Der ESC setzt wichtige Zeichen für Deutschland und Europa

ESC 2018: Michael Schulte singt sich zum Sympathieträger

In der Woche vor dem ESC-Finale hat sich der deutsche Teilnehmer Michael Schulte viele Sympathien erarbeitet. Wir zeigen, wie er sich in Portugal gibt.

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Das, was beim Echo skandalös falsch lief, macht der ESC besser: Er gibt Künstlern eine Bühne, um für Toleranz und Frieden zu werben.

Lissabon.  Von der pompösen Show am Samstagabend beim ESC-Finale in Lissabon wird in China wenig zu sehen sein. Weil sich beim Auftritt des Iren Ryan O’Shaughnessy im zweiten Halbfinale am Donnerstag zwei Männer an den Händen hielten, verschwand der Beitrag aus der Fernsehübertragung. Im Fernsehen stieß das ESC-Finale nur auf mäßiges Interesse.

Auf die Zensur des Senders Mango TV, der unter der Regie des staatlichen Senders Hunan TV steht, reagierten die ESC-Macher prompt und beendeten die Zusammenarbeit mit den Chinesen. Nur eines von vielen wichtigen Zeichen, das in diesen Tagen vom ESC ausgeht – auch für Deutschland.

Die Echo-Verleihung an Farid Bang und Kollegah in Berlin hat gezeigt, wie kraftvoll und wie gefährlich falsch verstandene künstlerische Freiheit sein kann, wie verletzend. Antisemitismus eine Bühne geboten zu haben, war glücklicherweise das Ende des deutschen Musikpreises. Schlimm genug, dass es danach einer tagelangen Debatte bedurfte, bis die Echo-Macher ein Einsehen hatten.

ESC-Songs über Flüchtlinge, psychisch Kranke und gegen Terror

Beim ESC ist die Symbolik eine andere. Lange galt Netta aus Israel als Favoritin, die in „Toy“ für Frauenrechte wirbt. Italien stellt sich in seinem Beitrag gegen Terror, Frankreich beklagt das Elend vieler Flüchtlinge mit einem Song, in dem es um ein auf einem Flüchtlingsboot geborenes Kind geht.

Die Maltesin Christabelle warb in ihrem Lied für Toleranz für psychisch Kranke. Und natürlich dürfen sich die irischen Männer auf der Bühne an den Händen halten. Dass der ESC in dieser Hinsicht alles andere als verklemmt ist, weiß man spätestens seit 2014 und dem Sieg des österreichischen Travestiekünstlers Conchita Wurst.

Dass beim ESC auch viel Pop-Einerlei, Windmaschine und Feuerfontänen inszeniert werden, sollte diese Botschaften in der Bewertung des Gesangswettbewerbs nicht in den Hintergrund rücken. Botschaften, die aus Europa an 20.000 Fans in der größten Veranstaltungshalle Portugals gerichtet werden - und an rund 200 Millionen Zuschauer vor dem Fernsehen.

Im Übrigen: Es ist in Lissabon nicht nur selbstverständlich, dass Ryan O’Shaughnessy auftreten darf, wie er das will. Er gehört auch zu den Top-Favoriten.

 
 

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