Der Dicke und der Schöne: „Zorn“-Duo geht neue Wege

Stephan Luca (rechts) als Hauptkommissar Claudius Zorn und Axel Ranisch als Assistent Schröder glänzen auch in der Episode „Wie sie töten“.
Stephan Luca (rechts) als Hauptkommissar Claudius Zorn und Axel Ranisch als Assistent Schröder glänzen auch in der Episode „Wie sie töten“.
Foto: dpa
Die neue Episode der ARD-Krimireihe „Zorn“ lebt von ihren Hauptdarstellern. Auch wenn sie diesmal nicht wie gewohnt zusammenarbeiten.

Berlin.. Wer „Zorn“ kennt, weiß: Dieser überaus gutaussehende Hauptkommissar Claudius Zorn ist nicht der Held der Krimireihe. Nein, die zentrale Figur ist sein ein wenig mitleiderregender Mitarbeiter Schröder. Der mit der hellen Stimme, die eher an Kirchenchor als ans Kommissariat erinnert. Hat Schröder einen Vornamen? Sagen wir so: Er ist der dicke Schröder, die Seele dieses Duos. Doch in dieser Folge ist dieser gute Geist weg. Den Dienst quittiert hat er und ein Bistro aufgemacht. Aber keine Angst, Schröder (Axel Ranisch) mischt dennoch mit. Auch in der Episode „Wie sie töten“ (14. April, 20.15 Uhr, ARD).

Zunächst jedoch ist die Titelfigur im Blickfeld der Geschichte. „Zorn“, gespielt von Stephan Luca. Man sieht ihm gerne zu, diesem arbeitsscheuen Kotzbrocken, der sich durch den Tag flucht und fläzt. „Fresse“ und „Arschloch“ sind seine Lieblingsworte, wenn er qualmend in seiner alten Limousine durch die Gegend kurvt.

Scrabble im Altenheim mit dem Todesengel

Ein arroganter Typ, dieser Zorn, der weder das Leergut wegbringt noch Gefühle zeigt. Natürlich ist es dann umso ergreifender, wenn dieser harte Kerl die Maske fallen lässt. Zorn gerät in die Klemme und wird leiden wie ein Hund. Und man wird es ihm ansehen. Denn diese Folge ist mehr als ein Krimi. „Wie sie töten“ ist ein Film über das Leben und Sterben generell. Abseits des Falls um einen „Todesengel“ im Altenheim geht es um den Wert des Lebens schlechthin.

Dass Schröder doch nicht nur Brötchen mit Mortadella belegt, sondern zum Herzstück der Ermittlungen wird, liegt daran, dass seine Mutter in genau dem Altenheim wohnt, in dem einer nach dem anderen ermordet wird. Während die alten Herrschaften ihren letzten Atemzug tun, futtern die Schröders Streuselkuchen. Herrlich morbide, dieser Charme: Ein Höhepunkt ist der Spielenachmittag. Schröder, Schröders Mutter und Zorn spielen zusammen Scrabble und kämpfen mit Wortfindungsstörungen. Wie gut, dass Schwester Berit, die noch unerkannte Mörderin, die richtigen Buchstaben kennt: „MORD“. Ein wenig dick aufgetragen, aber doch auch originell.

Film lebt von seinen Hauptdarstellern

Das Doppelbödige beherrscht auch die Dialoge, die diese Reihe besonders machen. Regisseur Alexander Freydank, der für seinen Kurzfilm „Spielzeugland“ eine Reihe bedeutender Preise erhielt, und auch Kafkas „Der Bau“ verfilmte, führt sein Personal mit viel Gespür durch die Szene. Dass die Handlung bisweilen ein wenig irrational wirkt (warum schöpft die Polizei nicht viel eher Verdacht bei Schwester Berit?), verzeiht man der Regie, die mit starken Einstellungen punktet: Ein Kammerspiel ist es, wie Schröder es schafft, einen Geistesgestörten davon abzuhalten, einen Mord zu begehen. Schröder ist ein guter Mensch – und Polizist.

Fazit: Der Film lebt von den beiden Hauptdarstellern. Axel Ranischs so leichtes wie intensives Spiel als lieber Schröder geht ans Herz. Stephan Luca ist ein schön anzusehender Antiheld – allerdings hat der erste Zorn-Darsteller Mišel Matičević diesen Untypen mutiger und facettenreicher gefüllt.

• Donnerstag, 14. April, 20.15 Uhr, ARD: „Zorn – Wie sie töten“

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