"Ausgebremst" - WDR-Doku über Lance Armstrong und Doping

Lance Armstrong (Mitte) auf seiner Triumphfahrt über die Champs-Elysées bei der Tour de France 2004.
Lance Armstrong (Mitte) auf seiner Triumphfahrt über die Champs-Elysées bei der Tour de France 2004.
Foto: imago
Der WDR zeigt am Donnerstag die Dokumentation „Ausgebremst- die Lance Armstrong Story“ im Fernsehen. Gigantisches Doping-Netzwerk wird entschlüsselt.

Essen.. Als Lance Armstrong 2005 nach seinem siebten Triumph bei der Tour de France die Siegesrede hielt, wandte sich der Mann im Gelben Trikot vor dem Pariser Eiffelturm an die Radsport-Fans in aller Welt. „Eine letzte Bemerkung an all die Zyniker und Skeptiker“, sagte der US-Amerikaner. „Es tut mir leid für euch, dass ihr nicht groß träumen und an Wunder glauben könnt. Es lebe die Tour, für immer!” Diese Szene aus dem Dokumentarfilm „Ausgebremst – Die Lance Armstrong Story”, den der WDR am Donnerstagabend um 23.15 Uhr zeigt, ist typisch für den einst als größten Sportler der Welt gefeierten Armstrong.

Obwohl 2005 schon zahlreiche Indizien vorlagen, dass Armstrong Dopingmittel genommen hatte, begnügt sich der Texaner nicht damit, seine auf Betrug basierenden Erfolge still zu feiern. Im Gegenteil: Armstrong bekämpfte alle Zweifler und Kritiker mit allen Mitteln.

Krankhaft ehrgeiziger Jungprofi

Regisseur Alex Holmes deckt das System Armstrong in seinem Dokumentarfilm in allen Facetten auf. Chronologisch wird der sportliche Aufstieg vom damals schon krankhaft ehrgeizigen Jungprofi bis zum Tour-Dominator erzählt. Die Bilder der großen Siege wechseln sich mit Interviews von Zeitzeugen ab. So entlarvt der Film das jahrelang von Armstrong und seinen Beratern sorgsam entwickelte Sport-Märchen als einen perfiden Betrug.

Der Film liefert keine wirklich neuen Fakten, zeigt jedoch durch den Kontrast von Armstrongs großsprecherischen Aussagen und den Geständnissen seiner einstigen Teamkollegen ein Psychogramm des Texaners.

Armstrong ist ein klinischer Soziopath. Mehr als ein Jahrzehnt lang baute er ein gigantisches Doping-Netzwerk auf, beschwor seine Sauberkeit und vernichtete alle, die ihm auf diesem betrügerischen Weg nicht folgen wollten.

Eine Schlüsselrolle des Dokumentarfilms spielt Betsy Andreu, die Ehefrau von Armstrongs früherem Teamkollegen Frankie Andreu. Das Ehepaar war Zeuge, als Armstrong 1996 nach seiner Hodenkrebs-Erkrankung kurz vor der anstehenden Operation von den Ärzten gefragt wurde, ob er jemals Dopingmittel genommen habe. Damals gab Armstrong die Zufuhr von Epo, Wachstumshormonen, Kortison und Steroiden zu. Betsy Andreu war schon damals entsetzt, stellte ihren Mann zur Rede. Sie war überzeugt, Lance habe den Krebs durch das Dopen bekommen. „Mach das nicht, sonst verlasse ich dich”, drohte sie.

Mit Dopingmitteln zum besten Radprofi der Welt

Nachdem Armstrong den Krebs überwunden hatte, stieg er noch intensiver in die betrügerischen Machenschaften ein. Mit Hilfe der Dopingmittel wurde er zum besten Radprofi der Welt. Der ganze Planet feierte Armstrong als den Mann, der erst den Krebs und dann alle Konkurrenten besiegte. Armstrong dopte, gewann und kassierte um die 100 Millionen Dollar in der Werbung.

Es hat lange gedauert, bis endlich 2012 der US-Dopingfahnder Trevis Tygart mit Hilfe des Ehepaars Andreu sowie der geständigen Ex-Teamkollegen Tyler Hamilton und Floyd Landis das wahre Bild des Lance Edward Armstrong aufdeckte: Der Texaner war nicht der beste Radprofi der Welt, sondern der größte Lügner der Sportgeschichte.

Fazit: Hervorragend recherchierter Film mit interessanten Szenen aus Armstrongs Lebensgeschichte und teilweise ergreifenden Interviews mit Zeitzeugen. Etwas zu lang.

Donnerstag, WDR, 23.15 Uhr

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