„Django“ Franco Nero spielt Rosamunde Pilcher

Essen.. Franco Nero ist mit Italo-Western bekannt geworden - und am ersten Weihnachtstag in der Rosamunde Pilcher-Verfilmung „Vier Jahreszeiten“ zu sehen. Jürgen Overkott sprach mit dem Schauspieler, der sich für ziemlich cool hält und jeden Abend betet.

Sie sind ein vielgereister Mann. Jetzt haben Sie für einen deutschen Fernsehsender gedreht.

Franco Nero: Oh, auf Deutsch kann ich nur drei Worte, und die richten sich an Frauen: Ich liebe dich.

Mehr braucht man nicht. Das ist eine perfekte Überleitung zu Ihrer Rolle in dem Rosamunde-Pilcher-Vierteiler “Vier Jahreszeiten”. Mal ehrlich: Hat man Sie mit Geld gezwungen?

Nero: Nein, nein, nein. Ich habe es aus Freundschaft getan. Ich kenne den Regisseur und den Produzenten schon seit langem. Ich hatte vor vier Jahren mit Giles Foster den Rosamunde-Pilcher-Film “Zauber der Liebe” in Schottland gedreht, und wir verstanden uns fantastisch. Und Giles wollte mich unbedingt für die aktuelle Produktion. Na ja, und es sind ja auch tolle Kollegen dabei: Senta Berger, Michael York, um nur einige zu nennen.

Es war, im positiven Sinne, ein Angebot, dass Sie unmöglich ablehnen konnten. Worin besteht für Sie der Charme der Rolle?

Nero: Ich spiele mit Senta Berger ein altes Ehepaar, das sich immer noch liebt. Bei mir schlägt allerdings das Schicksal zu: Ich komme bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben. Und ich spiele dann nur noch auf Fotos mit, die meiner Frau geblieben sind, und meine Stimme kommt aus dem Off.

Wie lange kennen Sie Senta Berger?

Nero: Oh, mindestens 30 Jahre, ich glaube sogar 35. Sie spricht perfekt Italienisch.

„Romantische Geschichten sind immer schön“

Brauchen wir mehr romantische Geschichten in Zeiten der Krise?

Nero: Ach nein, romantische Geschichten sind doch immer schön. Ich habe in diesem Jahr eine weitere Liebesgeschichte gedreht, mit meiner Frau Vanessa Redgrave, “Letters To Juliet”, gedreht in Verona und in der Toscana, wirklich schön. Es gibt zwei Dinge, die ein Film erreichen kann: Entweder lässt er das Publikum lachen oder weinen.

Wie fühlt sich das an, mit seiner Ehefrau eine Liebesgeschichte vor der Kamera zu spielen?

Nero: Fantastisch. Sie ist die beste Schauspielerin des Jahrhunderts. Ich habe es sehr genossen, mit ihr zu arbeiten.

Die meisten Ihrer Filme wurden in Europa produziert. Grämt Sie manchmal, keine Karriere in Hollywood gemacht zu haben?

Nero: Nein, nein, nein. Ich erzähle Ihnen mal meine Geschichte: Der amerikanische Regisseur John Houston hat mich entdeckt, und ich war in Amerika, um den Film “Camelot” zu drehen. Und Warner Brothers haben mir einen Vertrag für fünf Filme angeboten. Ich war auf dem besten Weg, ein Hollywood-Star zu werden - aber ich hatte Heimweh...

Was haben Sie vermisst?

Nero : ...deshalb habe ich Jack Warner gebeten, meinen Vertrag aufzulösen. Und Jack Warner entgegnete: Okay, du kannst hier ein Superstar werden, aber wenn du unbedingt willst, mache ich das. Ja, Heimweh: Ich habe meine meine Familie, meine Freunde und das Leben in Europa vermisst.

In Deutschland sind Sie als Western-Held “Django” unsterblich geworden. Segen oder Fluch?

Nero: Na, mein Problem ist es nicht, das ist wohl eher ein deutsches Problem. Egal was ich nach diesem Welterfolg gemacht habe - in Deutschland wurde ich nur noch “Django” genannt, selbst von den Produzenten. Aber das war früher. Heute ist es so: Ich erhalte immer noch unglaublich viel Post aus Deutschland und spüre, das Publikum dort mag mich noch immer. Aber die Kommentare beziehen sich inzwischen auf viele Filme, die mit “Django” überhaupt nichts zu tun haben. Und das ist gut so.

