Free-TV-Premiere "Die Mannschaft": Ultimative Lobhudelei

Nicht einmal zwei Monate nach der Kino-Premiere zeigt das Erste am Freitag den WM-Film "Die Mannschaft". Anders als erhofft ist die Pseudo-Doku eine 90-minütige Zusammenfassung der besten Szenen und eine oberflächliche Annäherung an die Protagonisten.

Bastian Schweinsteiger, der blutend am Spielfeldrand liegt, mit verarzteter Wunde wieder aufsteht und wie selbstverständlich weiterspielt. Mario Götze, der die Flanke von André Schürrle mit der Brust annimmt und das alles entscheidende Tor schießt. Der überwältigende Jubel der Spieler und Betreuer, durchdrehende Fans am Brandenburger Tor, die absolute Glückseligkeit einer ganzen Nation: Der WM-Triumph der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war ganz großes Gefühlskino, das Drehbuch wie gemalt für einen Film wie "Die Mannschaft", der nur wenige Wochen nach seiner Kino-Premiere im November am Freitag, den 2. Januar um 20:15 Uhr im Ersten schon im TV zu sehen ist. Doch lohnt sich das Einschalten?

Die Dokumentation, so heißt es in der Pressemitteilung, "schenkt den Fans neue Bilder, die der Zuschauer weder im Stadion noch im Fernsehen sehen konnte". Die vollmundige Ankündigung stimmt leider nur teilweise. Wirklich näher kommt man den Protagonisten nämlich nicht. Der Film setzt auf die Kraft der Bilder und Emotionen und erinnert dabei an einen 90-minütigen Werbefilm für die Nationalmannschaft, den Fußball im Allgemeinen und Urlaub im Campo Bahia. Kein Wunder: Der Film ist schließlich die "offizielle Dokumentation der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien 2014", wurde also von der DFB-Medienabteilung gedreht und von der durchaus umstrittenen Machtzentrale der FIFA in der Schweiz abgesegnet. Für Spannungen, Konflikte oder Kritik bleibt da kein Raum.

Wirklich gut gelungen sind dem Film von Martin Christ (Kamera), Jens Gronheid (Schnitt) und Ulrich Voigt (DFB-Mediensprecher) immerhin die ruhigen Momente, von denen es zu wenige gibt: das Frühstück von Lahm nach dem WM-Triumph, eine Presse-Konferenz aus Sicht der Spieler und die Ruhe in der Kabine nach einem Spiel stehen in schönem Gegensatz zu der aus den Fugen geratenen Hysterie im Profi-Fußball. Stört man sich an der permanenten Lobhudelei nicht und betrachtet den Film einfach durch die Fan-Brille, kann man sich zudem an der Wiederholung sämtlicher Tore und an Thomas Müller erfreuen: der Bayern-Stürmer erklärt gleich zu Beginn seinen scheinbar verstolperten Freistoß, bewirtet im Dirndl Betreuer und schreibt dem Bundestrainer einen Brief, in dem er um Erlaubnis bittet, Golfspielen gehen zu dürfen. Dass Müller ein Spaßvogel ist, dürfte zwar niemanden mehr überraschen, doch wirklich Neues erfährt man in diesem Film ohnehin kaum.

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