„Die Höhle der Löwen“ bei VOX: „Richtig unverschämt“ – Investoren gehen auf Gründer los

TV: Mit diesen vier Regeln überlebt man die "Höhle der Löwen"

„Die Höhle der Löwen“: In der Vox-Show präsentieren Start-up-Unternehmer ihre Ideen. Mit diesen vier Regeln ist der Erfolg (fast) garantiert.

„Die Höhle der Löwen“: In der Vox-Show präsentieren Start-up-Unternehmer ihre Ideen. Mit diesen vier Regeln ist der Erfolg (fast) garantiert.

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Die Bewertung für den Windelsensor „Curaluna“ erschien unverschämt. Dennoch wollte Maschmeyer investieren. Warum der Deal platzte.

Berlin.  Selten waren sich die Investoren in „Die Höhle der Löwen“ so einig. „Unrealistisch“, „empörend“, „richtig unverschämt“ – Frank Steinmetz und Christoph Hohl mussten ordentlich einstecken. Dabei erfüllten die beiden Gründer eigentlich wichtige Kriterien für einen Deal.

„Ihr seid ein Musterbeispiel für ein geiles Thema, eine super Idee und einen guten Markt“, sagte denn auch Investor Ralf Dümmel am Dienstagabend in der achten Folge der Vox-Gründershow. Doch die Präsentation ihres Windelsensors „Curaluna“ hatte einen Haken: die hohe Bewertung.

Curaluna versagte auch bei der Vorführung

600.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile hatten sich die Partner erhofft. Und das, obwohl ihr Produkt weder auf dem Markt ist noch getestet oder patentiert wurde. „Eine Bewertung können Sie doch nicht auf dem Prinzip Hoffnung aufbauen!“, echauffierte sich Unternehmerin Dagmar Wöhrl.

Da kam es nicht gerade gelegen, dass auch die Vorführung von „Curaluna“ in die Hose ging. Der Sensor sollte eigentlich erkennen, wann eine Windel so feucht ist, dass sie gewechselt werden muss – ein Problem, das sowohl Babys als auch pflegebedürftige Senioren betrifft. Allerdings war er etwas übereifrig.

Letzte Chance: Carsten Maschmeyer

„Frank Thelens Windel ist nass“ hieß es laut der App. Dabei hatte der Investor seine Probe-Windel überhaupt nicht befeuchtet. „Das ist doch Bullshit!“, sagte Thelen. „Das ist ein schlechter Prototyp, der heute in keinster Weise funktioniert hat. Und es ist wirklich eine Unverschämtheit, mit welcher Bewertung ihr hier reinkommt. Ich bin raus.“

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Ralf Dümmel, Dagmar Wöhrl und Georg Kofler taten es ihm gleich. Blieb nur noch eine letzte Chance: Carsten Maschmeyer .

Maschmeyer macht Angebot – „obwohl ich sauer bin“

„Jetzt möchte ich Ihnen sagen, dass ich eigentlich überhaupt keine Lust habe, mit Ihnen zu reden“, gab der den Gründern zunächst wenig Anlass zur Hoffnung. „Entweder sind Sie völlig gedankenlos oder gierig an die Grenze der Unverschämtheit. Das ist Müll!“

Dennoch: Das Thema sei ihm persönlich wichtig. „Ich habe meine Mutter, die ich sehr geliebt habe, vor einigen Jahren verloren. Sie sei nach einem Hirnschlag bettlägerig gewesen. Und ein Produkt wie „Curaluna“ hätte er damals gerne genutzt. Also machte Maschmeyer ein Angebot – „obwohl ich sauer auf Sie bin.“

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Deal für „Curaluna“ nur unter Maschmeyers Bedingungen

50.000 Euro rief er auf. „Als reines Risikogeld. Ihre Firma ist noch nicht mal 100.000 Euro wert im Moment.“ Sobald das Patent durch und das Produkt in Pflegeheimen getestet sei, wolle er auf die geforderten 600.000 Euro erhöhen – allerdings für 25,1 statt 10 Prozent. „Das ist der Deal, ich weiche da keine Millimeter von ab!“

Und das brauchte er auch nicht. Steinmetz und Hohl willigten ein.

