„Die kalte Wahrheit“ stellt die Frage nach Schuld und Sühne

Die kalte Wahrheit: Helen (Petra Schmidt-Schaller) an der Unfallstelle.
Die kalte Wahrheit: Helen (Petra Schmidt-Schaller) an der Unfallstelle.
Foto: dpa
Ein bewegendes Krimidrama – gut gespielt, aber bemüht: Der Montagsfilm im Zweiten „Die kalte Wahrheit“ dreht sich um die Frage von Schuld und Sühne.

Mainz.. Was treibt diesen jungen Burschen mitten in der eiskalten Nacht auf eine einsame Landstraße, noch dazu barfuß? Der rätselhafte Trip ins Dunkel kostet ihn das Leben, und die Frau, die ihn überfährt, fühlt sich verpflichtet, das Rätsel zu lösen. Franziska Meletzky (Regie) und Sarah Esser (Drehbuch) interessieren sich in ihrem unterkühlt bebilderten und gut besetzten Krimidrama „Die kalte Wahrheit“ zunächst weniger für die juristische Aufarbeitung als für die psychologischen und moralischen Momente dieser Schuld-und-Sühne-Variante. Keine schlechte Ausgangslage für einen spannenden Fernsehabend. Der wird es dann aber nur bedingt.

Schmidt-Schaller mit elfenhaftem Ausdruck

Die talentierte Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller hat einen eher sanften, ja fast elfenhaften Ausdruck, verleiht aber der jungen Ärztin Helen Liebermann das überzeugende Gesicht der Fragenden und Nachforschenden, einer hartnäckigen Frau, die sich mit einfachen Antworten nicht zufrieden gibt und bereit ist, dem alles unterzuordnen. Die Polizei stellt ihre Ermittlungen gegen Helen ziemlich schnell ein, und eine Testfahrt in der langen Landstraßenkurve mit ihrem Freund (Torben Liebrecht) beweist ihr, dass sie keine Chance hatte, den tödlichen Unfall zu vermeiden. Dazu ist sie von Beschwichtigern umzingelt, die sie pausenlos ihrer Unschuld versichern. Nur ihr Praxischef, der leider arg holzschnittartig gezeichnet ist, gibt ihr zu verstehen, dass Patienten möglicherweise nicht gerne von einer Ärztin behandelt werden, die einen 18-Jährigen überfahren hat. Sie kündigt.

So bleibt die Frau allein mit ihren Selbstvorwürfen, und nur die Aufklärung des Warum kann ihr die Ruhe wiederbringen. Darauf fokussiert sich der Film, auf ihre Recherche mit Hilfe ihres Anwalts (stark wie stets: Rainer Bock), der selbst ein Kind verloren hat. Das Drehbuch löst diesen Fakt sehr elegant in einem Satz. Helen fragt ihn mit Blick auf ein Foto, ob das seine Tochter sei. „Sie war es“, sagt er.

Überraschende Auflösung

Die Nachforschungen über den Weg des jungen Mannes in den Tod spülen letztlich zwar eine überraschende Auflösung an die Oberfläche. Aber der Weg dahin ist zeitweise doch ein bisschen zäh, weil er das eigentliche Thema der Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld nicht weiter vorantreibt. Das kriminalistische Puzzle, das hier zusammengesetzt wird, ist dann zwar etwas komplexer als die übliche Tätersuche in einem Montagabendkrimi, aber keineswegs mit mehr Spannung unterfüttert. Man verfolgt den vorgezeichneten Weg der jungen Ärztin bis hin zu den Eltern des Opfers (berührend: Ann-Kathrin Kramer und Peter Benedict), denen die sich offenbart, irgendwann mit einer gewissen Teilnahmslosigkeit. Und spürt: Da wäre deutlich mehr drin gewesen.

Fazit: Gut gespieltes, aber etwas bemühtes Krimidrama, das unter seinen Möglichkeiten bleibt.

  • ZDF, Montag, 23. März, 20.15 Uhr
 
 

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