Die Bahn kommt oft zu spät – aber immerhin ist das Essen gut

Zwei ICEs am Münchener Hauptbahnhof.
Zwei ICEs am Münchener Hauptbahnhof.
Foto: Deutsche Bahn/ Uwe Miethe
Pünktlichkeit, Essen, Sauberkeit, Service und Preis: ZDFzeit testet im „großen Bahn-Check“ was gut und schlecht läuft auf der Schiene.

Berlin..  Über kaum etwas Meckern die Deutschen so gerne wie über die Bahn. Teuer, verspätet, überfüllt. Die Sendung ZDFzeit klopft diese weit verbreiteten Kritikpunkte auf ihre Stichhaltigkeit ab: Im „großen Bahn-Check“ testet der Sender die Deutsche Bahn in den fünf Kategorien Pünktlichkeit, Essen, Sauberkeit, Service und Preis. Fazit: „Es wird viel gemeckert, teilweise aber auch unberechtigt.“ Einige der Ergebnisse sind erwartbar, andere überraschen.

1. Wie pünktlich ist die Deutsche Bahn?

Etwa 37.000 Zugfahrten täglich, Millionen Reisende jeden Tag – dass nicht jeder Zug pünktlich ans Ziel kommt, liegt auf der Hand. Um ein Bild von den Verspätungen zu bekommen, rief das ZDF Bahnfahrer dazu auf, ihren sogenannten „Verspätungsmelder“ auf dem Computer und Handy zu nutzen: Fast 800 Freiwillige beteiligten sich über zwei Monate hinweg und gaben an, wenn sich einer ihrer Züge verspätete.

Ergebnis: Beinahe Zwei Drittel aller Züge kamen später an als geplant. Auch der Sprecher der Deutschen Bahn, Achim Strauss, räumt ein: „Bei der Pünktlichkeit haben wir Nachholbedarf“. Er spricht davon, dass knapp 80 Prozent aller Züge im Fernverkehr pünktlich seien. Allerdings: In diese Statistik fließen laut ZDF erst Verspätungen ab 15 Minuten. Und Anschlüsse, die Reisende verpassen, werden überhaupt nicht berücksichtigt.

2. Wie gut ist das Essen bei der Bahn?

Besser als erwartet. Zumindest wenn es nach dem Urteil von Sternekoch Nelson Müller geht. Zwar sind die Menüs vorgekocht und werden von den Mitarbeitern in den Bord-Bistros nur noch aufgewärmt, doch kann sich laut Müller sowohl die Auswahl als auch Qualität sehen lassen.

Zwischen 1 und 15 Euro bekommt der Gast diverse Gerichte, vom Frühstück bis zum Nachtimbiss. Konkret testet der Sternekoch vier Gerichte: einen thailändischen Salat (schlecht), das Matjes-Filet (gut), die Königsberger Klopse (auch gut) und die Gazpacho (noch besser).

Das Urteil von ZDFzeit: Eine durchaus gute Küche und ein guter Schritt, dass die Bahn weiter an ihren Bord-Restaurants festhält, obwohl sie mit ihnen eigentlich Verluste einfährt.

3. Wie sauber sind die Züge?

Grausame Toilette, die Reisenden das Fürchten lehren? Laut ZDFzeit nur absolute Einzelfälle. Sie schickte einigte Tester in Zugtoiletten, um insgesamt 300 Proben zu entnehmen. Das Urteil des Wissenschaftlers Reinier Mutters von der Universität Marburg fällt positiv aus: „Wir haben nur in einer Toilette Fäkalbakterien gefunden, die Durchfall verursachen können. Aber insgesamt sind die Züge viel hygienischer als gemeinhin angenommen.“

Im Grunde seien alle anderen Proben bedenkenlos und völlig hygienisch gewesen. Die Sendung führt das zurück auf den enormen Aufwand, den die Bahn betreibt: Mehr als 2000 Reinigungskräfte putzen täglich die Züge. In der Kategorie Sauberkeit vergibt ZDFzeit daher die volle Punktzahl.

4. Wie kompetent und fair ist die Beratung?

Hier geht die Sendung hart ins Gericht mit den Service-Beratern an den Schaltern. Mehrere Stichproben sollen klären, wie fair die Beratung auf der Suche nach dem günstigsten Ticket ist. Der erste Check: Tickets für drei Jugendliche die aus dem Süden der Republik in den Norden reisen wollen. Das ernüchternde Ergebnis: Der Berater will dem Kunden Fahrkarten verkaufen , die fast 300 Euro teurer sind, als die günstigste Variante. Erst auf gezielte Nachfragen rückt er mit den Spartickets heraus.

„Das geht natürlich nicht“, sagt Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland. Die Mitarbeiter müssten Auskunft geben. Ein zweiter Test fällt ähnlich dramatisch aus. „Es entsteht der Eindruck, dass die Bahn günstige Tickets nur auf intensive Nachfrage rausrückt“, lautet das Fazit der Sendung.

5. Wie teuer ist die Bahn im Vergleich mit der Konkurrenz?

Von Hamburg nach Düsseldorf – welches Verkehrsmittel ist das beste? Es treten gegeneinander an: Die Deutsche Bahn, das Auto, der Fernbus und die Privatbahn. Kriterien sind der Preis, die Fahrtdauer und das Stresslevel des Reisenden, das mit einem Herzfrequenzmesser ermittelt wird.

Die Bahn ist zwar mit 80,30 Euro am teuersten, bringt den Reisenden aber auch am schnellsten ans Ziel (3:39 Stunden). Die Privatbahn HKX fährt nur einmal am Tag und fährt bei diesem Test erst mit einer Verspätung von 80 Minuten im Hauptbahnhof Hamburg los (39 Euro, Fahrtdauer 4:57 Stunden). Die Autofahrt kostet 52 Euro (Sprit inklusive Fixkosten) und dauert 5:23 Stunden. Am längsten braucht der Fernbus: Er bringt den Reisenden in 7:45 Stunden nach Düsseldorf – das allerdings auch für gerade einmal 26 Euro.

Als stressfreistes Verkehrsmittel immerhin gewinnt die Deutsche Bahn den Test. Das Gesamtfazit von ZDFzeit: „Teilweise wird unberechtigt über die Bahn gemeckert. Doch das Unternehmen wird es nicht leicht haben. Denn auf dem Weg in die Zukunft hat es schon jetzt eine gewisse Verspätung.“ (les)

EURE FAVORITEN