Anschließend platzte der Deal doch noch

Update: Nach der Aufzeichnung ist der Maschmeyer-Deal mit „Curaluna“ doch noch geplatzt. Wie unter anderem „Gründerszene“ berichtet, wurden die Voraussetzungen nicht erfüllt. Weder gab es ein erteiltes Patent, noch ein sogenanntes Proof of Concept, das belegen sollte, dass das Produkt grundsätzlich funktioniert.

Zudem: Ein ganz ähnlicher Sensor wird bereits von einem taiwanesischen Elektronikhersteller vertrieben. Deshalb, so berichtet „Gründerszene“, sei die Maschmeyer Group nicht mehr dabei.

Die Gründer bleiben hingegen optimistisch: „Vielleicht kommt es zu einem späterem Zeitpunkt zu einem Investment“, sagte „Curaluna“-Chef Steinmetz „Gründerszene“.

So lief es für die anderen Gründer:

„RelaxoPet“ von Frank Bendix

Wenn Menschen gestresst sind, kann Entspannungsmusik helfen. Dass das auch für Tiere gilt, hat Hypnosetherapeut Frank Bendix aus Meschede im Sauerland durch Zufall entdeckt. „Eine Patientin kam mit ihrem Hund in meine Praxis. Auch der reagierte auf die Klangwellen und entspannte tief“, schilderte Bendix den Startschuss für „RelaxoPet“.

Fünf Jahre später ist das mobile Gerät, das hochfrequente Klangwellen aussendet, auf dem Markt und für verschiedene Tiergruppen erhältlich: Hunde, Katzen, Vögel und Pferde. Denn Stresssituationen gebe es auch für Tiere viele – etwa Gewitter, Feuerwerk, Alleinsein oder Reisen.

Sowohl Wöhrl als auch Dümmel waren begeistert. Am Ende entschied sich der bisherige Einzelkämpfer für den Geschäftsführer von DS Produkte – wohl weil er ihm ein 400 Mann starkes Team zur Seite stellen kann.

• Erzielter Deal: 100.000 Euro für 15 Prozent Firmenanteile

• Das kostet „RelaxoPet“: ab 74,95 Euro; relaxopet.com

„Sanilu Clean“ von Sven und Sandra Arnold

In der Schweiz ist ihr Produkt schon auf dem Markt, nun will das Paar auch Deutschland erobern: mit „Sanilu Clean“, einem Reinigungsmittel für Kleintiergehege. Anders als die schon erhältlichen Mittel gegen Kalk- und Urinsteinablagerungen sei ihr Produkt frei von Tensiden und Duftstoffen.

„Die Gerüche aggressiver Reinigungsmittel mögen Tiere gar nicht“, erklärte Sven Arnold den „Löwen“. Dabei brauche es viele Zusatzstoffe gar nicht. „Am Ende ist es wie Bier: nur drei, vier Stoffe und jeder trinkt es.“

Dass es Bedarf an „Sanilu Clean“ gibt, haben die beiden Hobbykaninchenzüchter bei ihrem bisher einzigen Messeauftritt erlebt: „Die haben uns die Bude eingerannt.“ Die „Löwen“ zu überzeugen war da schon schwieriger.

Judith Williams kämpft für „Sanilu Clean“

Dümmel, eigentlich prädestiniert für ein solches Produkt, zierte sich. Auch alle anderen waren zuvor ausgestiegen. Als auch Dümmel kein Angebot unterbreitete, schien die Sache gelaufen. Doch die Arnolds hatten eine leidenschaftliche Fürsprecherin.

„Ich kann’s nicht glauben!“, wunderte sich Williams. „Dagmar, sollen wir beide? Wenn er kein Angebot macht, mach’ ich eins: Wir geben Ihnen die 60.000 Euro, aber wir möchten jeder dann 10 Prozent.“ Damit konnte das Paar leben: Deal!

• Das kostet „Sanilu Clean“: 1 Liter für 16,60 Euro; sanilu.com

„ÖselBirch“ von Anne-Liis Theisen

Wird das das neue Club Mate? Eine gute Story hat das Getränk der Estin Anne-Liis Theisen jedenfalls: Schon ihre Großmutter fermentierte den Birkensaft, der nur während zwei Wochen im Frühjahr aus dem Stamm der Birke gewonnen werden kann. „So hatten wir auch im Sommer ein gesundes Erfrischungsgetränk“, sagte die 26-Jährige.

Zusammen mit ihren Schwestern gründete sie „ÖselBirch“, um den Saft über Estlands Grenzen hinaus bekannt zu machen. Inzwischen gibt es ihn nicht nur in seiner natürlich sauren Form, sondern auch in den Geschmacksrichtungen Rhabarber, Aronia, Sanddorn oder Mojito.

