Fall Wedel: Scharfe Kritik an Medien bei „Hart aber fair“

Bei „Hart aber fair“ diskutierten die Gäste von Frank Plasberg über die Vorwürfe gegen Dieter Wedel.
Bei „Hart aber fair“ diskutierten die Gäste von Frank Plasberg über die Vorwürfe gegen Dieter Wedel.
Foto: WDR / WDR/Klaus Görgen
War es richtig, die Vorwürfe gegen Dieter Wedel öffentlich zu machen? Bei „Hart aber fair“ übte eine Strafrechtlerin deutliche Kritik.

Berlin.  Mit den Anschuldigungen gegen Dieter Wedel hat die #MeToo-Debatte auch Deutschland erreicht. Die Enthüllungen zeigen, dass sexuelle Übergriffe von mächtigen Männern offenbar auch hierzulande ein Problem sind. Zugleich ist eine Debatte um die Veröffentlichung der Vorwürfe entbrannt: Wird der Regisseur vorverurteilt, wo doch eigentlich die Unschuldsvermutung gelten müsste?

Das Thema beschäftigte am Montagabend auch Frank Plasberg. „Macht, Mann, Missbrauch – was lehrt uns der Fall Wedel?“, fragte der Gastgeber von „Hart aber fair“.

Die Kritikerin

Ein guter Teil der Diskussion drehte sich um die Frage, ob die Veröffentlichung der Vorwürfe durch das „Zeit Magazin“ und die „Die Zeit“ richtig war. Als große Kritikerin der Entscheidung erwies sich die Strafrechtlerin Monika Frommel. „Das ist ein digitaler Pranger und ein historischer Rückschritt, den ich unfassbar finde“, sagte Frommel. Schließlich gebe es für solche Fälle erprobte Verfahren, die nun einfach umgangen würden. Die Debatte um Wedel gleiche einem Scherbengericht im antiken Athen. „Ein Mann wird vor Publikum bloßgestellt und hat keine Chance, sich zu verteidigen.“

Einen solchen strikt juristischen Standpunkt kann man vertreten, auch wenn er kurzerhand die Vielzahl der Zeuginnen und die Dichte der Vorwürfe ignoriert. Als es grundsätzlicher um die #MeToo-Debatte ging, bewegte sich Frommel aber auf fragwürdigem Terrain: „Ich hatte mit 17 Jahren auch schon die Souveränität, um so etwas zu beenden“, sagte Frommel mit Blick auf sexuelle Übergriffe durch Männer. Die Frauen müssten sich einfach nur stärker wehren.

Dieter Wedel und seine Filme

Dieter Wedel wurde im Fernsehen als Regisseur vor allem durch spannende Mehrteiler wie "Der König von St. Pauli" oder "Der Schattenmann" bekannt. Sein letzter TV-Erfolg war "Gier" mit Ulrich Tukur.
Dieter Wedel und seine Filme

Der Journalist

Christoph Amend wollte die Vorwürfe gegen die Veröffentlichung nicht gelten lassen. Die Anschuldigungen seien sorgfältig recherchiert und dokumentiert worden, sagte der Chefredakteur des „Zeit Magazins“. Auch habe man Wedel angehört und seine Sicht der Dinge gleichberechtigt dargestellt.

Zugleich warnte Amend mit guten Argumenten vor Frommels rein juristischem Blick. Schließlich bedeute dieser, dass etwa auch über den sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule nicht hätte berichtet werden dürfen, so lange die Staatsanwaltschaft nicht aktiv war. „Wollen Sie denn wirklich, dass wir erst berichten können, wenn die Fälle vor Gericht sind?“

Der Intendant

Doch wie ist es möglich, dass die mutmaßlichen Übergriffe durch Wedel damals nicht publik wurden? Der hauptsächlich zuständige Saarländische Rundfunk wusste in Teilen von den Problemen, griff damals aber nicht ein. „Es kann sein, dass Frauen nicht so wichtig waren wie Wedel“, erklärte das der heutige Indentant Thomas Kleist, der den Journalisten die Archive öffnete, um die Recherchen zu unterstützen.

Als weitere Erklärung führte Kleist den Zeitgeist an. „Man hat darüber früher nicht geredet.“ Auch habe die Sensibilität gefehlt. „Ich habe selbst eine Tochter, die 29 Jahre alt ist. Mir war klar: Da muss ich was tun, Verantwortung übernehmen und aufklären.“

Die Politikerin

Katharina Barley teilte diesen Erklärungsansatz. „In vielen Branchen und ein stückweit auch in der Gesellschaft gibt es die Einstellung: Über soetwas spricht man nicht“, sagte die Familienministerin. Das sei schon deutlich geworden, als die Vergewaltigung in der Ehe verboten wurde und viele Menschen sich darüber aufgeregt hätten.

Zugleich warnte Barley davor, dass Problem ausschließlich in der Vergangenheit zu verorten. „Es gibt noch immer Fälle von sexuellen Übergriffen“, sagte die SPD-Politikerin. Entscheidend sei dabei das Machtegefälle, das die Taten bedinge. Das passiere auch in der Politik. „Es ist wichtig, dass darüber gesprochen wird.“

Das Fazit

Über #MeToo ist viel gesagt worden, doch diese Ausgabe von „Hart aber fair“ zeigte: Die Debatte bleibt wichtig – und könnte etwas verändern.

Eine solche Veränderung kann schon im Alltag beginnen. Dürfen Männer im Umgang mit Frauen gar nichts mehr? „Es ist überhaupt nicht schwer, zwischen einem Flirt und einer fiesen Anmache zu unterscheiden“, sagte dazu Katharina Barley. Man solle sich doch einfach vorstellen, ob man ein solches Verhalten gegenüber der eigenen Freundin oder Schwester in Ordnung fände.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek.

 
 

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