Ist "The Voice of Germany" das Ende der Erniedrigungskultur?

Die Jury von "The Voice of Germany" geht bisher respektvoll mit den Kandidaten um.
Die Jury von "The Voice of Germany" geht bisher respektvoll mit den Kandidaten um.
Foto: SAT.1/ProSieben/Richard Hübner
Das Casting-Format "The Voice of Germany" ist der Überraschungs-Quoten-Hit. Selbst Günther Jauch mit "Wer wird Millionär" hat es schwer gegen die hervorragenden Talente und die sympathische Jury. Geht jetzt die Glanzzeit von "Deutschland sucht den Superstar" zu Ende?

Essen. „Die Show ist gut“, hat Christoph Körfer schon vor gut einem Monat gesagt, wenn er über „The Voice Of Germany“ gesprochen hat. Und dass mit guten Quoten rechne hat er auch gesagt. Nun ist Körfer allerdings stellvertretender Geschäftsführer von Pro7. Da muss er so etwas sagen. Vier Wochen später aber hat man festgestellt: Die Show ist gut. Und die Quoten sind es auch.

Niemand wird von der Jury bei "The Voice of Germany" fertiggemacht

Sie sind auch nicht schlechter geworden, obwohl die „Blind Auditions“, bei denen die Jury die Kandidaten, nur hört aber nicht sieht, längst vorbei sind. Seit zwei Wochen schon kämpfen die Sänger und Sängerinnen in so genannten „Battles“ von "The Voice of Germany" eins gegen eins ums Weiterkommen. Das wollten beim letzten Mal mehr als fünf Millionen Menschen sehen, obwohl zur gleichen Zeit bei der Konkurrenz Günther Jauch wieder einmal fragte: „Wer wird Millionär?“

Woran das liegt, weiß niemand so genau. Zum einen wohl daran, dass bei „The Voice“ niemand von der Jury fertig gemacht wird und es trotzdem unterhaltsam ist. Weil die Jury aus Xavier Naidoo, „The BossHoss“, Nena und Rea Garvey sich gerne selbst und noch lieber gegenseitig nicht ernst nimmt.

Hohe Qualität bei den "The Voice"-Talenten

Zum anderen ist die musikalische Qualität der Show so hoch wie bei noch keiner anderen Star-Suche zwischen Alpen und Nordsee. Nahezu jeder Kandidat schon der ersten Runde hätte – das erlaubte Alter vorausgesetzt – bei Deutschland sucht der Superstar gesanglich in Finale gehört. Viele aber wären - weil zu dick, zu dünn oder zu unattraktiv – nie dorthin gekommen. Und nahezu jeder Zweikampf in den Battles von "The Voice of Germany" wie bei Percival und Pamela Falcon ließe sich problemlos auf CD pressen und herausbringen – so gut waren die musikalischen Schlachten.

Und die Höhepunkte der Staffel kommen erst noch. Am 5. und 6. Januar starten die Live-Shows, bei denen erstmals auch die Zuschauer (mit)entscheiden dürfen, welcher der dann noch 24 Kandidaten weiterkommt. Mit Beginn dieser Live-Shows verabschiedet sich dann ProSieben aus der Zwei-Sender-Kooperation. Vom 6. Januar an wird nur noch bei Sat.1 nach „The Voice of Germany" gesucht – bis zum Finale am 10.Februar.

DSDS und Supertalent sollen es künftig schwer haben

Angesichts des überraschenden Erfolges von „The Voice“ sehen Optimisten bereits das Ende der Erniedrigungskultur am Horizont heraufziehen. Eine Kultur, die vor allem RTL seit Jahren bei DSDS und der Suche nach dem Supertalent pflegt und deren bekanntester Vertreter Dieter Bohlen ist. Ob sich diese Hoffnungen erfüllen, wird sich Anfang 2012 zeigen, wenn die neunte DSDS-Staffel startet. Nur John de Mol ist bereits jetzt sicher, dass sie kein Erfolg mehr wird. „Affenzirkus will keiner mehr sehen“, hat die TV-Produzenten-Legende neulich gesagt. Aber das muss er auch sagen. Er hat „The Voice“ erfunden.

 
 

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