Damit traf Theisen zwar den Geschmack der „Löwen“, ein Deal scheiterte allerdings am kurzen Produktionszeitraum. Zu schwierig sei es, die benötigte Menge richtig zu prognostizieren. Langsames Wachstum sei hier sinnvoller als ein großes Investment.

Zum Trost gab es großes Lob für den professionellen Pitch. „Man kann vor Ihnen nur den Hut ziehen“, meinte nicht nur Dümmel. „Ein ganz, ganz starker Auftritt! Eins mit Sternchen.“

• Erhofftes Investment: 60.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile

• Das kostet „ÖselBirch“: 2,30 bis 2,50 Euro pro Flasche; öselbirch.com

„Tracktics“ von Patrick Haas und Benjamin Bruder

Jeder Fußball-Fan kennt die Kennzahlen aus den Übertragungen der Bundesliga-Spiele: die Kilometer, die die Spieler gelaufen sind. Im Amateurbereich allerdings gibt es bisher kein System, das solche Daten in ausreichender Qualität erhebt – zumindest behaupteten das die Gründer Patrick Haas und Benjamin Bruder.

Deshalb haben sie einen Tracker entwickelt, der per elastischem Gürtel auf Hüfthöhe getragen werden kann, sowie eine App, die die Daten später auswertet. Und sie haben bereits namhafte Kunden gewonnen: „Die Real-Madrid-Fußballschule wird Tracktics in über 250 Trainingscamps zum Einsatz bringen“, sagte Bruder. Auch der Regionalligist Kickers Offenbach arbeite bereits damit.

Aber auch in niedrigen Ligen komme „Tracktics“ gut an – wenn auch mit anderer Intention. „Da gibt’s dann halt Wetten, wer am wenigsten läuft, zahlt das Bier“, so Haas. Doch die „Löwen“ wurden nicht wirklich warm mit dem Produkt. Vor allem die hohe Bewertung wirkte abschreckend.

Einzig Kofler versuchte noch, die Konditionen zu drücken. Statt eine Million Euro für 8 Prozent Firmenanteile forderte er 35 Prozent. Für Haas und Bruder weit über ihrer Schmerzgrenze. Sie lehnten ab.

• Das kostet „Tracktics“: aktuell 99 Euro, eigentlich 139 Euro; tracktics.com

So ging es für Spooning Cookie Dough weiter

In der zweiten Folge der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ sackten die Berliner Diana Hildenbrand und Constantin Feistkorn einen Deal für ihr Start-up „Spooning Cookie Dough “ ein. Gleich zwei Investoren bisschen beim rohen Keksteig an, der dank speziellem Mehl und durch Verzicht auf Ei und Backpulver keine Bauchschmerzen verursachen soll.

Nun zeigte Vox, wie es den Gründern seitdem ergangen ist. Nicht nur bildeten sich in den Tagen nach der Ausstrahlung absurd lange Schlangen vor der Filiale in Prenzlauer Berg, mit Wöhrls und Dümmels Hilfe eröffnete das Paar auch einen weiteren Laden in Stuttgart.

„Wir haben fürs Franchising über 500 Anfragen bekommen“, sagte Feistkorn. So groß will man dann aber doch nicht loslegen: Bis Mitte 2019 sind zehn weitere Standorte in Planung.

Dümmel: „Wir wurden völlig überrannt“

Auch das große Ziel, „Spooning Cookie Dough“ in den Handel zu bringen, ist erreicht. In rund 2000 Filialen gibt es nun ein Pulver, das man zu Keksteig anrühren kann. „Es war ein langer Weg und zum Glück sind wir den gegangen“, so Dümmel. „Wir wurden völlig überrannt.“

Die 300.000 Pakete, die zunächst in den Handel kamen, seien ruckzuck ausverkauft gewesen. Und auch die folgenden 500.000 gingen sofort weg. Bilanz: ein Handelsumsatz von 1,5 Millionen Euro in nur fünf Tagen.

Sobald sich „Spooning“ im Handel etabliert habe, sei der nächste große Schritt der Onlinehandel, wo man sich das frische Produkt direkt nach Hause liefern lassen könne. „Wir sind schon gekommen, um zu bleiben“, sagte Feistkorn.

 
 

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