„Akte Golgatha“ - Marco Girnth auf der Flucht

Marco Girnth in „Akte Golgatha“ (Sonntag, RTL, 20.15 Uhr).
Marco Girnth in „Akte Golgatha“ (Sonntag, RTL, 20.15 Uhr).

Köln.. Marco Girnth ist, an der Seite von Katharina Schüttler, Star des Abenteuerfilms „Akte Golgatha“ (Sonntag, RTL, 20.15 Uhr). Jürgen Overkott traf den 40-Jährigen im neuen RTL-Gebäude in der alten Kölner Messe.

Wie unterscheiden sich die Dreharbeiten für einen Eventfilm wie “Akte Golgatha” von Drehs für die ZDF-Serie “Soko Leipzig”?

Marco Girnth: Eines vorweg, wir machen für die “Soko” öfter mal Specials, wir waren in Nambia, in London, in Istanbul, nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Insofern gibt es bei der “Soko” hin und wieder auch mal einen Hauch von Abenteuer. Aber bei “Akte Golgatha” wird schon noch ein anderes Rad geschwungen. Das ist ein Roadmovie, das uns weit vorantreibt. Wir haben in München angefangen, waren in Österreich, Malta, Rom, Turin, waren am Toten Meer und schließlich auch in Jerusalem, und das alles in fünf Wochen.

Das hört sich an wie “Dr. Kimble auf der Flucht”…

Girnth: …wobei es bei der “Akte” beides ist: Wir jagen etwas hinterher, und wir werden aber auch verfolgt. Wir stehen von zwei Seiten unter Druck.

Die “Akte” beruht auf einem Roman von Philipp Vandenberg. Welchen Eindruck hat die Vorlage hinterlassen?

Girnth: Ich habe den Roman vorher nicht gelesen. Ich wusste: Der Film hat sich nur davon anregen lassen, an einigen Stellen haben wir uns vom Roman entfernt, ich wollte nicht, dass man das Buch gelesen hat und beim Drehen Bilder erzeugen will, die im Drehbuch nicht vorgesehen sind. Wir haben uns vorher sehr intensiv mit dem Drehbuch auseinander gesetzt, haben Leseproben gemacht, haben überlegt, wie wir den Film gestalten wollen.

Was war Ihnen wichtig?

Girnth: Der Film zeigt eine andere Situation, als man sie von den üblichen Abenteuerfilmen kennt. Die Hauptfigur gerät eben nicht gewappnet und präpariert in eine Abenteuer-Situation. Unsere Hauptfiguren sind ganz anders, sowohl bei Frau Schlesinger als auch bei Dr. Gropius. Beide sind Menschen wie Du und ich, die plötzlich mit Situationen zurechtkommen müssen, die sie nicht kennen, auf die sie sich logischerweise nicht vorbereitet haben, die aber dennoch meistern müssen. Vielleicht ist Frau Schlesinger ein bisschen besser vorbereitet, weil sie derartige Situation zumindest theoretisch mal durchgespielt hat. Aber Dr. Gropius ist ein Mensch, der es gewohnt ist, dass man ihm zuarbeitet. Für ihn gerät die Situation komplett außer Kontrolle, und er muss während der Flucht beweisen, wozu er in der Lage ist.

Kein “Indiana Jones”…

Girnth: …Indiana Jones geht mit der Peitsche durch den Urwald und zeigt den Ureinwohnern, dass er das gut kann. Und wir stolpern in eine Geschichte hinein und kommen erhobenen Hauptes wieder heraus.

Stolpern Sie selbst gern in Geschichten hinein - oder haben Sie‘s lieber gut vorbereitet?

Girnth: Beides. Dass ich Schauspieler geworden bin, war ein Bauchwunsch. Ich hatte Jura studiert und das Examen schon fertig, und ich habe es geschmissen. Ich konnte es keinem erklären, auch mir selbst nicht. Andererseits bin ich schon jemand, der sich gern einen Plan macht. Das hat sich aber in den letzten Jahres verwässert, weil ich gemerkt habe, man muss die Dinge auf sich zukommen lassen, man kann nicht alles planen, schon allein deswegen, weil Drehen Teamarbeit ist und der Regisseur letztlich das Sagen hat.

