Besuch aus der Südsee

Foto: © K?o Films

Hagen. Arte zeigt die fünfwöchige Reise eines Quintetts aus Tanna unter dem Motto „Besuch aus der Südsee” (di bis do, jeweils 19 Uhr) in einer dreiteiligen Dokumentation.

„Vom runden Metall und schwerem Papier”, das die Weißem zu ihrer „wahren Gottheit” erhoben haben, berichtet der in Europa wohl kultigste Häuptling aus der Südsee. In den 70er Jahren wird die banale Zivilisationskritik des Papalagi mehr als 1,7 Millionen Mal allein in Deutschland verkauft.

Die Sicht von außen, aus dem Paradies direkt auf die an Kommerz orientierte Wohlstandsgesellschaft in Europa, ist beliebt. Und so haben sich 2007 ein Häuptling aus Tanna zusammen mit vier weiteren Stammesangehörigen aufgemacht, „das Stammesleben in einem so exotischen Land wie England” zu ergründen. Jenseits des papalagischen Ethnokitsches liefert das Quintett zum Teil tiefschürfende Kommentare über das seltsame Leben in Europa. Arte zeigt die fünfwöchige Reise „Besuch aus der Südsee” (di bis do, jeweils 19 Uhr) in einer dreiteiligen Dokumentation.

Jogging-Anzug, Mütze und Sweatshirt

Los geht's in Norfolk, wo die Fünf Simon und Bobby, Mitglieder der „english-middleclass” und „Schweinezüchter wie wir”, einen Besuch abstatten. Ihr einfaches Penis-Etui, das auf Tanna als einziges Mode-Accessoire getragen wird, haben die Männer gegen Jogging-Anzug, Mütze und Sweatshirt eingetauscht. Neugierig lassen sie sich das englische Landleben erklären, halten mit ihrer Meinung aber nicht hinter dem Berg.

So kritisieren sie die künstliche Besamung der Sauen. „Schweine möchten Sex haben”, sagen sie mit Überzeugung. Auch die Stammkneipe Simons als „Versammlungsort für Männer und Frauen” bringt sie etwas durcheinander. Da alle trinken, zweifeln die Männer aus der Südsee an, dass „sie wirklich wissen, wovon sie reden”.

Der Geist des Kronprinzen

Zum Teil weise und häufig witzig kommentieren die Männer die Realität. Bei ihrer zweiten Station sind sie zu Gast in der „Hütte” einer „english-workingclass-familiy” und lernen Hochdruckreiniger und Kentucky Fried Chicken kennen, bevor sie das adelige Leben in einem Schloss nebst Fuchsjagd und mittelalterlichem Bankett genießen dürfen.

Obwohl die Kulturen an beiden Polen der Welt unterschiedlicher nicht sein können, gibt es ein verbindendes Element, das die Dokumentation wie ein roter Faden durchläuft: Der Häuptling möchte Prinz Philipp animieren, nach Tanna zurückzukehren. Denn auf dem Südsee-Atoll wird der Geist des Kronprinzen als Gott verehrt. Wenn er seinen Dienst in England verrichtet hat, sollte er in seine Heimat am anderen Ende der Welt zurückkehren, glauben die Männer. Sie schaffen es tatsächlich, eine Audienz beim Prinzen zu bekommen.

Nach ihrer Rückkehr nach Tanna haben sie daher nicht nur interessante Bilder und Geschichten im Gepäck, sondern auch die heiß ersehnte Antwort des Monarchen.

 
 

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