Else Lasker-Schülers Welt, ein Bilderbogen

„DIE WUPPER. Eine Performance“. Szenenfoto mit Simone Thoma.
„DIE WUPPER. Eine Performance“. Szenenfoto mit Simone Thoma.
Foto: Sebastian Hoppe
Reichlichh Vorkenntnis erwünscht: Den Assoziationsreichtum von Roberto Ciullis Lasker-Schüler-Performance in Ehren. Aber diese „Wupper“ wird vielen ein Rätsel bleiben.

Düsseldorf.. Diesen Abend unter den Titel „Die Wupper“ zu stellen, ist Unter- und Übertreibung zugleich. Das gleichnamige Stück gibt es nicht zu sehen, es ist eine einzige, große, verehrungsvolle, nicht immer galante Verbeugung vor seiner Autorin Else Lasker-Schüler.

Ihr bekanntestes Stück hat Regie-Altmeister Roberto Ciulli mit seinem Theater an der Ruhr im „Central“ am Düsseldorfer Hauptbahnhof, dem mindestens anderthalbjährigen Ausweichquartier des örtlichen Schauspielhauses, zu einer ebenso anspielungsstarken wie diffus zerstäubenden Performance verarbeitet. Das berühmte blaue Klavier aus dem gleichnamigen Gedicht steht hier ebenso auf er Bühne wie Else Lasker-Schülers Yusuf-Gewand, das Elisabeth Strauß als stoffliche Reinkarnation neben den anderen, ebenfalls historisierenden Kostümen entworfen hat.

Die Reverenz an die Dichterin ist der Dreh- und Angelpunkt des gut zwei Stunden währenden Bilderbogens, der mit einem gut choreografierten Ensemble auch auf Inszenierungen der Wuppertaler Tanz-Ikone Pina Bausch anspielt – der Abend ist denn auch voller Assoziationen wie dieser, die Szenen und Charaktere des ohnehin vogelwilden Stücks werden zum freien Spielmaterial, das in typischer Ciulli-Manier poetisch-surreal illustriert wird.

Vier Anläufe zum Schlussbeifall

Es beginnt mit einer Plauderei, Roberto Ciulli, der sich im Personenverzeichnis zwar nicht als Else Lasker-Schüler, aber als „ELS“ anführen lässt, plaudert, zwei Mädchen zu Füßen, aus dem Leben der Dichterin, bevor er als ihre Inkarnation in Kleid und einen Kinderwagen schiebend auf die von Gralf-Edzard Habben so karg wie möglich gehaltene Bühne zurückkehrt. Das Stück wird zum bebilderten Hörspiel, ein Großteil der Dialoge erklingt vom Band zum stummen Spiel auf der Bühne, Ver- und Befremdung ist eines der Prinzipien, das hier auch die Sinnverweigerung des Absurden Theaters heraufbeschwört. Und wer mit dem Stück nicht gut vertraut ist, wird nicht einmal die Hälfte der Anspielungen, zwinkernden Verdrehungen und Kontrafakturen nachvollziehen können.

Das Premierenpublikum tat sich denn am Freitagabend auch schwer mit dieser „Wupper“ frei nach ELS, zunächst setzte eine deutliche Abstimmung mit den Füßen ein, bevor man zum lebhaften Schlussapplaus vier Anläufe brauchte: Das Stück ist oft zu Ende. Wann es nicht mehr weitergeht, ist kaum zu erkennen.

 
 

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