Blackout – was ein Stromausfall mit Deutschland machen würde

Gehen die Lichter bei Kraftwerken wie dem AKW in Philippsburg bald ganz aus?
Gehen die Lichter bei Kraftwerken wie dem AKW in Philippsburg bald ganz aus?
Foto: imago stock&people
Droht dem Stromnetz ein flächendeckender Ausfall? Eine ZDF-Doku klärt über die Folgen und die Wahrscheinlichkeit eines Blackouts auf.

Berlin. In der Dokumentation „Blackout – Deutschland ohne Strom“ von Tim Förderer zeigt das ZDF, wie sicher unsere Stromnetze sind und was passiert, wenn diese Netze für längere Zeit ausfallen. Der Film wird stetig aktueller, weil die Gefahren für die Netze immer größer werden. An der deutsch-belgischen Grenze geht schon lange die Angst vor einem Terrorangriff auf Kraftwerke um. Und seit russische Hacker es auf Politiker und Firmen abgesehen haben, scheint auch der Angriff auf das Stromnetz nicht mehr weit.

In der ZDF-Doku werden gleich mehrere Beispiele von Stromausfällen aufgeführt, die zur Gefahr für unsere gesamte moderne Infrastruktur zu werden drohten. Da ist zum Beispiel der tagelange Stromausfall in New York im Jahr 1977 oder ein Vorfall aus dem Jahr 2006. Damals hatte die Abschaltung einer Stromleitung an der Ems zu einem flächendeckenden Ausfall in großen Teilen Europas geführt.

Stromausfälle sind keine Seltenheit in Deutschland

Dass es immer wieder zu Stromausfällen kommt, belegen Statistiken. Das irische Energieunternehmen Eaton betreibt zum Beispiel einen „Blackout-Tracker”, eine Statistik, bei der Bürger die Daten liefern. Für das Jahr 2014 wurden in Deutschland 617.290 Stromausfälle gemeldet, die durchschnittlich 133 Minuten andauerten. Bei jedem einzelnen Ausfall waren im Schnitt 4115 Haushalte betroffen – in Großstädten also nicht mehr als ein Straßenzug. Neben Haushalten sind es oft angeschlossene Infrastrukturen, die leiden.

Zwar hatten diese Vorfälle dramatische Auswirkungen – so etwa Plünderungen in New York – aber eines waren sie genau genommen nicht: klassische Blackouts. Diese sind nach den Einschätzungen der Bundesbehörden flächendeckende Ausfälle, die längere Zeit anhalten und Kettenreaktionen hervorrufen.

Wenn nach dem Ausfall die Plünderungen einsetzen

Davon abgesehen, schildert das ZDF aber, was bei einem echten Blackout passiert:

• Zuerst fällt der Strom aus. Das kann etwa durch einen Hacker-Angriff, einen Terrorangriff oder eine Schwäche des Netzes passieren. Ist der Strom einmal weg, müssten einige Notfallkraftwerke das Netz wieder zum Laufen bringen. Doch auch da gibt es ein Problem: viele Kraftwerke brauchen Strom zum Starten oder für den laufenden Betrieb. Ein Atomkraftwerk etwa braucht enorme Mengen an Strom für die Kühlung.

• Schon nach wenigen Stunden und Tagen gibt es Probleme mit der Nahrungsversorgung. Wenn Kühlungen in Supermärkten ausfallen, Tankstellen kein Benzin mehr pumpen, dann können viele Lebensmittel nicht transportiert und gelagert werden.

• Ebenso schnell wie bei der Nahrungsversorgung treten Engpässe bei der Wasserversorgung ein. Die Kläranlagen sind strombetrieben. Ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Katastrophenhilfe (BBK)erklärt im Film, dass nicht das frische Wasser, sondern die Entsorgung des Wassers zum Problem werde.

• Wenn der Stromausfall länger andauert sind auch Plünderungen denkbar. Der Wirtschaftspsychologe Carl Vierboom beschreibt, dass es dann zu skurrilen Szenen kommt. In New York 1977 haben etwa Plünderer schwere TV-Geräte erbeutet – in dem tiefen Glauben, dass der Strom irgendwann wieder zurückkommen würde. Diese Szenen seien auch heute vorstellbar, so Vierboom: „die Leute klauen dann Fernseher mit riesigen Bilddiagonalen“. Dabei wäre ein Einbruch in einen Baumarkt wesentlich sinnvoller.

Stellt sich nur die Frage: Wie wahrscheinlich sind solche Szenarien?

Im Film ist ein Experte des Unternehmens Compass Security aus der Schweiz zu sehen. Er erklärt, wie mit fingierten Bewerbungen auf USB-Sticks die Systeme von Kraftwerken gekapert werden könnten. Doch sein Fazit: „Ein physischer Angriff mit einem Flugzeug“ brauche weniger Vorbereitungszeit als ein Hack. Wahrscheinlich oder gar einfach durchzuführen sind beide Szenarien laut ZDF nicht.

Größere Gefahren lauerten demnach viel mehr in der Beschaffenheit der Stromnetze selbst. Durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz entstehen immer mehr kleinere Kraftwerke, die aus Wind und Sonnenstrahlen Strom erzeugen. Das Netz wird immer komplizierter und damit auch anfälliger. Im Jahr 2015 gab es 1790 aktive Kraftwerke. Doch die Bundesnetzagentur hielt einen Komplettzusammenbruch bisher für relativ unwahrscheinlich. Doch wenn man einer anderen Bundesbehörde, dem BBK glaubt, dann lohnt es sich dennoch, ein paar Vorräte für den Notfall zu haben.

Die Dokumentation „Blackout – Deutschland ohne Strom“ (2015) läuft am Donnerstag, 29. September um 20.15 Uhr auf Phoenix.

 
 

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