Hirnforscher erklären, warum Apple uns so fasziniert

Die ARD-Reihe "Markencheck" beschäftigte sich diesmal mit Apple. Viel Neues kam dabei nicht raus.
Die ARD-Reihe "Markencheck" beschäftigte sich diesmal mit Apple. Viel Neues kam dabei nicht raus.
Foto: dpa
Apple-Produkte sind zu teuer, werden generell überbewertet und ihre Produktion ist unmenschlich – aber sie sind so schick und so hübsch und überhaupt so einfach zu bedienen! Mit diesen Vorurteilen räumt der ARD-Markencheck jetzt auf. Und erklärt, woher die Faszination für iPhone, iPad und Co. kommt.

Essen. Ob Sie Ihrem Kind ins Gesicht sehen oder auf das Display eines iPhones starren – in Ihrem Gehirn laufen dieselben Prozesse ab: Das Areal wird aktiviert, das eigentlich für die emotionale Bindung zu andern Menschen verantwortlich ist. Das haben Hirnforscher im Auftrag der ARD-Markencheck-Redaktion jetzt herausgefunden. Und waren selber verblüfft. Da verwundert es auch nicht, warum Apfel-Jünger ganze Nächte vorm Apple-Store kampieren, um das neueste Gerät der Marke zu kaufen. Im Kreißsaal wartet man schließlich auch gerne mal etwas länger.

Simone ist Studentin an der Internationalen Designschule in Köln. In den Seminaren dort sieht man vor ihren Kommilitonen nur aufgeklappte Macbooks (für die Nicht-Apple-Infizierten: Das ist das Notebook der Marke). Wer kreativ ist, so wirkt es, der arbeitet nur mit Geräten mit dem Apfel drauf. Und auch Simone ist selig, als sie ihr neues IPhone in Händen hält, streichelt verliebt über sein unberührtes und daher noch fleckenfreies Display, redet etwas von der Verpackung, die einem Altar gleicht. Diese Emotion können wohl nur Apple-Jünger nachvollziehen.

Schwer fällt es Simone auch, ihr IPhone für Testzwecke in einem Krug Bier zu versenken. Eine verständliche Reaktion wenn man sieht, wie unmöglich es für den Besitzer ist, das Gerät danach wieder zum Laufen zu bringen. Das Samsung-Gerät, das derselben Prozedur unterzogen wird, lässt sich danach einfach auseinandernehmen und trocknen.

Beim IPhone hingegen ist der Akku fest verbaut. Ein Tribut an das Design, sagt der Hersteller. Ein Tribut an den Profit der Hersteller, sagt der Experte. Also zieht die Feuchtigkeit ins Gehäuse und das Gerät funktioniert nicht mehr. Die Garantie ist übrigens damit auch erloschen. Ein Apple-Feind meint dazu: „Apple hat für mich etwas von einer Diktatur.“ Wer seine Geräte funktionsfähig halten will, kann dies nur mithilfe des Herstellers.

Stiftung Warentest bestätigt Qualität von IPad und Co.

Im trockenen Zustand gehören die Produkte von IGod Steve Jobs aber zu den qualitativ hochwertigsten ihrer Art. Das IPad überzeugt die Tester durch seine Einfachheit. Intuitiv können sogar technisch unterfahrene Menschen, im ARD-Test ist dies ein Rentner, die Geräte bedienen. Sogar Stiftung Warentest attestiert den Produkten mit dem Apfel eine sehr gute Qualität. Allerdings: Geräte gleicher Qualität gibt es auch weitaus günstiger.

Das einzige, was an Apple-Erzeugnissen nicht teuer ist, sind die Materialien und der Lohn für die Arbeiter in den Firmen, die meistens in Asien ansässig sind. So kostet ein IPhone 5 679 Euro. Davon gehen 34 Euro für das Display und den Touchscreen drauf, 14 Euro für die Kamera, 13, 50n Euro für den Prozessor, 8 Euro für den Speicher, 3,50 Euro für den Akku.

Arbeiter bei Apple-Zulieferer bekommen einen Euro pro Stunde

Und 6 Euro für die Produktionskosten. Bei einem Stundenlohn von einem Euro, den die Arbeiter bei den Apple-Zulieferern in China bekommen, dürfte das passen. Allerdings, so finden die ARD-Redakteure heraus, lässt es sich von einem Euro in der Stunde auch in China nicht besonders gut leben. Die Zulieferer-Firma Foxconn sorgte schon öfter für Schlagzeilen, weil einige ihrer Arbeiter lieber Selbstmord begingen, als weiter an Apple-Produkten rumzuschrauben. Aber auch Angestellte anderer Zulieferer leiden unter dem Preisdruck: Sie leben in riesigen Wohnheimen, 14 Personen schlafen in einem Zimmer ohne Fenster, 12-Stunden-Schichten – im Stehen – sind keine Seltenheit.

Werden die Überstunden gesenkt, können die Arbeiter von dem normalen Grundgehalt nicht überleben. Sie würden ihren Arbeitern ja gerne mehr zahlen, sagt ein Leiter eines solchen Betriebs, aber sie würden am Umsatz der Geräte nur 5 Prozent verdienen. Apple hingegen verdiene an jedem Gerät bis zu 30 Prozent. Diese Tatsache sollte sogar den Käufern in den reicheren Ländern zu denken geben. Unter welchen Umständen ihr IPhone-Baby gezeugt wurde, ist den Apple-Fans, die freiwillig stundenlang anstehen, aber wohl egal.

 
 

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