Fanta4 feiern drei Tage in Dortmund

Michael Brandhoff
Foto: WR RALF ROTTMANN

Dortmund. Die Fantastischen Vier sind zurück – in den Plattenregalen mit dem Album „Für Dich immer noch Fanta Sie”. Auf der Bühne mit Hits, Klassikern und viel Gelassenheit. 1300 Fans im Dortmunder FZW dürfen gut zwei Stunden lang feiern.

Schick, schick, die Herren. Schwarz gewandet schreiten sie voran, gediegen, um in der nächsten Sekunde zu explodieren, das Kind im Mann wecken (vielleicht doch eher den jungen Erwachsenen) und einfach Spaß haben. Die Fantastischen Vier sind zurück – in den Plattenregalen mit dem frischen Album „Für Dich immer noch Fanta Sie”, auf der Bühne mit Hits, Klassikern und viel Gelassenheit. 1300 Fans im Dortmunder FZW dürfen gut zwei Stunden lang feiern.

Mehr als 20 Jahren haben sie nun auf dem Buckel (also als Band, als Menschen haben sie die 40 längst hinter sich gelassen), die Pioniere des deutschen Sprechgesangs, die Mittler zwischen den (Musik-) Welten, die Granden der deutschen Populärmusik. Und sie kokettieren mit ihrem Leben: „Wir betraten die Arena – das war kein Zuckerschlecken / wir machten ein paar Fehler, den Rest haben wir vergessen / Wir gingen nie in Deckung, wollten uns nie verstecken” heißt es im letzten Refrain des Eröffnungs-Songs „Wie Gladiatoren”.

Weiter geht es mit „Dann mach doch mal”, was Gutes, mit einem rockigen Riff. Ja, und das sind die Fantastischen Vier heute: musikalisch unabhängig, finanziell sowieso, qualitativ wertvoll. Smudo (Michael Bernd Schmidt), And.Ypsilon (Andreas Rieke), Thomas D. (Dürr) und Dee Jot Hausmarke alias Michi Beck haben in ihrem Leben viel richtig gemacht – sieht man von der Platte „Die vierte Dimension“ ab. Sie haben Obszönitäten nicht nötig, sie vereint Wortwitz und Taktgefühl.

Auf dem aktuellen Album, das wohl nur deshalb nicht an die Spitze der Charts stürmt, weil Oslo-Superstar Lena gerade rechtzeitig vor dem Eurovision Song Contest ihre Platte herausgebracht hat, entwickeln die vier Stuttgarter ihren Sound wieder ein Stück weiter. Mal ein bisschen Funk, mal ein bisschen was Ruhiges. Sie können alles – „Für Dich immer noch Fanta Sie”, das nunmehr achte Studio-Album, ist sicher ihre beste Platte seit „Lauschgift” (1995).

Das hat so gar nichts mit den Fantas zu tun, die sich damals, es war im Jahr 1992, in die deutschen Ohren rappten. „Die da” hieß ihr Hit, kreischend bunt waren die Outfits. Sie waren noch ein bisschen naiv, haben das Geschäft aber ganz, ganz schnell verstanden. Natürlich gibt es demzufolge auch genügend „alten Scheiß”, wie Michi Beck immer wieder betont: „Was geht”, „Einfach sein”, „MfG”, um nur drei Songs zu nennen.

Da ist es schon längst heiß. T-Shirts sind bereits in die Ecke geflogen (nicht nur von den männlichen Fans), die Temperatur bewegt sich in den Bereichen eines sommerlichen Wüstentages. Höhepunkt: Smudo und der coole, weil so abgedrehte neue Song „Smudo in Zukunft”. Da schraubt sich der 42 Jahre alte Herr Schmidt plötzlich Bewegungen aus dem Körper, die er offensichtlich selbst nicht für möglich gehalten hat (und seine Kollegen erst recht nicht). Die vielen LED-Leuchten auf der Bühne blinken bunt dazu, die Menge feiert – die Premieren-Show der neuen Tour könnte nicht besser sein.