Das Markenzeichen von “Django“ war purer Sarkasmus. Ist das eine gute Art, mit den Widrigkeiten des Leben zurechtzukommen?

Nero: Oh ja. Sarkasmus ist für unsere Zeit genau richtig. Humor, schwarzer Humor ist ganz wichtig; er macht unser Leben leichter. Den schwärzesten Humor, den ich kenne, hat übrigens ein spanischer Regisseur kultiviert: Luis Bunuel. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel, wie wir Western gedreht haben: Der Regisseur kam zu mir und fragte mich, Franco, wie viele Leute willst du heute über den Haufen schießen, 20, 25? Und ich habe gesagt: Hm, ich bin heute milde gestimmt, es werden nur 15. Wissen Sie, das ist für mich schwarzer Humor.

“Django” ist ein harter Typ. Ist das noch zeitgemäß?

Nero: “Django” - hart, zornig? Neeeeeein, “Django” ist cool, sehr cool. Diese Western waren deshalb so erfolgreich, weil sie von Arbeitern gesehen wurden, und diese Arbeiter haben sich mit dem Helden identifiziert. Sie stellten sich vor, mal zu Ihrem Boss zu gehen und sagen: Hey, ab heute wird das Leben anders - bumm, bumm, bumm.

Halten Sie sich auch für einen coolen Typen?

Nero: Aber natürlich, ich bin ziemlich cool. Vor allem diesen coolen Humor mag ich.

Schuldig oder nicht schuldig, das ist die Frage

Sie haben viele Western und auch viele Mafia-Thriller gedreht. Gibt es eine Verbindungen zwischen den beiden Genres?

Nero: Ja, ja. In Western gibt es immer einen, der den Kampf gegen die Schurken aufnimmt. Und bei den Mafia-Filmen ist es genauso. Beide Genres können auch politische Botschaften enthalten. Nehmen wir den Film “Il tocco: la sfida” von 1997. Ich bin da ein Billardspieler, der sich der Mafia widersetzt, und die Mafia bricht ihm beide Arme. Und der Billardspieler hat eine Idee, weiterzumachen. Er trainiert ein 16-jähriges Mädchen, das in Jungenkleidern für ihn das Turnier gewinnt. In Thrillern um schmutzige Geschäfte geht es um die Frage: schuldig oder nicht schuldig? Und das ist immer noch sehr modern.

Gerade in der Politik. In Italien gibt es augenblicklich einen Berlusconi-Thriller. Was halten Sie denn davon?

Nero: Na ja, ich bin kein Politiker. Dieser Angriff auf Berlusconi war eine üble Sache. Man kann gegen seine Politik sein, aber er ist nun mal gewählt. Letztlich kommt es darauf an, dass wir alle für unser Land arbeiten. Das ist nicht nur die Sache eines einzigen Mannes an der Spitze.

Lassen Sie uns mal von Berlusconi zu einem heiligen Mann gehen: Sie sind Weihnachten und auch Ostern im Fernsehen als Heiliger Augustinus zu sehen. Sind Sie religiös?

Nero: Oh ja...

... Sie gehen jeden Sonntag zur Messe.

Nero: Nein (lacht, Pause). Aber ich gehe jedes Jahr am Heiligen Abend zur Christvesper um Mitternacht, seit mehr als 40 Jahren immer in demselben Dorf. Da sind wir zusammen mit den jungen Leuten, wir singen, und es ist wunderschön. Nein, zurück zu Ihrer Frage: Ich sammle mich jeden Abend vor dem Einschlafen, und beim Beten überlege ich, was war gut, was war schlecht, und wenn etwas schlecht lief, sage ich, Herr, tut mir Leid, aber morgen werde ich mich bessern.

Was bedeutet Augustinus für Sie?

Nero: Ich finde, er ist einer der bedeutendsten Heiligen überhaupt. Warum? Er war bis zu seinem 29. Lebensjahr ein großer Sünder, in jeder Hinsicht, und dann änderte er sein Leben. Er wurde ein Heiliger, aber er kannte das Leben, und er hatte das Verständnis für die Schwächen der Menschen.

Was würde Augustinus zu “Django” zu sagen?

Nero: Er würde sagen, das war ein hübsches Spiel. Überhaupt hat das Kino ja etwas Spielerisches. Augustinus hätte gesagt: Ich mag “Djangos” schwarzen Humor.

 
 

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