Intensive Doku über Walter Kohl als ewiger Politiker-Sohn

Dr. Walter Kohl hat sich den Fragen von Stefan Lamby für eine Doku gestellt.
Dr. Walter Kohl hat sich den Fragen von Stefan Lamby für eine Doku gestellt.
Foto: dpa
Stefan Lamby gehören zu den Großen der Doku-Szene. Seine Klasse zeigt er in dem ARD-Porträt „Walter Kohl – Aus dem Schatten des Vaters“. In dem Film gelingen Lamby einige intensive Momente. Und dennoch zeigt der 45-Minüter auch die Grenzen der Gattung auf.

Essen. Geschichten über die Kinder von Politikern zählen nach den ungeschriebenen Gesetzen der deutschen Medienlandschaft zu den Tabuthemen. Scheinbar verstößt die ARD (Donnerstag, 22.30 Uhr) gegen die Regel mit dem Filmporträt „Walter Kohl – Aus dem Schatten des Vaters“.

Schnell zeigt sich, dass sich hier beide Seiten aufeinander eingelassen haben. Der Sohn des Altbundeskanzlers aufs Fernsehen und Regisseur Stefan Lamby auf den inzwischen sendungsbewussten Buchautoren und Vortragsreisenden.

Intensive Momente eingefangen

Abseits der Doku-üblichen Interviewszenen mit Walters Freunden und Verwandten konnte Lamby intensive Momente mit Helmut Kohls Junior einfangen. In seiner alten Schule, wo er auf dem Klo als der Sohn vom Kohl verprügelt wurde. Oder im Bonner Kanzlerbungalow, in dem es für Walter und seinen Bruder Peter kein richtiges Zimmer gab. Oder am Grab der Mutter Hannelore Kohl.

Hat sie vor ihrem Selbstmord von der Affäre ihres Mannes gewusst und hat dies ihre Entscheidung beeinflusst? Walter Kohl und Stefan Lamby deuten ein „Ja“ als Antwort an, sprechen es aber nicht aus. Parteiisch wird der Film auch, wenn es um die zweite Ehefrau von Helmut Kohl geht. Das muss man nicht gut finden.

Ein glaubwürdiges Porträt

Und dass Helmut Kohl zu dem 45-minütigen Film kein Wörtchen über seinen Sohn, den er ja auch nicht zur Hochzeit eingeladen hatte, beisteuert, erscheint selbstverständlich. Ob der Filmemacher den Ex-Kanzler denn überhaupt gefragt hat, bleibt unklar. Ebenso wie die Beantwortung der Frage, warum die Kohl-Söhne erst im reifen Alter Mitte dreißig gegonnen haben, sich vom allmächtigen Vater zu lösen.

Ein glaubwürdiges Porträt des Mannes, der seinem Vater so ähnlich sieht, ist Lamby bei aller Sympathie für das Objekt seiner Betrachtung dennoch gelungen. Seitdem der „Ex-Sohn“ Walter seine Rolle als Sohn öffentlich aufgearbeitet hat, scheint er im Reinen mit sich zu sein und „weniger gelebt zu werden“, wie er es ausdrückt. Am 9. September spricht er darüber auch im Rahmen der WAZ-Vortragsreihe in Essen.

 
 

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