Ex-Intendant des Schauspielhauses kehrt als Regisseur zurück

Der frühere Schauspielintendant Staffan Valdemar Holm ist wenige Wochen nach seinem Rücktritt wegen eines Burnout-Syndroms als Regisseur nach Düsseldorf zurückgekehrt.
Der frühere Schauspielintendant Staffan Valdemar Holm ist wenige Wochen nach seinem Rücktritt wegen eines Burnout-Syndroms als Regisseur nach Düsseldorf zurückgekehrt.
Foto: David Ebener
Staffan Valdemar Holm, der als Düsseldorfer Schauspiel-Intendant wegen eines Burn-Outs zurücktrat, kehrt als Regisseur mit einem Triumph zurück. Er macht aus Ibsens Egomanen-Drama ein Stück für die Jetztzeit. Düsseldorf feierte Holm – herzlich, aber zu spät.

Düsseldorf. Ein Museum ist ein Ort der Stille. Aber nicht in diesem Fall. Zwischen schwarz-weißer Fotokunst prügeln sich Männer, treiben Trolle ihr Unwesen, erleiden Reisende Schiffbruch. Einer von ihnen ist Peer Gynt, ein Schlaks im Norwegerpullover. Der Mann ist pausenlos in Fahrt, auf der Suche und gleichermaßen auf der Flucht, bis er scheinbar ankommt. Ein Bild, dass sich dreieinhalb Stunden später wie ein Gleichnis aufdrängt, als sich der schwedische Regisseur Staffan Valdemar Holm in der Welle der Bravorufe wärmt. Mit seinem Ibsen scheint er, bis vor drei Monaten noch Chef des 21-Millionen-Schlachtschiffs, in Düsseldorf gelandet zu sein. Und so feierte Düsseldorf seinen ehemaligen Intendanten – herzlich, aber zu spät.

Bis zum Sommer

Tragisch waren zuletzt die Angelegenheiten hinter den Kulissen. Ende 2012 legte Holm seine Intendanz nach anderthalb Jahren wegen Burn-outs nieder. Zur Auslastung von knapp 70 Prozent und zu Auseinandersetzungen mit der Stadt als Geldgeber hatten sich private und gesundheitliche Probleme gesellt. Holm gab auf. Jetzt kehrte er als Regisseur zurück, ein Job, den er bis zum Sommer bekleiden wird.

Dass er seinen Abschied mit Peer Gynt einläutet, mag Zufall sein. Passend erscheint die Geschichte vom Mann auf der Suche nach sich selbst dennoch. Olaf Johannessen spielt Ibsens Helden. Peer ist ein Egoist und Aufschneider. Einer, der Kaiser sein will, Frauen ausnutzt und seiner Mutter noch auf dem Sterbebett Märchen auftischt. „Peer, du lügst“: Die Anfangsworte der Aase (Karin Pfammatter) ziehen sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Peer schwindelt, säuft, hurt und flieht, vor der Verantwortung, der Wahrheit und der Liebe, die einmal mehr als engelsgleiches Gretchen daher kommt. Trägt Solvejg anfangs kindliche Hoffnung im Herzen, klingt ihr Gesang am Ende wie mühsam unterdrückte Keiferei. Eine schöne Rolle für Anna Kubin, die schließlich greift und rangelt, um Peer im Todeskampf zu halten. Bei einem sentimentalen Blues („Dream, Baby, Dream“) rafft er sich auf, tanzt, zuckt – und bekommt wieder mal nicht mit, dass Solvejg sich entzieht, bevor er zusammenbricht.

Im Museum verschieben graue Herren die Kulissen. Die Fotografien nehmen Peers Reise voraus. Ein Wald, eine Wüste. Junge Menschen, eine Tote. Muslima, Ringkämpfer, ein Schild „Go Back – you are going wrong way“. Anfangs steht er breitbeinig da, dieser Männer-Typus Peer, ein freiwilliger Außenseiter. Nie gehört er dazu, nicht zu den prügelnden Jungs im Heimatdorf, nicht zu den Trollen im Schattenreich. Die Araberinnen, die ihn als impotenten Greis bezirzen, rauben ihn nur aus. Der Teufel will ihn nicht. Nur in der Nervenheilanstalt erklären die Irren ihn zum Kaiser.

Eine fantastische Ensemble-Leistung ist die Inszenierung. Holm füllt mit der Choreografin Jeanette Langert den Bühnenraum. Es gelingen wunderbare Szenen. Wenn sich die Trolle mit dicken verspiegelten Brillen und langen Schwänzen zum Chor formieren und Griegs Musik nur mit Grimassen begleiten. Wenn die Araberinnen tanzen, verschleiert und ungemein sexy. Johannessen bildet den klugen Gegenpart. Er ist souverän unaufgeregt, macht nie zu viel und immer genug.

Eine Zeit für Helden

Es ist ein kurzweiliger Abend. Dass sich Johannessen vor der Premiere den Fuß verletzte und jetzt leichtfüßig agiert, sei als Randnotiz anerkennend erwähnt. Eine zweite betrifft die Zukunft. Eine Kommission hat begonnen, einen neuen Intendanten zu suchen. Kein leichtes Spiel. Die Stimmung ist mies, die Anforderungen sind immens, das Publikum gilt als schwierig – eine Zeit für Helden. Für solche, die unerschrocken mittendurch gehen. Nicht außenrum, nicht wie Peer Gynt.

4., 6., 12., 24. März, www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

 
 

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