Eklat bei Konferenz zu Richard Wagner in Israel

Stücke von Richard Wagner sind auf israelischen Bühnen Tabu - bislang.
Stücke von Richard Wagner sind auf israelischen Bühnen Tabu - bislang.
Foto: Archiv: Marco Kneise/Thüringer Allgemeine
Bei einer Konferenz zum 200. Geburtstag des Komponisten Richard Wagner in Jerusalem hat es einen Eklat gegeben. Ein Demonstrant stürzte auf die Bühne und beschimpfte das Publikum.

Jerusalem. Eine Podiumsdiskussion über die Frage, ob die Musik Richard Wagners in Israel öffentlich aufgeführt werden sollte, hat in Jerusalem zu einem Eklat geführt. Wie die Tageszeitung "Haaretz" am Mittwoch berichtete, stürmte bei der Konferenz am Vorabend ein junger Mann auf die Bühne und beschimpfte das Publikum. Wagner, ein entschiedener Antisemit, galt als Lieblingskomponist von Adolf Hitler.

Das Jerusalem Symphonieorchester hatte anlässlich seines 200. Geburtsjahres zu der Fachtagung über die Musik des deutschen Komponisten und seine nahezu vollständige Verbannung aus israelischen Konzertsälen in das Stadttheater eingeladen.

Der Demonstrant stürmte nach Angaben der Zeitung die Nationalhymne singend auf die Bühne und bezeichnete einen der Referenten als "Kapo", also Nazikollaborateur. Das Publikum buhte den Mann aus, der auf jede Annäherung aggressiv reagierte. Erst als zwei Polizisten ihn abführten und ein Lokalverbot aussprachen, konnte die Konferenz weitergehen.

Die Musik Wagners, der 50 Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten starb, ist in der jüdischen Gesellschaft verpönt. Hitler bewunderte seine Kompositionen und sagte von sich, eine der frühen Opern des Komponisten habe ihn zu seinem politischen Engagement bewegt. In der Nazizeit wurde Wagners Musik massiv zu Propagandazwecken vereinnahmt. Richard Wagner hatte 1850 in seinem Aufsatz "Das Judentum in der Musik" sein zutiefst antisemitisches und rassistisches Gedankengut offenbart. (afp)