Erinnerung an einen Teufelsfahrer

Essen.  Zum 40. Todestag zeichnen ARD und 3sat den Weg des einzigen Weltmeisters nach, der als Toter den Titel errang: Jochen Rindt und sein letzter Sommer.

.„Ich werde Weltmeister oder ich sterbe.“ Jochen Rindt sagte dies über seine Aussichten als Rennfahrer in seiner typischen, sich selbst gegenüber distanzierten Art. Am Ende der Formel-Eins-Saison 1970 waren auf dramatische Weise beide Teile der Prophezeiung des Deutsch-Österreichers wahr geworden.

Dieser Weg endete am 5. September 1970 auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza an der Leitplanke. Ein schwerer technischer Defekt seines zerbrechlichen Lotus-Rennwagens ließ ihm, dem Ausnahmetalent, das selbst mit einem Platten noch schnell unterwegs sein konnte, keine Chance. Keine zu reagieren und keine zu überleben.

Der ungebremste Einschlag in die Leitplanke verletzte Rindt, der sich als einer der ersten Fahrer massiv für mehr Sicherheit der veralteten Rennstrecken eingesetzt hatte, tödlich. Doch in den verbleibenden drei Rennen gelang es keinem anderen Fahrer mehr, ihn in der WM-Wertung einzuholen. Vielleicht wollte es sein Freund Jacky Ickx auch einfach gar nicht mehr.

Diese einzigartige Rennsportgeschichte wird immer seltener erzählt, denn außerhalb Österreichs ist die Erinnerung an Jochen Rindt deutlich verblasst. Was sicher anders wäre, wenn der 1942 in Mainz geborene Unternehmersohn nicht als Kriegswaise im Kleinkindalter nach Graz gekommen und zeitlebens für Österreich gestartet wäre. Sondern eine Generation vor Schumi erster „echter“ deutscher Weltmeister in der Formel Eins geworden wäre.

Eberhard Reuß, der Rennsportexperte des SWR, hat ein filmisches Portrait des intelligenten Draufgängers mit dem markanten Raubvogelgesicht erstellt, das sich an den aufwühlenden End-Sechziger Jahren berauscht. Die Originalaufnahmen in „Jochen Rindts letzter Sommer“ (Sonntag, 29.8., 21.45 Uhr, ARD) tragen die grellen Farben der damaligen Fernsehtechnik, und Reuß untermalt sie geschickt mit zeitgemäßen psychedelischen Klängen. Damit rückt er die Rennfahrer-Gilde in die Nähe von Pop-Stars, obwohl sie dies nicht waren und auch nie sein wollten.

Rennfahrer-Witwe Nina Rindt lässt Reuß erstmals private Aufnahmen ausstrahlen, und von denen gibt es am Schluss der 90 Minuten entschieden zu viel zu sehen. So zieht sich das gut gestartete Dokumentarstück am Ende in die Länge.

Seltsamerweise gibt es im deutschen Fernsehen eine weitere, teils zum Verwechseln ähnliche Dokumentation über Jochen Rindt, und sie ist eigentlich die bessere von zwei guten: „Jochen Rindt lebt. Eine Spurensuche.“ Die 80-minütige Dokumentation kommt aus Österreich, läuft allerdings nur bei 3sat zu einer unmöglichen Zeit (Samstag, 3 Uhr).

Die Spurensuche profitiert von Nina Rindts Privatarchiv. Sie hält sich mehr ans Rennfahrerleben von Jochen Rindt und verzichtet auf jegliche Überhöhung. Der Spätberufene kam erst mit 18 zum Motorsport, und nur zehn Jahre lang war er stets wie der Teufel gefahren. Da war die Chance größer zu sterben, als Weltmeister zu werden.

 
 

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