Eduard Zimmermann - den Tätern auf der Spur

Jürgen Overkott
Foto: ZDF/Hermann Roth

Essen. Deutschlands bekanntester Ganoven-Jäger ist tot. Eduard Zimmermann starb am Samstag im Alter von 80 Jahren in seiner Heimatstadt München nach langer Krankheit. 30 Jahre lang hatte er für das ZDF öffentlich nach Kriminellen gefahndet – mit seiner Kultsendung „Aktenzeichen XY...ungelöst”.

Sein Nachfolger Rudi Cerne (50) zeigte sich gestern im Gespräch tief betroffen von der Todesnachricht. „Eduard Zimmermann hat mir ein großes Erbe hinterlassen. Dafür bin ich ihm für immer dankbar”, sagte der ZDF-Moderator.

Der richtige Mann am richtigen Platz

Zimmermann war 1967 der richtige Mann am richtigen Platz – damals, als die Mattscheibe bunt wurde und das Fernsehen zum Massenmedium geriet. Bereits 1964 hatte der Fernsehprofi Polizeiarbeit und Verbraucherschutz kombiniert – so erfolgreich, dass seine Sendung „Vorsicht, Falle! – Nepper, Schlepper, Bauernfänger” zur Blaupause für „Aktenzeichen XY...ungelöst” wurde.

Zimmermann gab sich, mit eckigem Kassengestell, ernstem Tonfall und polizeinaher Sprache, als TV-Stimme von Recht und Ordnung. Der Erfolg seiner Sendungen brachte ihm Goldene Kamera, Grimme-Preis und Bambi ein, einerseits. Andererseits galt Zimmermann bei der studentenbewegten Jugend als konservative Reizfigur – soweit sie ihn damals sehen durfte. Cerne erinnert sich, dass die TV-Fahndung wegen nachgestellter Szenen von Morden und Überfällen als zu brutal für junge Seelen galt. Auch Cernes Eltern verboten dem Junior die Einspieler von Zimmermann.

Sehgewohnheiten einer Generation geprägt

Der „Erfinder des Realitätsfernsehens” (ZDF-Chef Markus Schächter) moderierte „XY” 300-mal. Am 24. Oktober 1997 trat er als lebende Legende ab. Er hatte die Sehgewohnheiten einer ganzen Generation geprägt.

Als Cerne - nach einem Zwischenspiel eines Hamburger Anwalts - die Nachfolge von Zimmermann übernahm, hinterließ der ewige Fernsehkommissar dem Kollegen eine aufmunternde Nachricht auf Anrufbeantworter. Cerne: „Zimmermann war viel aufgeschlossener, als ich dachte.” Zudem freute er sich über das Lob seines Vorgängers: „Dein flüssiger Stil ist richtig gut, so richtig nah an der Alltagssprache.”

Leben wie ein Drehbuch

Nach seiner TV-Karriere fing Zimmermann ein zweites Leben als Sicherheitsexperte an. Nebenher schrieb er seine Erinnerungen. Sein Leben glich einem Drehbuch. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlug sich Zimmermann als Dieb und Schwarzmarkthändler durch. Er wurde erwischt, verurteilt. Mit falschem Pass und falschem Diplom versuchte sich Zimmermann in Schweden als Straßenbauer. Ein Report für eine schwedische Zeitung aus der DDR brachte ihm schwedische Gardinen ein – wegen Spionage. Vier Jahre brummte Zimmermann in Bautzen, dann kam er auf politischen Druck frei. Zimmermann: „Ich bin sozusagen der Beweis dafür, dass man von der schiefen Bahn wieder runterkommt, wenn man es will.”

Foto ganz oben: ZDF/Hermann Roth