WM boykottieren? Gregor Gysi und Edmund Stoiber bilden bei „Anne Will“ merkwürdige Allianz

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Sollte man die WM in Russland boykottieren? Bei „Anne Will“ wurde darüber heftig gestritten. Mit dabei: ein früherer Nationalspieler.

Berlin.  Die WM 2018 in Russland ist mehr als ein Sportereignis: Wegen der politischen Situation wird man in aller Welt sehr genau hinschauen, wenn Mitte Juni die Spiele beginnen. Im Vorfeld gab es bereits einige Diskussionen. Sollte man es den Regierungen von Großbritannien und Island gleichtun und die WM boykottieren?

Das Thema beschäftigte am Sonntagabend auch Anne Will. Chance zum Dialog oder Selbstdarstellungsshow für Putin: Zwischen diesen Polen bewegte sich die Diskussion.

Was der Ex-Nationalspieler sagt

Interessant war, dass mit Arne Friedrich ein früherer Nationalspieler zu Wort kam. „Die Spieler haben sich immer gefreut, wenn Angela Merkel auf der Tribüne saß“, sagte der ehemalige Innenverteidiger auf die Frage, ob die Kanzlerin dem Turnier nicht lieber fernbleiben sollte. „Ich würde mir daher wünschen, dass sie fährt.“ Schließlich könne man Politik und Sport voneinander trennen.

In diesem Zusammenhang warnte Friedrich auch davor, die WM mit der Person von Russlands Präsidenten zu verbinden „Das ist nicht Putins WM, sondern die von uns allen.“ Am Ende gehe es um den Sport und die Sportler, befand Friedrich.

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Ukraine, Syrien, MH17: Was gegen Putin spricht

Damit war in der Diskussion eine erste Meinung gesetzt – der nur von Rebecca Harms widersprochen wurde. „Die großen Namen der Politik sollten Putin nicht die Ehre erweisen“, forderte die Europaabgeordnete der Grünen. Das würden die Spieler und Fans schon verstehen. Auch gebe es ohnehin genug Dialog mit Russland, sagte Harms. „Die Deutschen reden sich ein, dass es keine Gespräche gebe – doch das stimmt nicht.“

Ihre Ablehnung begründete Harms damit, dass Putin bei der WM darum gehe, nach innen Stärke zu demonstrieren. „Seht her: Wenn wir einladen, kommen sie doch alle“, sei das Argument. Erfülle man es, laufe man Gefahr, viele von Putins Taten zu legitimieren, warnte Harms. „Ukraine, Syrien, MH17: Es gibt viele Gründe, warum man das nicht mitmachen sollte.“

Zwei Altvordere sind sich einig

Dieser Haltung verwahrten sich wiederum zwei Altpolitiker. „Ich kann das nachvollziehen, halte es aber für falsch“, sagte der frühere CSU-Spitzenpolitiker Edmund Stoiber. Die WM könne dazu genutzt werden, um die Entfremdung zwischen Russland und dem Westen abzubauen. „Ich weiß nicht, was es bringen soll, wenn man nicht hinfährt. Das ist Symbolpolitik.“

Ähnlich sah das Gregor Gysi. Zugleich verwahrte er sich gegen das Gros der Argumente, die für einen Boykott vorgebracht werden. Die Vorwürfe gegen Russland im Fall Skripal etwa erklärte der Politiker der Linkspartei für unlogisch – ohne das genauer auszuführen. Die auch in seinen Augen unrechtmäßige Krim-Annexion relativierte Gysi unter Verweis auf das Kosovo. Und MH17? War ein Versehen. „Frieden und Sicherheit funktioniert in Europa nicht ohne Russland“, schloss Gysi. Daher brauche es bessere Beziehungen zu Russland – gerade dann, wenn das Ziel laute, etwas zu verändern.

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Das Bekenntnis des Abends

... kam von Edmund Stoiber, der sich in gewohnter Manier breit zu allerlei Aspekten ausließ. Als es um den Kalten Krieg ging, wurde Stoiber plötzlich ganz selbstkritisch: „Ich war mit der härteste Kalte Krieger neben Franz-Josef Strauß“, beschrieb Stoiber seine wilden Jahre. Und was habe es gebracht? „Die Entspannungspolitik hat viel mehr zur Wiedervereinigung beigetragen.“

Das Fazit

Anne Will hätte auch gut über das Bamf sprechen können. Oder über Alexander Gaulands unsägliche „Vogelschiss“-Äußerungen. Gut, dass die Redaktion bei ihrem auf den ersten Blick etwas abwegigen Thema blieb: Unterhaltsam war dieser WM-Talk durchaus, auch wenn es fast nur um die Boykottfrage ging.

Was konnte man in dieser Hinsicht aus der Runde mitnehmen? Vielleicht ein Zitat, mit dem Rebecca Harms eigentlich für ein Boykott stritt, das aber eher gegen einen solchen spricht: „Ich liebe Russland, Russland ist mehr als Putin“, sagte die Grüne.

 
 

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