Ehe als Steuerspar-Modell - Diana Amft und Florian Lukas in "Wir tun es für Geld"

Szenen einer Scheinehe: Ines (Diana Amft) und Moritz (Florian Lukas).
Szenen einer Scheinehe: Ines (Diana Amft) und Moritz (Florian Lukas).
Foto: ARD/Degeto
Fußball-Pause: Zeit für eine knackige Komödie. Die ARD hat da etwas auf Lager – nämlich „Wir tun es für Geld“ mit Diana Amft und Florian Lukas. Es geht um die Ehe als Steuerspar-Modell. Das kann nicht gut gehen. Doch nicht das Was ist der Dreh des Films, sondern das Wie.

Frankfurt.. Sportmuffel mögen aufatmen: Am fußballfreien Freitag serviert die ARD endlich wieder Frischware. Die Komödie „Wir tun es für Geld“ (20.15 Uhr) aus dem Haus der ARD-Filmtochter Degeto ist so knackig, wie ihr Titel vermuten lässt.

Bisher gab es im Romantik-Gewerbe ein schier unverwüstliches Erzählmuster: Aschenputtel trifft Traumprinz. Gefühl verbindet sich am Ende glücklich mit Geld, Aussehen und Ansehen. Doch diesmal hat Drehbuch-Autor Jens Urban die Konstellation zwischen Mann und Frau kurzerhand auf den Kopf gestellt. „Weissensee“-Star Florian Lukas gibt den glücklichen Verlierer Moritz mit melancholischem Dackelblick, der mit seiner Angebeteten (Diana Amft) eine Scheinehe eingeht, damit die Spitzenverdienerin Steuern sparen kann. Ines’ Pseudo-Gatte wird mit einem Mietnachlass abgespeist.

Ludger Pistor ist der charmante Spießer vom Amt

Dieses scheinbar geniale Erfolgsrezept haben sich Ines’ Vater (Uwe Preuss) und ihr Freund (Matthias Wiedenhöfer) ausgedacht. Das kann nicht gut gehen, und das darf es auch nicht. Während der Scheinschwiegervater den Staat als Raffzahn darstellt, bemerkt Lebenskünstler Moritz trocken, dass Steuern Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser finanzieren.

Der freche Betrug muss also auffliegen. Wer könnte ihn besser auffliegen lassen als ein Finanzbeamter? Natürlich ist der Herr vom Amt ein Spießer, aber was für einer! Ludger Pistor („Schnitzel für drei“) ist darauf abonniert, überkorrekte Typen so leichtfüßig und augenzwinkernd zu spielen, dass sie letztlich doch sympathisch wirken.

Das Drehbuch hilft ihm dabei. Steuer-Mann Ekki ist nicht nur die „Python von E bis H“ mit feinem Gespür für „Sozialschmarotzer“. Als Nachbar der dreisten Drei offenbart er als schrulliger Single auch eine menschliche Seite. Erst hetzt er die Polizei auf Moritz, der seine Leidenschaft für Jazz laut lebt. Dann, nach einer persönlichen Begegnung, verbrüdert sich Ekki mit dem Nachbarn. Beide lieben Vinyl.

Amft hat ihr Potenzial weiterentwickelt

Mehr noch: Ekki würde gern zusammenbringen, was zusammengehört. Das nimmt Pistors Figur das Oberlehrerhafte und macht aus der Sozialkomödie letztlich eine psychologisch feinsinnige romantische Komödie.

Das Ensemble nutzt alle Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Diana Amft hat ihr Potenzial weiterentwickelt. In der mehrfach prämierten RTL-Serie „Doctor’s Diary“ glänzte sie als naives Hascherl, jetzt, mit 40, gibt sie die kesse Klassefrau mit burschikosem Schwung, die aber letztlich das Papa-Kind geblieben ist. Mehr noch: Gleich in der Einstiegsszene macht Diana Amft mit einem Stolperer beiläufig deutlich, dass ihre Ines gar nicht so sehr Kontrastfigur zu Moritz ist. Vielmehr ergänzen sie sich wie zwei Seiten einer Medaille.

Übervater ist eine Nervensäge

Uwe Preuss übernimmt bereitwillig die Rolle der Nervensäge. Als Übervater spricht er auch dann, wenn er nichts zu sagen hat. Und er will immer das Sagen haben, auch wenn er bei seiner erwachsenen Tochter schlicht schweigen sollte.

Regisseur Manfred Stelzer hält das Beziehungskarussell in Schwung, dazu dient eine Menge Swing. Der Film feiert Frank Sinatra, und seine Lässigkeit strahlt auch auf den Film ab. Zugleich wechselt die Komödie in melancholischen Momenten zwischen Lust und Frust die Musikfarbe. Dann kommt Tango zum Zug, und Tanzfans dürfen sich darauf freuen, mit wie viel Gefühl Diana Amft und Florian Lukas übers Parkett schweben: Romantik pur.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen