CSU-Minister Herrmann nennt Roberto Blanco "wunderbaren Neger"

Verbale Entgleisung im Plasberg-Talk: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nennt Schlagersänger Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger".
Verbale Entgleisung im Plasberg-Talk: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nennt Schlagersänger Roberto Blanco einen "wunderbaren Neger".
Foto: Nicolas Armer
Bei "Hart aber fair" mit Frank Plasberg ging es am Montagabend um das Elend der Flüchtlinge. Wie viele kann Deutschland aufnehmen? Gute Frage.

Berlin. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung für die Flüchtlinge ist groß - beinahe so groß wie die Hilflosigkeit, mit der die Politik dem Andrang begegnet. Europa baut Zäune. In Ungarn, in Südspanien, in Calais am Eurotunnel. Deutschland lädt das Problem bei denen ab, die es nicht weiterreichen können: bei den Städten und Gemeinden, die oft am Rande ihrer Kräfte stehen. Nun hat die Bundeskanzlerin die Flüchtlingsfrage zur "nationalen Aufgabe" erklärt. Und sie verbreitet Zuversicht: "Wir schaffen das." Es klang ein bisschen so, als wollte Angela Merkel sich selbst überzeugen. Einen zumindest halbwegs konkreten Plan legte sie jedenfalls bislang nicht vor.

"Schafft Deutschland das?", fragte auch Frank Plasberg seine Gäste bei "Hart aber fair". Und die Talkrunde war durchaus ein Gewinn – trotz einer Entgleisung von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Der CSU-Mann ließ sich im Laufe der Diskussion zu einem Satz verleiten, der sich danach tausendfach zitiert in den sozialen Medien wiederfand. Dabei wollte er einfach nur gute Beispiele für gelungene Integration nennen: "Roberto Blanco war auch ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat. Und beim FC Bayern haben auch eine Menge Spieler mit schwarzer Hautfarbe mitgespielt." Da ließ die Häme im Internet nicht lange auf sich warten. Am Dienstagmorgen versuchte Herrmann sich zu rechtfertigen.

Talk als Spiegelbild der Diskussion in Deutschland

Dennoch war der Talk (Teil eines ARD-Themenabends zur Flüchtlingsproblematik) gelungen – allein, weil er ein Spiegelbild bot der Diskussion, wie sie über weite Strecken seit Monaten in der Republik abläuft: Man blickt vom jeweiligen Standpunkt auf einen isolierten Aspekt und formuliert dazu eine Meinung. Dabei ist die Gesamtproblematik so vielschichtig und unübersichtlich, dass einfache Antworten nicht reichen.

Da ist der TV-Journalist Ranga Yogeshwar, der angesichts von womöglich einer Millionen Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, empfiehlt: "Wenn jeder sich um einen kümmert, haben wir kein Problem." Das klingt zwar gut und mag rechnerisch stimmen. Aber was ist, wenn im Rathaus einer Stadt plötzlich ein Alarmanruf eingeht, man müsse sich binnen 24 Stunden auf hundert neue Flüchtlinge einstellen? Und was ist, wenn, wie in Dortmund geschehen, eine Erstaufnahmeeinrichtung wegen schierer Überfüllung schließen muss?

Herausforderung, aber nicht Überforderung

Da ist die Grünen-Vorsitzende Simone Peter, die ähnlich wie die Kanzlerin von einer "Herausforderung" für Deutschland spricht, aber betont, sie sehe "keine Überforderung" für das Land. Dabei ist es gerade die Politik, die seit Jahren überfordert ist von der Aufgabe, den Umgang mit den Flüchtlingen, ihre Unterbringung und Integration zu organisieren. Die Grünen machen da keine Ausnahme, wenn sie sich an den Scharfmachern bei der CSU abarbeitet, selbst aber auch keine Konzepte vorlegen, die wirklich weiterführen.

Und da ist eben jene CSU, bei Plasbergs Talkrunde in Person des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann. Er fokussiert seinen Blick auf die Flüchtlinge vom Westbalkan. Deren Asylanträge werden in mehr als 99 Prozent der Fälle abschlägig beschieden. Herrmann forderte, was seine Partei seit Wochen fordert: Die Abschiebung der abgelehnten Asylbewerber müsse "wesentlich schneller gehen" als bisher. Auch "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz sieht in diesen Menschen pauschal "falsche Flüchtlinge", weil sie in Deutschland "keine Chance haben auf Asyl".

Kein Asylanspruch, keine Zukunft in Deutschland - ist das also die Faustregel für den Umgang mit denen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben zu uns kommen?

Ohne Chance auf Asyl - und top integriert

Der lebende Gegenbeweis für diese Sicht saß direkt neben Herrmann und Reitz. Nurjana Arslanova kam 2002 als Elfjährige aus Dagestan im Kaukasus mit ihren Eltern und ihren Geschwistern hierher. Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt - mithin genau so wie die Anträge der allermeisten Flüchtlinge aus dem Westbalkan.

Heute, nachdem Nurjana Arslanova jahrelang auf engstem Raum in Flüchtlingsunterkünften lebte, sich von einer Duldungsfrist zur nächsten zitterte, stets "auf gepackten Koffern" saß, nicht wissend, "ob die Polizei uns morgen abholt oder in fünf Jahren" - heute also steht die junge Frau, die in der Schule Klassenbeste war und längst perfekt Deutsch spricht, vor ihrer Abschlussprüfung zur Kita-Erzieherin. Nach einem Job wird sie nicht lange suchen müssen. Nurjana Arslanovas Empfehlung für Deutschland: "Nicht mit der Abschottung weitermachen, sondern die Menschen möglichst schnell integrieren."

Die Frage ist: Schafft Deutschland das?

 
 

EURE FAVORITEN