„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist harte Kino-Kost

Regisseur Aleksej German verstarb vor Voll­endung seines Films.
Regisseur Aleksej German verstarb vor Voll­endung seines Films.
Regisseur Aleksej German zeigt in „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ eine grausame Parallelwelt. Mit seinem posthum fertig gestellten Werk mutet er dem Zuschauer einiges zu.

Essen. Filme wie Aleksej Germans „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ sind eine Seltenheit. Die Kompromisslosigkeit, mit der sich der im Februar 2013 verstorbene russische Regisseur den gleichnamigen Science-Fiction-Roman der Brüder Arkadi und Boris Strugatzki angeeignet hat, nötigt einem Ehrfurcht ab. Sie hat aber auch etwas Erschreckendes und zutiefst Verstörendes.

Jede der ungeheuer physischen, den Betrachter regelrecht bedrängenden Einstellungen dieses wüsten Weltentwurfs scheint aus Wut und Verzweiflung geboren. Das ist im Endeffekt kein Film mehr, wie er sonst in die Kinos kommt. Germans filmisches Vermächtnis, das nach einer Produktionszeit von mehr als dreizehn Jahren von seiner Frau und seinem Sohn vollendet wurde, gleicht einem wilden Aufschrei, einer letzten Abrechnung mit dem Menschen, der nur töten und zerstören kann.

In dem Roman der Brüder Strugatzki werden Wissenschaftler auf einen Planeten geschickt, der unserer Erde fast wie ein Zwilling gleicht. Nur liegt er in seiner Entwicklung etwa 800 Jahre zurück. Man ging davon aus, dass die Menschen dort kurz vor der Renaissance stehen. Die Gesandten der Erde sollen Zeugen dieses Aufblühens werden, ohne einzugreifen. Doch die Universitäten des fremden Planeten werden zerstört, Gelehrte verfolgt und getötet. Statt der Blüte erleben Don Rumata (Leonid Yarmolnik) und die anderen einen Sturz in finstere Zeiten.

In Schwarzweiß gedrehter Bilderreigen

Zu Beginn des Films fasst ein Erzähler diese Ereignisse zusammen und legt das Fundament für einen in Schwarzweiß gedrehten Bilderreigen, der sich mit der Handlung nicht weiter aufhält. „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ erzählt keine nachvollziehbare Geschichte. Er schildert einen Zustand ewiger Finsternis und Barbarei. Die Parallelwelt versinkt in Schmutz und Schmerz. Leichen liegen herum, es wird gefoltert und gefressen, gemordet und vergewaltigt. Die Schlächter unterscheiden sich nur durch ihre Methoden, nicht aber in ihrer Grausamkeit.

Dunkle Höllenlandschaft

Aleksej Germans Bilder orientieren sich an den Gemälden von Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel dem Älteren, den Stichen von Goya und den Arbeiten Francis Bacons. Die abgerissenen und entstellten Gestalten, die durch diese dunkle Hölle wandeln, haben etwas Monströses an sich. So sind Germans abgründige Visionen ebenso düster und dreckig wie die Welt, die sie zeigen. Dabei bleibt er immer ganz nah an seinen Schauspielern. Er rückt ihnen zu Leibe und nimmt so dem Betrachter jegliche Übersicht. Für fast drei Stunden wird man zum Gefangenen des Films und erlebt, was passiert, wenn Menschen nur noch archaischsten Trieben folgen.