Bomben-Bausatz kommt durch Sicherheitskontrolle am Flughafen München

Ein Beamter der Bundespolizei im Sicherheitsbereich eines Flughafens. In München versagte der Security Check bei einem Test des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“.
Ein Beamter der Bundespolizei im Sicherheitsbereich eines Flughafens. In München versagte der Security Check bei einem Test des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“.
Foto: imago stock&people / imago/Thomas Eisenhuth
  • Das ARD-Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ hat eine Sicherheitslücke am Flughafen München aufgedeckt
  • Ein Reporter kam mit explosivem Stoff durch die Sicherheitskontrolle

Leipzig.  Viele Urlauber am Münchener Flughafen brauchten Ende Juli dicke Nerven, als auf einmal das gesamte Terminal 2 geräumt wurde. 330 Flüge mussten abgesagt werden, mehr als 31.000 Passagiere waren davon betroffen. Und das alles, weil eine 40-jährige Frau einfach so ohne Kontrolle durch die Sicherheitsschleuse spazieren konnte.

Nun ist am zweitgrößten Flughafen Deutschlands offenbar eine noch viel besorgniserregendere Sicherheitslücke aufgetreten. Laut den Machern des Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ konnte ein ARD-Reporter Bauteile für einen Sprengsatz in den Abfertigungsbereich bringen. Das berichtet das Magazin in seiner aktuellen Ausgabe (Mittwoch, 29. August, 21.45 Uhr, Das Erste).

Sprengsatz hätte tödlich sein können

Vorab habe ein Experte bewiesen, dass der Sprengsatz funktionstüchtig hätte sein können – und für Menschen in unmittelbarer Nähe tödlich. Ebenso sei er stark genug gewesen, um ein Loch in ein Flugzeug zu sprengen. Ein derartiger Sprengsatz könne auch ein Flugzeug zum Absturz bringen, bestätigte der Leiters der Thüringer Feuerwerkerschule und Fachberater für Explosivstoffe, Sven Schrader.

Schrader, der über Jahre Sicherheitspersonal beraten hat, sieht in dem Vorfall einen Beweis für ein generelles Problem an Flughäfen. Der ARD-Reporter habe die Sicherheitskontrolle mit freiverkäuflicher Pyrowatte (Schießbaumwolle) im Handgepäck passiert – optisch nicht von Kosmetikwatte zu unterscheiden.

„Sicherheitspersonal hat praktisch keine Chance, die Pyrowatte als Gefahrenstoff zu erkennen, weder am Geruch, noch an einem anderen Merkmal. Da hilft auch kein Sprengstoffhund oder kein technisches Gerät“, sagte Schrader dem Magazin.

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Innenministerium reagiert auf ARD-Anfrage nicht

Das Bundesinnenministerium verwies gegenüber „Plusminus“ auf das gesetzliche Verbot von Spreng- und Brandsätzen in Sicherheitsbereichen oder in Flugzeugen. Auf die Frage, wie dieses Verbot durchgesetzt und die Sicherheitslücke geschlossen werden könnte, reagierte das Ministerium laut „Plusminus“ nicht.

Laut den Machern des Magazins will die Regierung Oberbayern durch die aufgedeckte Sicherheitslücke nun aber bei Pyrowatte aktiv werden und zusammen mit der Bundespolizei prüfen, „ob und inwieweit Pyrowatte für den vorsätzlichen Eingriff in die Sicherheit des Luftverkehrs Verwendung finden kann“, sagte eine Regierungssprecherin.

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(ba)

 
 

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