Eine Million zum Still-Leben auf der A40 erwartet

Monika Idems
Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen  (l.) bekam am Mittwoch von Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD)  die Genehmigung zur Vollsperrung der A40 für’s Still-Leben am 18. Juli. Foto: ddp
Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen (l.) bekam am Mittwoch von Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD) die Genehmigung zur Vollsperrung der A40 für’s Still-Leben am 18. Juli. Foto: ddp
Foto: ddp

Ruhrgebiet. Still leben auf der A40? Wohl kaum. Auch wenn am 18. Juli zwischen Duisburg und Dortmund nichts Motorisiertes über die Autobahn donnern wird, erwarten die Veranstalter von Ruhr.2010 eine Million Kulturhauptstädter an der 60-Kilometer-Tafel.

Es soll die längste Tafel der Welt werden: Mehr als 20.000 Tische und 40.000 Bänke, aneinandergereiht auf 60 Kilometern durch sieben Revier-Städte. Das „Still-Leben Ruhrschnellweg“ am Sonntag, 18. Juni, auf der Autobahn 40 ist eins der Riesen-Projekte der Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Ein „Fest der Alltagskulturen“ stellen sich die Veranstalter vor. Heißt: Kegel-Kultur sitzt neben Fußball-Kultur, Tauben- und Kaninchenzüchter-Kultur sind genauso willkommen wie Kirchenchor-, Laientheater-, Musikschul- und Rockband-Kultur. Mit rund einer Million Kulturhauptstädtern und Besuchern von anderswoher rechnen die Verantwortlichen, ganz vorsichtig geschätzt; angemeldet haben sich auch Gruppen aus den USA, Spanien, der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Polen.

„Gut zwei Millionen Euro“ gebe Ruhr.2010 für die Aktion aus, sagte Geschäftsführer Fritz Pleitgen am Dienstag. Dazu kommen die Kosten, die die Kommunen tragen und der Einsatz von Behörden; die kompletten Kosten konnte Ruhr.2010 nicht beziffern. Mit dabei sind Duisburg, Mülheim, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund. Und neben dem Programm, dass sich die Gruppen an den einzelnen Tischen ausgedacht haben, um den Tag möglichst bunt zu färben, werden die Städte auf der Strecke zwischen Duisburg-Häfen und Dortmund-Märkische Straße auf sieben Bühnen Programm machen.

2000 Tische haben noch keine Mieter

Andere Zahlen sind leichter aufzutreiben: Rund 2000 Tische, also etwa zehn Prozent der 20.000 Tafel-Teile, sind noch frei: 25 Euro plus Gebühr kostet es, den Biertisch mit zwei Bänken für die Zeit von 11 bis 16 Uhr zu mieten. Bis 17 Uhr ist Zeit, wieder einzupacken und von der Autobahn zu spazieren. Die Tische werden auf dem nördlichen Teil der A40 aufgebaut, den die Veranstalter „Programmspur“ nennen, und wenn sie wieder abgebaut sind, gibt es sie auch zu kaufen. Wer für immer dran sitzen möchte, zahlt für die Garnitur (mit Platz für acht bis zehn Menschen) 50 Euro.

Die südliche Hälfte der Autobahn heißt bei Ruhr.2010 „Mobilitätsspur“ und ist für alle freigegeben, die auf Rädern (allerdings ohne Motor) unterwegs sein wollen: Fahrräder, Roller, Skateboards, Inline-Skates sind erlaubt, und das in beide Richtungen. Fahrräder können an den 37 Auf- und Abfahrten geparkt werden; Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), dessen Verantwortliche mit mindestens 500.000 Radlern rechnen, werden bei Pannen helfen und an sieben Stationen auf den 60 Kilometern die Geschichte des Radfahrens beleuchten; es wird vermutlich das längste Fahrrad-Museum der Welt.

Rund 11.700 Helfer im Einsatz

Die Planer vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) raten davon ab, mit dem Rad per Bahn anzureisen, weil die Züge Richtung Still-Leben vermutlich voll sein werden. Und damit niemand verhungern oder verdursten muss, wird ein Lebensmittelhändler an rund 100 Stationen 750.000 Liter alkoholfreie Getränke, Früchte und Kekse verkaufen. Andere Verpflegungsmöglichkeiten wird es nicht geben, weil es auf der Strecke weder Strom noch Wasser gibt; wer nicht sowieso ein Picknick am Tisch geplant hat, sollte sich Proviant mitbringen.

Ab Samstag, 17. Juli, 22 Uhr, wird die Autobahn gesperrt und die Tafel aufgebaut, nach dem Fest, das am Sonntag, 18. Juli, um 17 Uhr endet, bleibt den Logistik-Fachleuten bis Montagmorgen um 5 Uhr Zeit, alles wieder abzutransportieren. In der Zeit der Sperrung werden 11.700 Helfer werden im Einsatz sein, darunter mehr als 3000 vom Technischen Hilfswerk (THW), 1700 Polizisten und 1000 Feuerwehrleuten.