„Dunja Hayali“: Am Thema Flüchtlinge krachend gescheitert

"Lifeline" erreicht Hafen auf Malta

Die Besatzung des Schiffes einer deutschen Nichtregierungsorganisation und die 233 Migranten gingen von Bord, zunächst sollen sie medizinisch versorgt werden.

Die Besatzung des Schiffes einer deutschen Nichtregierungsorganisation und die 233 Migranten gingen von Bord, zunächst sollen sie medizinisch versorgt werden.

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Acht Gäste und viele kleine Filme: „Dunja Hayali“ wollte zu viel. Pech: Ein Mann, der die ZDF-Sendung hätte retten können, sagte ab.

Berlin.  Die Sendung war gut 20 Minuten alt, da seufzte Dunja Hayali: „Man hat das Gefühl, alle Diskussionen kommen wieder zurück.“ Zuvor hatten sich CSU-Mann Peter Ramsauer und die bayerische Grünen-Frontfrau Katharina Schulze in altbekannter Wahlkampf-Manier minutenlang angekeift. Es ging um Ankerzentren, Migrationsplan, . Ramsauer mokierte sich über einen Zuschauer aus dem Studio-Publikum („Wer hat da gerade gelacht“?), Schulze über Ramsauer. Erkenntnisgewinn: gleich null. Kein Wunder, dass Hayali ihr Déjà-vu-Erlebnis hatte.

Nach drei Sommerstaffeln, sozusagen als Platzhalterin für Maybrit Illner, spendiert das ZDF seiner neuen Allzweckwaffe Dunja Hayali - einmal im Monat live, mittwochs um 22.45 Uhr. 1,45 Millionen Zuschauer schalteten ein – keine besonders gute Quote. Das „Auslandsjournal“, das direkt davor lief, hatte noch knapp 2,4 Millionen Zuschauer.

Keine Chance zur Vertiefung

Das Konzept der Sendung unterscheidet sich von Talksendungen wie „Hart aber fair“ oder „Maybrit Illner“. Die Sendung „Dunja Hayali“ bietet keine reine Gesprächsrunde, sondern eine Mischung aus Talk und Einspielfilmen. „Talkmagazin“ nennt das ZDF das Format.

Den Anfang machte die 44-jährige Moderatorin am Mittwochabend. Es ging um Migration: Änderung der Asylverfahren, Seenotrettung, die Situation auf dem Mittelmeer, Integration. Ein weites Feld. Und das war das Problem bei der Premiere: Hayali wollte zu viel. Acht Studiogäste, dazu die Interviews in den Filmchen. Allein das überforderte eine 60-Minuten-Sendung. Zur Vertiefung keine Chance.

Im Eiltempo hetzte Hayali durch das Programm. Von der Aufnahmestelle für Flüchtlinge zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, von der abgelehnten Asylbewerberin, der die Abschiebung droht, zum irakischen Flüchtling, dessen Familie nicht nachkommen darf.

Hayali verlor den Überblick

Zwischendurch ein Abstecher ins Flüchtlingslager auf Lesbos, und schon ging es im Gespräch mit einem Vertreter von Ärzte ohne Grenzen um die Frage der Hotspots außerhalb der EU. Da konnte man leicht durcheinander kommen.

Sogar die Moderatorin selbst verlor mitunter den Überblick. „Jeder Fall ist eben anders“, diagnostizierte Hayali beim Besuch in der Aufnahmestelle für Flüchtlinge - nur um Augenblicke später zu erklären: „Dies ist einer von Zigtausenden Fällen, die sich genau so gestalten.“ Ja, was denn nun?

„Lifeline“-Kapitän doch nicht dabei

Dunja Hayali ist so etwas wie der neue Star des ZDF: souveräne Moderatorin des „Morgenmagazins“, mutige Reporterin bei Pegida-Demos, unermüdliche Twitter-Nutzerin, „Talkmagazin“-Gastgeberin - und demnächst auch noch . Die Gefahr, dass da eine Sympathieträgerin des Senders überstrapaziert wird, ist nicht von der Hand zu weisen.

Zum überladenen Programm der „Dunja Hayali“-Premiere kam dann auch noch das Pech. Claus-Peter Reisch, der als Kapitän des Rettungsschiffs „Lifeline“ Bootsflüchtlingen das Leben rettete und deshalb in Malta vor Gericht landete, habe seine Teilnahme an der Sendung kurzfristig abgesagt, bedauerte Hayali. Schade, der Mann hätte womöglich Spannendes zu erzählen gehabt - wenn die Gastgeberin ihm die Zeit dazu gegeben hätte. Reisch wäre der neunte Studiogast gewesen.

Die komplette Sendung gibt es in der ZDF Mediathek zu sehen.

 
 

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