„Investigativ“ - wie Hooligans Angst und Schrecken verbreiten

Das neue Format "Investigativ" von Journalist Wolfram Kuhnigk feiert mit einer Reportage über Hooligans im deutschen Fußball eine gelungene Premiere auf RTL 2. Dabei ging es auch um das Rhein-Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln.
Das neue Format "Investigativ" von Journalist Wolfram Kuhnigk feiert mit einer Reportage über Hooligans im deutschen Fußball eine gelungene Premiere auf RTL 2. Dabei ging es auch um das Rhein-Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln.
Foto: imago
Schlägereien, Jagdszenen, 1000 Grad heiße bengalische Feuer - wie sicher sind heute Deutschlands Fußball-Stadien? Journalist Wolfram Kuhnigk hat sich für das neue RTL-2-Format "Investigativ" in die Hooligan-Szene begeben. In seiner Reportage zeichnet er ein erschreckendes Bild.

Essen.. Die Negativ-Schlagzeilen im deutschen Fußball reißen nicht ab: Hooligans und Ultras verbreiten immer häufiger in den Stadien Angst und Schrecken. Krawalle, Schlägereien, Jagdszenen, 1000 Grad heiße bengalische Feuer, die besoffene Fans durch die Luft schwingen und Feuerwerkskörper, die in den nächsten Zuschauerblock geworfen werden. Kann man heutzutage überhaupt noch ohne Angst mit seinen Kindern ins Fußballstadion gehen?

Wer am Montagabend zu später Stunde die erste Folge der neuen Reportage-Reihe „Investigativ“ auf RTL 2 gesehen hat, wird die Frage wohl für einige Risiko-Fußballspiele mit „Nein“ beantworten. Erschreckend nah dran ist die Premiere des Journalisten Wolfram Kuhnigk. Er mischt sich unter die Hooligans in die Kurve, fährt mit ihnen im Fanzug und wird mehr als einmal bedroht.

Reportage-Format "Investigativ" mit viel Atmosphäre

Mit der Handkamera-Perspektive lässt Kuhnigk die Zuschauer an seinen Recherchen teilhaben. Dabei ist er in den Interviews oft selbst im Bild zu sehen. Was anfangs etwas gekünstelt und übertrieben wirkt, manifestiert sich im Laufe des modernen, atmosphärischen Reportage-Formates „Investigativ“ als die von Kuhnigk erfasste Realität. Dabei stellt sich der Journalist die Frage: Warum tun Menschen das, was sie tun - auch wenn es anders, unmoralisch, unter Umständen illegal ist?

15.000 gewaltbereite Fußball-Fans gibt es schätzungsweise in Deutschland. Deren Motive will Kuhnigk erkunden und stößt dabei auf ein verstörendes Bild. „Entweder wir oder die – einer muss fallen“, protzt ein Fan vor dem Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln ins Mikro. Die Bundesliga-Partie gilt aus Sicht der Polizei als Risiko-Spiel. Die Rivalität einiger Fans rund um das Rhein-Derby droht jederzeit in Gewalt umzuschlagen. Hooligans haben sich bereits im Vorfeld zu Schlägereien verabredet.

Hetzjagd auf Fans von Borussia Mönchengladbach

Kuhnigk mischt sich vor Spielbeginn in einen mit Köln-Fans vollgepackten Regionalzug. Bei einem Zwischenstopp auf dem Bahnhof in Mönchengladbach-Rheydt stürzen plötzlich mehrere Hooligans aus dem Zug und schlagen wahllos auf unschuldige Gladbach-Fans ein. Als Polizisten den Opfern zu Hilfe eilen, verstecken sich die Täter im Zug und entkommen. „Die Gewalttäter mischen sich unter normale Fans, um sich den Kontrollen zu entziehen“, so Kuhnigk.

Beim Rhein-Derby im April 2011 darf Kuhnigk nicht im Stadion filmen. „Die deutsche Fußball-Liga mag keine Berichte über gewaltbereite Fußball-Fans – das schade dem Image des Sports“, zitiert der Journalist aus der Absage im Vorfeld. Im Kölner Block werden während der Partie zahlreiche Feuerwerkskörper gezündet… Auch nach dem Spiel ist eine massive Polizeipräsenz zur Deeskalation zwischen den Fanlagern nötig: „Es ist eine Sportveranstaltung, aber es fühlt sich an wie ein Antiterroreinsatz“, bilanziert Kuhnigk.

Verharmlosung von Gewaltexzessen

Der Journalist trifft sich mit für seine „Investigativ“-Reportage mit „Samurai“ Frank Renger (43) aus Essen. Der Betreuer des Fußball-Vereins Tura 86 Essen hatte bei der Fußball-WM 1998 den französischen Polizisten Daniel Nivel lebensgefährlich verletzt und wurde zu zehn Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt. Mit ihm spricht Kuhnigk über das Thema Hemmschwelle. „Augen zu und durch – der Rausch der Gewalt – Tunnelblick“, sind die Antworten, die er von Renger erhält. „Immer wieder versucht er seine Gewaltexzesse zu verharmlosen“, lautet das Fazit von Kuhnigk nach dem Gespräch.

Investigativ Der Autor des Buches „Gewalt ist eine Lösung“ verdient sogar Geld mit seiner Hooligan-Vergangenheit. Der Ex-Polizist Stefan Schubert war Mitglied der „Blue Army Bielefeld“ – einer radikalen Hooligan-Gruppe. Als ihm Kuhnigk ein Video vorspielt, bei dem Polizisten aus einem fahrenden Zug mit Feuerwerkskörper beworfen werden, sagt Schubert: „Da kann man schon eine Menge Spaß haben“.

Unschuldige verlor ein Auge wegen Hooligan-Attacke

Kuhnigk lässt auch Opfer zu Wort kommen. Hannelore Steiner verlor ein Auge, als Hooligans des FC Bayern München einen Fan-Bus des 1. FC Nürnberg stürmten und mit Flaschen warfen. Während Hannelore Steiner noch heute unter dem Angriff leidet, kamen die vorbestraften Täter vor Gericht mit Bewährung davon. „Die nahmen keine Rücksicht auf Frauen und Kinder“, erzählt sie.

Das Fazit des Journalisten nach seinen „Investigativ“-Recherchen fällt vernichtend aus: „Egal welche Perspektive ich suche, für die Exzesse der Hooligans gibt es keine Entschuldigung“. Mit seiner Reportage vermittelt Kuhnigk die Botschaft: Die Hooligan-Attacken können jederzeit auch Unbeteiligte treffen. Dabei spitzt er seine Aussage allerdings auch sehr auf die Problemspiele wie Mönchengladbach gegen Köln oder die Derbys in Leipzig zu.

Schock-Dokumente bei "Investigativ"

Von Kuhnigk während der Reportage gezeigte YouTube-Videos von Hooligans, die sich zu brutalen Schlägereien im Wald treffen, sind zwar schockierende Dokumente. Ob sie allerdings über das Fernsehen auch noch einem großen Publikum präsentiert werden müssen, ist fragwürdig und doch zu sehr der typische Voyeur-Stil von RTL 2, in den das sonst so gelungene Reportage-Format „Investigativ“ gar nicht passt.

Die zweite Folge von „Investigativ“ hat am Montag, 12. Dezember, um 23.10 Uhr auf RTL 2 das Thema „Kuhnigk und das Geschäft mit der Lust“.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen