Dschungelcamp und Co. - Warum alle Schichten Trash-TV schauen

Gabby de Almeida Rinne wird bei einer Dschungel-Prüfung mit Grillen überschüttet.
Gabby de Almeida Rinne wird bei einer Dschungel-Prüfung mit Grillen überschüttet.
Foto: RTL
Das so genannte Trash-TV gewinnt immer mehr Zuschauer und wird mittlerweile von allen Gesellschaftsschichten geschaut. „Das Dschungelcamp ist Kult-TV geworden und hat den Weg frei gemacht für ähnliche Formate“, sagt der Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger.

Köln. Das so genannte „Trash-TV“ (Müll-Fernsehen) gewinnt in Deutschland immer mehr Zuschauer. Die RTL-Show „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“, deren Staffel-Finale an diesem Wochenende ansteht, schalteten im Schnitt knapp acht Millionen Zuschauer ein – ein Rekord.

Billig produzierte Serien wie „Berlin Tag und Nacht“ oder „Köln 50667“ bei RTL II erzielen aktuell starke Quoten. „Das Dschungelcamp ist Kult-TV geworden und hat den Weg frei gemacht für ähnliche Formate“, sagt der Medienwissenschaftler Gerd Hallenberger.

Dabei sind es längst nicht nur bildungsferne Schichten, die einschalten. „Auf Tabuverletzungen zielendes Fernsehen hat die höheren Bildungsschichten erreicht. Der Erfolg liegt darin, dass diese Art Fernsehen beim Zuschauer Emotionen weckt“, weiß Hallenberger.

Akteure im so genannten „Trash-TV“ sind wichtig

Wichtig ist dabei die Auswahl der Akteure. „Die Dynamik der Gruppe macht eine Sendung interessant“, bestätigt der Medienpsychologe Frank Schwab von der Uni Würzburg. Der eigentliche Ekel-Faktor sei längst in den Hintergrund getreten.

Wenn Kandidaten im „Dschungelcamp“ Würmer verschlingen müssten, werde das „Selbstwertgefühl der Zuschauer“ erhöht: „Man kommt sich besser vor, weil man sieht, dass es immer noch Menschen gibt, denen es gerade schlechter geht, als einem selbst.“ Bei Zuschauern mit höherer Bildung, sagt Hallenberger, sei die Motivation noch eine andere: „Sie können sich bei solchen Shows distanziert amüsieren.“

Sadismus in einer sozial akzeptierten Form ausleben

Für Martin Teising, Präsident der „International Psychoanalytic University Berlin“, kommt ein weiterer Faktor hinzu. Wenn man mit seinem Anruf dazu beitrage, einen Menschen zu einer Prüfung zu schicken oder aus einer Sendung zu kippen, sei das eine Möglichkeit, seinen Sadismus „in einer sozial akzeptierten Form auszuleben“.

RTL-DschungelcampAn ein baldiges Ende der Trash-TV-Welle glaubt Experte Hallenberger deshalb nicht – eine Flut vergleichbarer Formate werde es aber auch nicht geben. Denn: „Kopien scheitern meist. Aber von der Idee, die hinter dem Original steckt, bleibt immer etwas.“ Sorgen ums deutsche Fernsehen macht er sich nicht: „So lange nicht Arte, 3SAT und ZDFneo gleichzeitig eine Art Dschungelcamp zeigen, bleibe ich da ganz ruhig.“