„Hart aber fair“: Plasberg diskutiert über das Bienensterben

Moderator Frank Plasberg in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ (Archivbild).
Moderator Frank Plasberg in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ (Archivbild).
Foto: imago stock&people / imago/Horst Galuschka
Wie gefährlich ist die moderne Landwirtschaft für Mensch und Tier? Diese Frage stellte am Montagabend Frank Plasberg seinen Gästen.

Berlin.  „Wir wollen, dass in diesen vier Jahren jede Biene und jeder Schmetterling und jeder Vogel in diesem Land weiß: Wir werden uns weiter für sie einsetzen“ – Mit diesem Satz hat Katrin Göring-Eckardt einige Häme auf sich gezogen. Die Wortwahl der Grünen mag skurril gewesen sein, der Inhalt aber berührt mit dem Spannungsfeld von Naturschutz und industrieller Landwirtschaft ein großes Thema.

Diesem Thema nahm sich am Montagabend auch Frank Plasberg an. „Der stille Tod der Bienen – Wer vergiftet unsere Natur?“, fragte er bei „Hart aber fair“ seine Gäste.

• Die Imkerin

Aus der Bienen-Praxis berichtete dazu Agnes Flügel. „Man muss Angst haben, dass man die Völker nicht stark genug in den Winter kriegt“, sagte die Imkerin. Zwar seien ein paar Verluste normal, doch würden die Probleme immer größer werden. „Teilweise müssen die Bienen schon im Juli gefüttert werden“, sagte Flügel, die zufällig durch einen Unfall zu dem Hobby und schließlich zum Beruf Imkerin kam.

• Der Wissenschaftsjournalist

Bestärkt wurde dieser Eindruck von Ranga Yogeshwar, der unter Verweis auf mehrere Studien nachdrücklich vor dem Insektensterben warnte. Diese kommen teilweise zu dem Schluss, dass sich die Anzahl der Insekten seit Ende der 1980er um Jahre 75 Prozent verringert hat. „Insekten spielen eine unglaublich wichtige Rolle, wenn sie sterben, verschieben sich Gleichgewichte“, sagte der Wissenschaftsjournalist. Die Folgen seien unabsehbar, das Problem noch nicht in der Tiefe erfasst.

Als wichtigste Verursacher benannte Yogeshwar unter Verweis auf die Studien Insektizide wie die Neonikotinoide. Diese träfen nicht nur die Insekten, sondern auch die Menschen: „In jedem Honig ist mindestens ein Vertreter der Neonikotinoide drin, in manchen sogar ein ganzer Cocktail.“ Am Ende ähnele die Angelegenheit beispielsweise der Asbest-Geschichte, dessen krebserregende Wirkung auch lange von der Industrie und Verbänden unter den Teppich gekehrt wurde.

• Der Bauernvertreter

Als Bösewicht der Runde trat Bernhard Krüsken auf. Zwar räumte der oberste Vertreter der deutschen Bauern ein, dass die Landwirtschaft etwas mit dem Bienensterben zu tun haben könnte. Die von Yogeshwar zitierten Studien stellte er allerdings in Frage. So stehe nicht einmal fest, dass das Insektensterben überhaupt so drastisch stattfinde. „Man kann nicht einfach sagen: Irgendwie hat das mit der Landwirtschaft zu tun“, sagte Krüsken.

• Die Politiker

Die Lage ist dramatisch, doch warum passiert eigentlich nichts? Ein Grund ist die Trägheit der Politik, die wunderbar an der fachlichen Auseinandersetzung zwischen Agrarminister Christian Schmidt (CSU) und dem Grünen-Umweltexperten Harald Ebner deutlich wurde. Während „Glyphosat-Schmidt“ seine eigenen Aktivitäten als völlig ausreichend lobte, kritisierte Ebner beispielsweise, dass besagte Neonikotinoide noch nicht verboten seien. „Wir haben in der Bundespolitik nur Kosmetik wie Bienen-Apps, die nutzt den Bienen aber gar nichts“, sagte der Grüne.

• Der Satz des Abends

Kam ebenfalls von Ebner, der leidenschaftlich dafür warb, nicht nur an die Bienen, sondern ganz grundsätzlich an Insekten zu denken. Schlupfwespen etwa seien auch sehr nützlich, könnten sich aber nicht mehr paaren, weil Insektizide den Duftstoff der Weibchen überdeckten. „Die millionen Jahre alte biologische Tinder-App ist kaputt“, sagte sich Ebner.

• Das Fazit

„Es ist ungewöhnlich, eine Sendung über Bienen z u machen, wenn man nicht gerade Ranga Yogeshwar heißt“, hatte Frank Plasberg zu Beginn der Diskussion noch gesagt. Stimmt, doch das Experiment hat insgesamt gut funktioniert: Neben zahlreichen Fakten lieferte diese Ausgabe von „Hart aber fair“ einen guten Überblick zu den Standpunkten – und vor allem ein Gefühl für die Dringlichkeit des Problems. Eine spannende Sendung, die ohne AfD, Flüchtlinge und Donald Trump auskommt: Geht doch, Herr Plasberg!

Hier können Sie „Hart aber Fair“ noch einmal anschauen.

 

EURE FAVORITEN