In New York Times-Interview: Böhmermann schimpft über Präsident Trump

Satiriker Jan Böhmermann wird in der kommenden Woche in einer US-Late-Night-Show zu Gast sein.
Satiriker Jan Böhmermann wird in der kommenden Woche in einer US-Late-Night-Show zu Gast sein.
Foto: Rolf Vennenbernd / dpa
In einem Interview mit der „New York Times“ hat Jan Böhmermann US-Präsident Trump beschimpft. Der Satiriker sprach auch über Erdogan.

New York/Berlin.  Jan Böhmermann hat der „New York Times“ am Freitag ein Interview gegeben, das live auf Facebook gestreamt wurde. „Jan Böhmermann ist einer der bekanntesten deutschen Comedians und Satiriker, nicht zuletzt auch außerhalb seines Landes“, stellte Carol Giacomo, leitende Redakteurin beim renommierten US-Medienhaus, den 36-Jährigen vor.

Und will direkt wissen, wie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten die Arbeit Böhmermanns verändert hat. Trump habe sein Privatleben mehr verändert als seine Arbeit, sagt der: „Ich finde es aufregend, dass wegen einer Regung Trumps mein Leben plötzlich vorbei sein könnte. Meine Eltern hatten diese Situation während des Kalten Krieges, und jetzt habe ich sie auch.“

Böhmermann sagt deutlich seine Meinung über Trump

Böhmermann wird noch deutlicher: „Ich bin ein Komiker, ich arbeite die schlimmesten Seiten der Leute heraus. Und man kann es so viel beschönigen, wie man will, aber in meiner Vorstellung ist er am Ende ein ungebildeter, alter, unberechenbarer Depp, der zu viel Geld hat – und der jetzt zufällig der Präsident der Vereinigten Staaten ist.“ Interviewerin Giacomo lacht ein wenig nervös in die Kamera.

Als Weltbürger mache ihm das aber auch Mut, fährt Böhmermann fort, schließlich könne jetzt auch der dümmste Idiot eine politische Führungsposition erreichen – man brauche keinerlei Gefühl für Moral: „Ist das nicht großartig? Auf eine bestimmte Art sehr demokratisch.“ „Aber ist das auch lustig?“, fragt Giacomo. „Was können wir ändern?“, fragt Böhmermann zurück, Trump sei nun mal gewählt worden.

Böhmermanns Schlagfertigkeit fehlt in der Fremdsprache

So gut Böhmermann auch Englisch spricht – die Schlagfertigkeit, die er auf Deutsch hat, geht bei der Übersetzung in die Fremdsprache verloren. Was er auch selber merkt. Er sagt, dass er Dinge ironisch meine, und erklärt das Konzept Ironie – was die Situation auch nicht komischer macht. „Lasst mich mal kurz nachdenken“, sagt er später, und: „Ich brauche mehr Koffein.“

„Wie fühlt sich das an, wenn ein Diktator wie Erdogan versucht, Sie zum Schweigen zu bringen?“, will ein Kommentator unter dem Facebook-Livestream wissen. „Er ist doch kein Diktator“, antwortet Böhmermann, und auch da ist die Ironie ist nur vage auszumachen, „er ist ein rechtmäßig gewählter, demokratischer Präsident, der tatsächlich sehr autoritär regiert und das Justizsystem seines Landes benutzt, um sein Volk zu unterdrücken.“

Aber ganz ehrlich, gibt Böhmermann zu: „Es macht einem schon Angst. Es ist kein gutes Gefühl, wenn einen ein Diktator wie der türkische Präsident verklagt.“ Das seien ein paar harte Wochen gewesen, aber es gehe ihm besser, seit die strafrechtlichen Ermittlungen vorüber seien. „Seit ich mich nur noch mit den zivilrechtlichen Sachen rumschlagen muss, ist es viel lustiger. Ein sehr teurer Spaß.“

Was ist wo wie lustig?

Mit Interviewerin Carol Giacomo spricht Böhmermann über den Brexit und die Neuwahlen in England, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die AfD und ihre Chefin Frauke Petry.

Auf die Frage, ob es Unterschiede im Humor gebe, ist Böhmermann ganz ernst: „Als deutscher Comedian vermeide ich es, Witze über irgendwas zu machen, was mit dem Holocaust zu tun hat. Ich persönlich finde nichts daran lustig. Aber sonst? Wenn deine Intention und dein Motiv klar sind, kann man über alles Witze machen“, sagt der Satiriker.

Böhmermann wird am kommenden Montag, 24. April, Gast in der Late-Night-Talkshow des US-Komikers Seth Meyers sein.

(moi)

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