Dortmunder "Tatort"-Kommissarin keilt gegen eigenen Film

Foto: WDR/Willi Weber
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Berlin. Schauspielerin Anna Schudt ist der aktuelle Dortmund-„Tatort“ zu düster geraten. „Ganz ehrlich: Als Zuschauer würde ich da abschalten. Das brauche ich nicht am Sonntagabend“, sagte die Schauspielerin der Rheinischen Post. Schudts Figur der Ermittlerin Martina Bönisch steht im Mittelpunkt der neuen Folge. In „Kollaps“ geht es um den von afrikanischen Kleindealern verschuldeten Tod eines sechsjährigen Mädchens. Die Folge sind fremdenfeindliche Vorurteile und Gewalt. Das Mädchen stirbt elend an einer Überdosis Kokain, das in einem Sandkasten verbuddelt war.

Der Dortmunder „Tatort“, seit 2012 in der ARD auf Sendung, hat schon mehrfach mit düsteren oder unorthodoxen Inhalten für Aufsehen gesorgt. So etwa in einer Folge, in der die Dortmunder Neonazi-Szene im Mittelpunkt stand. Der von Schauspieler Jörg Hartmann verkörperte Kommissar Peter Faber etwa ist ein psychisch labiler und selbstmordgefährdeter Chaot, der den tragischen Tod seiner Frau und seiner Tochter nicht verwinden kann.

"Wenn wir politisch korrekt bleiben, ist alles Brei"

Die beiden jüngeren Ermittler, gespielt von Aylin Tezel und Stefan Konarske, hatten oft mehr mit ihrem gemeinsamen Liebesleben zu tun als mit ihren Fällen. Und auch Anna Schudt hat als Kommissarin Bönisch reichlich mit privaten Schwierigkeiten zu kämpfen – ihre Ehe ist ein einziges Chaos.

Trotz ihrer Kritik an der aktuellen Folge wirbt die 41-Jährige aber dafür, Fernseh-Zuschauern auch in Krimis viel zuzumuten, und zwar „sehr viel mehr als GZSZ“. Denn, so Anna Schudt: „Wenn wir so politisch korrekt bleiben wie bislang, insbesondere bei den Öffentlich-Rechtlichen, wird alles Brei“, sagte sie. „Wir müssen uns Figuren mit Haltung erlauben, über die man dann kontrovers diskutieren kann und soll. Spannende, aufreibende, zur Diskussion anregende Geschichten finden wir eben nur in extremen Haltungen.“

Anna Schudt fordert neue Kriminalstatistik

Weiter sprach sich die „Tatort“-Fahnderin im realen Leben für die Erhebung von Kriminalstatistiken mit Migrationshintergrund der Täter aus, die aber im Fall einer Veröffentlichung zwingend von Experten kommentiert und eingeordnet werden müssten, um Zusammenhänge aufzuzeigen zwischen Armut, Bildungsmangel, Perspektivlosigkeit und Kriminalität. „Eine Aussage wie ,90 Prozent aller Kleindealer sind Schwarzafrikaner’ führt in die Irre, selbst falls sie statistisch korrekt sein sollte. Das sind kleine Fische, arme Schweine, deren Not, Perspektivlosigkeit und Langeweile kaltblütig ausgenutzt wird.“ (W.B./dpa)