„Die Deutschen II“ – eine junge Geschichtsstunde

Jens Schaefer als Karl der Grosse (l.) und Constantin Florescu als sein Vertrauter Alkuin von York in der Folge "Karl der Grosse und die Sachsen" der ZDF-Reihe "Die Deutschen II".  Foto: ZDF/Marc Riemer/dapd
Jens Schaefer als Karl der Grosse (l.) und Constantin Florescu als sein Vertrauter Alkuin von York in der Folge "Karl der Grosse und die Sachsen" der ZDF-Reihe "Die Deutschen II". Foto: ZDF/Marc Riemer/dapd
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Essen..  Das ZDF setzt seinen Quoten-Hit „Die Deutschen“ ab Samstag fort. Das Konzept überzeugt. Es besticht mit einer erfrischend jungen Machart. Zudem vermittelt die Reihe alles, nur kein falsches Heldentum.

Die Szene wirkt, als sei sie der Fantasy-Saga „Herr der Ringe“ entsprungen, doch die Fakten stimmen. Der Kampf trug sich im Jahr 772 zu. Er war nicht nur der Auftakt zu einem 13 Jahre währenden schmutzigen Krieg – er war auch auf der Beginn eines Kulturkampfes. Die Franken waren Christen. Ihr König hatte bereits in jungen Jahren einen Pakt mit dem Papst geschlossen. Der Ober-Franke war Karl der Große.

Mit einem Porträt des späteren Kaisers beginnt die zweite Staffel der ZDF-Geschichtsreihe „Die Deutschen“. Das Zweite fährt zweigleisig: Bereits am Samstag, 20.15 Uhr, geht es los auf dem Digitalkanal ZDFneo, ab Sonntag, 19.30 Uhr, ist die zehnteilige Reihe im ZDF zu sehen. Sie wird am Dienstag, 20.15 Uhr, fortgesetzt.

Krieg, Glaubenskrieg

Damit setzt der Sender das Schema der ersten Staffel fort. Aus gutem Grund: Nie zuvor war Geschichte auf dem Bildschirm zur besten Sendezeit jenseits von Nazi-Dokus so erfolgreich. Am Dienstag behauptete sich die erfrischend junge TV-Geschichtsstunde – 45 Minuten lang wie im Schulunterricht – gegen die erfolgreichen Unterhaltungsserien von ARD und RTL. Im Schnitt lockte die erste Staffel 5,10 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil von etwas mehr als 16 Prozent war eine Sensation. Damit nicht genug: Zweistellige Prozentwerte verbuchten die Mainzelmänner auch beim Publikum unter 50, jener Zielgruppe, die ZDF-Produktionen gern meidet.

Nun steht ein Quoten-Hit nicht zwangsläufig auch für Qualität. Vielmehr gilt eine populäre Machart bei Sendungen mit Bildungsanspruch eher als Drohung. Doch die Befürchtungen sind zumindest bei der Auftaktfolge über Karl den Großen und seine Zeit unbegründet. Der Mix aus Spielszenen mit hohem Echtheitsanspruch, animierten Grafiken und Experten-Einspielern überzeugt, formal wie inhaltlich. Nichts wird heroisiert, der Krieg nicht und auch nicht der Glaubenskrieg.

Mehr noch: ZDF-Haushistoriker Guido Knopp und Sender-Kulturchef Peter Ahrens stellen heraus, dass Karl bei seinem Tod im Jahr 814 keineswegs das heilige römische Reich deutscher Nation hinterließ. Das Franken-Reich lag zur Hälfte im Westen Deutschlands und zur Hälfte im Osten Frankreichs. Dazu kam: Die besiegten Sachsen waren keineswegs ein einheitliches Volk. Stattdessen führten sie ein vielgestaltiges Stammes-Bündnis an. So vermittelt die Auftaktfolge der Reihe ein Geschichtsbild, das aus Fehlern einer nationalistischen Vergangenheit gelernt hat.

Zwei Frauen, immerhin

Zudem haben die Macher der Reihe gelernt: Zwar sind acht der zehn Episoden männlichen Hauptdarstellern ge-schichtlicher Dramen gewidmet. Dennoch würdigt das ZDF immerhin zwei Frauen, die Geschichte machten: Die mittelalterliche Heilerin Hildegard von Bingen steht für die „Macht der Frauen“ (Untertitel), und Rosa Luxemburg, Sozialistin und Frauenrechtlerin, verknüpft das ZDF mit dem Thema Freiheit.

 
 

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