat die Nase voll vom Gras.