„Es werde Dunkel“ - Nacht im Mülheimer Museum Alte Post

Mülheim.. Van Goghs „Sternennacht“ ist berühmt und Edward Hoppers „Nachtschwärmer“. Aber wie arbeiten zeitgenössische Künstler mit der Finsternis – in Farbe, Fotografie und Film? Unter dem Titel „Es werde Dunkel!“ präsentiert das Kunstmuseum Mülheim Nachtdarstellungen in der zeitgenössischen Kunst.

„Es werde Dunkel!”, das ist ein heikler Ausstellungs-Titel in einer Kulturregion, wo derzeit sukzessive die Lichter ausgehen. Auch das von Streichungen bedrohte Kunstmuseum Mülheim hat manchen Grund, für die Zukunft schwarz zu sehen. Die von Finanznöten geplagte Stadt hat zuletzt die Absicht signalisiert, sich bis 2013 ganz aus der Trägerschaft zurückzuziehen. Eine dramatische Entscheidung, sollten sich keine Sponsoren-Lösung finden. Der jährliche Zuschussbedarf, so Museumschefin Beate Reese, liege derzeit bei 1,1 Millionen Euro inklusive der 400 000 Euro Mietzahlung. Am 27. Mai soll der Rat über die Zukunft des Museums Alte Post entscheiden.

Nachtgedanken zeitgenössischer Künstler

Düstere Aussichten also in Mülheim? Diesmal sind sie noch beabsichtigt. Denn die Dunkel-Ausstellung über „Nachtdarstellungen in der zeitgenössischen Kunst” ist auf eine vielfältige Art erhellend und stimmungsvoll zugleich. Zusammengestellt hat sie die Städtische Galerie Bietigheim-Bissingen, in Mülheim nun wurde sie durch eigene Stücke erweitert wie Noldes „Nachtgestalten“, Arbeiten von Picasso, Beckmann und andere grafische Raritäten. Stücke aus der über nunmehr 101 Jahre gewachsenen Sammlung.

Und doch war der Wunsch diesmal nicht, in die Vergangenheit zu schauen, auf die allseits bekannten Highlights der Dunkelmalerei von Beckmanns „Die Nacht“ bis zu van Goghs „Sternennacht“. Diese Schau bringt Licht in die Nachtgedanken zeitgenössischer Künstler, die die Faszination der Finsternis nicht mehr bei Kerzenschein einfangen, sondern zeitgemäß mit Film, Foto und Spezialtele­skop, aber auch traditionell mit Pinsel, Tusche und Kreide.

Krummer Rücken, konzentrierter Blick

Dass die Nacht in Zeiten von Straßenbeleuchtung und 24-Stunden-Fernsehen dabei an Reiz, vielleicht auch an Schrecken verloren hat, stimmt nur bedingt. Wenn Thomas Ruff, von Golfkriegbildern inspiriert, mit Nachtsichtgerät durch die Straßen von Düsseldorf zieht, sieht die in ein bedrohliches Bagdad-Grün getauchte Stadt geradewegs zum Fürchten aus. Und Kate Waters sucht auf der nächtlichen Londoner „Bond Street“ immer noch erfolgreich die Einsamkeit des Flaneurs, so als hätten Edward Hoppers legendäre „Nighthawks” für dieses Foto Pate gestanden.

Nachtschwärmer der nüchternen Art zeigt Ralf Peters, der Serienbilder von Nachtarbeitern am Computer aufgenommen hat. In dieser sparsam ausgeleuchteten Menschenalltagsstudie aus krummen Rücken und konzentriertem Blick liegt jene zauberleise Unruhe, die Michael Schnabel in seinen nächtlichen Bergpanoramen noch toppt. Für „Stille Berge“ waren einstündige Belichtungszeit vonnöten. Viel Zeit, um die so selten gewordene totale Dunkelheit und die totale Stille zu erleben.

Karen Stuke hat sich zum Arbeiten lieber hingelegt und sich selbst im Schlaf fotografiert. Die Aufnahmen zeugen von unruhigen Nächten. Wie das eben leicht passieren kann, in dunklen Stunden...

 
 

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