Baumgartner schlägt die Tagesschau - Begeisterung im Netz

Gerrit Dorn
Felix Baumgartners Sprung aus dem Weltall haben weltweit Millionen verfolgt: im Fernsehen und im Internet.
Felix Baumgartners Sprung aus dem Weltall haben weltweit Millionen verfolgt: im Fernsehen und im Internet.
Foto: afp
Felix Baumgartners Sprung vom Rande des Weltalls faszinierte weltweit die Menschen: Der Nachrichtensender n-tv, der das Ereignis als einziger deutscher Sender live übertrug, feierte eine Sensations-Quote. Wer sich auf den Internet-Live-Stream von ServusTV verließ, verpasste aber die besten Bilder.

Köln. 15 Kameras hielten die Minuten fest, in denen Felix Baumgartner Geschichte schrieb. Als erster Mensch erreichte er - ersten Einschätzungen zufolge - im freien Fall Schallgeschwindigkeit, als erster Mensch sprang er von der Grenze des Weltalls 36 Kilometer zurück auf die Erde. Ein Ereignis, das umso spektakulär wirkte, weil weltweit Millionen von Menschen an den Bildschirmen live dabei sein konnten.

Der deutsche Nachrichtensender n-tv, der Baumgartners Sprung als einziger deutscher TV-Sender live übertrug, erreichte sensationelle Quoten: 7,1 Millionen Deutsche sahen den Sender ein, ein Marktanteil von fast 20 Prozent. Damit guckten mehr Menschen Baumgartners Sprung als die Tagesschau, zu der am Sonntagabend rund 5,6 Millionen Menschen einschalteten.

Acht Millionen guckten Baumgartners Rekordsprung bei Youtube

Für n-tv bedeutete der Rekordsprung auch rekordverdächtige Quoten: Nach eigenen Angaben konnte der Kölner Sender, der zur RTL-Gruppe gehört, seine Einschaltquote im Vergleich zu einem gewöhnlichen Sonntag verzwanzigfachen. Eine so hohe Zuschauerzahl habe n-tv möglicherweise noch nie erreicht, sagte ein Sprecher des Senders . Am Vormittag werteten Marktforscher aber in Archiven noch die Zahlen der vergangenen Jahre aus.

Den Youtube-Channel von Baumgartners Sponsor schalteten während des Sprungs bis zu acht Millionen Menschen gleichzeitig ein, wie das Video-Portal in einem Blog-Eintrag mitteilte. Das ist laut dem Technik-Blog "All Things D" auch für Youtube ein Rekord: Niemals zuvor verfolgten auch nur annähernd so viele Menschen den gleichen Livestream über das Portal. Der bisherige Rekordhalter war dem Blog zufolge die Übertragung der Olympischen Spiele aus London im Sommer. Damals waren allerdings nur rund 500.000 Menschen an den Bildschirmen dabei.

ServusTV enthält Live-Stream-Nutzern die besten Bilder vor

Der österreichische Fernsehsender ServusTV, der zu Baumgartners Sponsor gehört, erreichte mit seiner Live-Übertragung des Sprungs bis zu 777.000 Zuschauer, zusätzlich verfolgten bis zu 154.000 Nutzer das Geschehen über den vom Sender geschalteten Live-Stream im Netz. Die Internetseite wurde am Sonntag über drei Millionen Mal aufgerufen.

Doch unter diesen Nutzern des Livestreams regte sich nach der Übertragung Unmut: Während Fernsehzuschauer Bilder zu sehen bekamen, die Kameras an Baumgartners Anzug während des Flugs aufzeichneten, wurde der Live-Stream im Netz an diesen Stellen unterbrochen. Der Sender rechtfertigt sich: Um sicherzustellen, dass diese Aufnahmen "nicht unkontrolliert im Nirwana des WWW landen und dort eigenmächtig verbreitet werden", hätte man entschieden, bestimmte Sequenzen nur im Fernsehen zu zeigen."

Auf Facebook hat Felix Baumgartner in den vergangenen Tagen hunderttausende neue Fans gefunden. Am Montag (Stand: 12:30 Uhr) hatten 964.000 Menschen auf seiner Seite den "Gefällt mir"-Button gedrückt. Was der Österreicher mit seiner neu errungenen Popularität anstellt, ist noch unklar. Nur weitere Fallschirmsprünge werden es nicht sein. Im Interview mit dem Österreichischen Rundfunkt hat Baumgartner angekündigt, seinen Fallschirm wohl an den Nagel hängen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung werde er aber erst nach einem Kurzurlaub in Spanien treffen.

Begeisterte Kommentare zu waghalsiger Aktion im Internet 

Unzählige Kommentatoren feierten den erfolgreichen Sprung im Netz. "Was für eine Legende!", schrieb der Brite Gregor Bates im Kurznachrichtendienst Twitter. "Mehr als alles andere bin ich vor allem vom Mut Felix Baumgartners beeindruckt. Mögen wir auch so mutig sein, wenn wir unseren Fuß ins Unbekannte setzen", meinte Adam Polselli aus San Francisco.

Jesus Diaz, der den Rekord live für die Technologie-Webseite gizmodo kommentierte, musste nach eigenen Angaben weinen, als Baumgartner sicher gelandet war. "Einen Lorbeerkranz für Sie, Felix. Als Sie schneller als je ein Mensch in der Geschichte fielen, blieben unsere Herzen kollektiv stehen, um dann vor Stolz anzuschwellen", schrieb Diaz.

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer war einer der ersten Gratulanten. Dies sei ein "großartiger Erfolg", schrieb er auf seiner Facebook-Seite. "Österreich ist stolz auf Ihre Leistung! " Viele Menschen zogen in ihren Kommentaren Parallelen zur ersten Mondlandung des US-Astronauten Neil Armstrong. (Mit Material von afp)