Fünf Wochen in fünf Ländern - fühlten Sie sich danach durchgenudelt?

Girnth: Während des Drehs habe ich das gar nicht gemerkt, wir haben einen positiven Adrenalinkick gespürt, wir haben nach der letzten Klappe Tränchen in den Augen gehabt, haben uns in den Armen gelegen. Wir waren ein tolles Team, und Katharina Schüttler ist eine echte Hammer-Frau, mit der kannste Pferde stehlen und auch einen solchen Film drehen. Aber als ich zuhause ankam, habe ich gemerkt: Boah, jetzt erst mal durchatmen.

Wesentliche Szenen spielen in der Wüste. Wie kommen Sie mit der Hitze zurecht?

Girnth: Ich mag es gerne heiß. Kälte finde ich deutlich ermüdender. Du hast Dein Kostüm an, vielleicht mit Ski-Unterwäsche, aber Du trägst eben keine Thermo-Jacke. Du darfst ja nicht wie ein Michelin-Männchen. Im vorigen Winter, beispielsweise, bin ich in einer Folge für die “Soko” in Unterwäsche und Badelatschen aus einer Sauna raus, einem Mörder hinterher, quer durch die Stadt. Und das Team feixt obendrein: Stell’ Dich nicht so an. Und bei der “Akte” war es so: Wir kamen aus Turin, da war es schon winterlich, und sind in Tel Aviv gelandet, um zum Toten Meer weiterzufahren, wo 35 Grad herrschten. Aber leider kam das Gepäck nicht mit, so dass wir drei Tage lang in Ski-Unterwäsche herumlaufen mussten.

Die katholische Kirche spielt in dem Film eine zwiespältige Rolle. Da gibt es eine fundamentalistische Splittergruppe, von der man nicht genau weiß, wie die Amtskirche dazu steht. Wie halten Sie’s selbst mit der Religion?

Girnth: Ich bin tief religiös erzogen, ich war auf einer Klosterschule, habe ich mich aber später von der Kirche emanzipiert und meinen eigenen Weg eingeschlagen. Aber ich empfinde mich immer noch als Christ, aber mein Glaube muss mir nicht zwingend über eine Institution vermittelt werden.

Der beste Nebendarsteller ist ein schwarz-weiß lackiertes Käfer-Cabrio. Wie fühlt sich so eine Donnerbüchse in Zeiten von Servo und ESP an?

Girnth: Altdeutsch. Aber ich mag das. Der Käfer war ein Traum. Mein zweites Auto war ein Mercedes mit Heckflossen von 1967 gekauft, der sich so ähnlich anfühlte. Wir haben uns jetzt einen alten Chevrolet-Van gekauft, wenn wir beispielsweise zum Campen rausfahren wollen, ein Auto wie beim A-Team, es ist zwar aus den 90ern, hat aber überhaupt nichts mit dem heutigen Standard zu tun, den wir bei Autos gewohnt sind.

Aber zurück zur Serien-Fernsehen. Während Sie bei der „Soko“ sind, ermittelt Ihre Frau (Katja Woywood, Red.) bei „Cobra 11“. Hauen Sie sich gelegentlich die Quoten um die Ohren?

Girnth: Nee, wir haben ein völlig unterschiedliches Zielpublikum. Wir haben tolle Quoten, und ich freue mich total für Katja, dass es für sie bei „Cobra“ auch gut läuft.

Die „Soko“ feiert demnächst Zehnjähriges. Wie lange wollen Sie noch dabei sein?

Girnth: Ich habe keinen Leidensdruck. Wir haben uns komplett neu aufgestellt. Wir erzählen neu. Neben den Fällen gibt es Geschichten, die sich über zwei, drei, vier Folgen hinziehen. Die „Soko“ erfindet sich neu, wir schlagen gerade wieder einen neuen Weg ein. Ich habe eine super Produktionsfirma, die mir erlaubt, auch nebenher noch was zu machen. Es ist total klasse, wenn bei den Sendern, in diesem Fall ZDF und RTL, keine Animositäten bestehen. Du fühlst Dich bei der „Soko“ super wohl, wenn Du mal ausbrechen und was anderes machen darfst.

 
 

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