Beckmann – sind Frauen nun zu feige oder doch nur lustlos?

Carolina Zimmermann
Foto: NDR/Morris Mac Matzen

Essen. „Scheitern die Frauen an sich selbst?“, wollte Reinhold Beckmann wissen. Zumindest scheiterten Bascha Mika, Doris Schröder-Köpf und Gertrud Höhler an der Diskussion – nichts Neues am Montagabend in der ARD.

„Scheitern die Frauen an sich selbst?“Auf diese Frage gab es bei TV-Talker Reinhold Beckmann am Ende keine Antwort. Vielmehr stellte sich die Frage, ob der Moderator die richtigen Gäste in seine Diskussionsrunde eingeladen hatte – wirkten doch alle anwesenden Damen sehr zufrieden mit sich und ihren Lebensentwürfen.

Doris Schröder-Köpf, Ehefrau des Ex-Bundeskanzlers, würde zwar ihrer ältesten Tochter davon abraten, den gleichen Weg einzuschlagen wie sie, betont aber: „Ich bereue nichts.“ Bascha Mika, bis 2009 Chefredakteurin der „taz“ hat selbst alles richtig gemacht, kritisiert aber ihre Geschlechtsgenossinnen dafür, dass sie zu feige seien, ihr Leben richtig in die Hand zu nehmen. Mit ihrem Buch „Die Feigheit der Frauen“ eckt sie an und muss sich als „Nestbeschmutzerin“ bezeichnen lassen. Auch bei Prof. Gertrud Höhler stieß die Journalistin mit ihren Thesen auf Unverständnis. Die Politik- und Unternehmensberaterin vertrat die Ansicht, dass niemand die Frauen davon abhalte, sich in Führungspositionen zu etablieren.

Sind Frauen nun zu feige oder lustlos?

Laut Bascha Mika schaffen Frauen es nicht, sich im privaten Bereich durchzusetzen. „Sie lassen sich von Männern die Hausarbeit aufdrücken, statt ihrem Lebensentwurf zu folgen“, stellt sie fest. Etwas zu oberflächlich gedacht, meinte Gertrud Höhler: „Ich finde es schön, dass Sie Ihre Gedanken loswerden, aber warum nicht nur für sich?“ Doris Schröder-Köpf dagegen findet sich in Mikas Frauenbild wieder. Für ihren Mann sei sie damals von New York nach München gezogen und habe ihren Beruf aufgeben müssen. Ansonsten schwieg die dreifache Mutter, die im Aufsichtsrat von Karstadt sitzt, über große Strecken. Immer wieder versuchte Beckmann sie ins Gespräch mit einzubeziehen, was aber in harmloser Plauderei über die väterlichen und hausmännischen Qualitäten von Gerhard Schröder endete.

Höhler und Mika stritten sich unterdessen weiter darüber, ob die Frau nun zu feige sei oder einfach keine Lust habe, Initiative zu ergreifen. Gertrud Höhler sieht einen Grund für den Rückstand der Frauen, was Karriere und Einkommen betrifft, in deren angeblichen Unwillen, sich festzulegen. „Die Frau lebt im Potentiellen, auch in ihrem Karriereverhalten. Sie zweifelt zu viel an sich selbst“, sagt sie. Die Lösung sei einfach: „Sie muss den Mann nur ermutigen, sie zu fördern.“ Während Zuschauer auf neue Erkenntnisse warteten, drehten sich die Frauen mit ihren Argumenten mehr im Kreis, als der Sendung eine neue Wendung zu geben. Es wäre spannend gewesen, auch Männer in dieser Runde zu Wort kommen zu lassen. Vielleicht ließen sich dann einige Fragen auf direktem Wege klären.

„Imponiere Männern durch Dinge, die du kannst und die sie nicht können“

Der einzige Mann in der Runde saß relativ entspannt dazwischen und mischte sich nur selten ein, warf nur hin und wieder eine weitere Frage auf: „Hat sich die Rolle der Frau seit den 50er Jahren verändert?“ In einem kurzen Einspieler beantwortete eine Werbepsychologin die Frage nach Untersuchungen der heutigen Werbespots für Haushaltsgeräte und Reinigungsmittel eindeutig mit „nein“. Ein interessanter Aspekt, der aber nicht weiter beleuchtet wurde.

Gertrud Höhler traf den Nagel auf den Kopf, als sie Diskussion als „wahnsinnig überholt“ bezeichnete. Ihr Rat an die Frauen: „Imponiere Männern durch Dinge, die du kannst und die sie nicht können.“ Die von Politik und Wirtschaft vorgegebenen Modelle seien nicht frauenfeindlich, sondern familienfeindlich, argumentierte sie und kritisierte Arbeitsministerin Ursula von der Leyen: „Sie hätte ihre Pläne zu Ende spielen sollen, was die Betreuungsplätze für Kinder betrifft.“ Doris Schröder-Köpf verteidigte die Ministerin: „Das ist ein sehr harter Kampf.“

Beckmann versuchte, das Gespräch voranzutreiben: In Norwegen gelte bereits eine Frauenquote von 40 Prozent. Deutschland könnte bald unter Druck geraten, weil die EU einen verpflichtenden Frauenanteil in Aufsichtsräten plane. Frauen verdienten in gleichen Positionen 23 Prozent weniger als Männer. Alles hinlänglich bekannt: Wenn schon die x-te Diskussion zum Thema geführt wird, dann wäre zumindest ein neuer Ansatz nötig.