Ein Schwelmer in den USA

Olaf aus Schwelm ist vor mehr als 2 Jahren von seinem Arbeitgeber nach Charlotte, North Carolina, entsendet worden.

Für die nächsten 3 Jahre soll er an einem EDV-Projekt mitarbeiten. Im Oktober 2005 verließ er Schwelm, seitdem programmiert er in dem südlichen US-Bundesstaat. Sein Appartement befindet sich allerdings in South Carolina. Dort wohnt er in und am Lake Wylie.

30 Meilen beträgt sein täglicher Arbeitsweg über die Grenze nach Charlotte. Obwohl er von seinem deutschen Arbeitgeber versendet wurde, hat er lediglich die obligatorischen 12 Jahresurlaubstage, die er nutzt, um seine Freunde und Verwandten in der Heimat zu besuchen. Kurz vor Weihnachten nutzte ich die Gelegenheit, mit ihm über sein Leben und seinen Job in den USA zu reden.

"Meine amerikanischen Kollegen beenden um Punkt 17 ihren Dienst. Überstunden gibt es so gut wie keine. Sie arbeiten strikt nach Anweisungen und versuchen gar nicht erst, eigene Ideen zu entwickeln." berichtet Olaf.

Warum das seiner Meinung so ist, möchte ich wissen.

In USA herrscht immer noch das "hire and fire" - Prinzip. Wer sich engagiert, kann ganz schnell etwas erreichen. Umgekehrt wird das Management immer zuerst zur Verantwortung gezogen und gefeuert. Da bleiben viele lieber in einer weniger verantwortlichen Position, um ihren Arbeitsplatz zu sichern.

Hast Du Freunde, vielleicht sogar eine Heimat in den Staaten gefunden?

möchte ich wissen. "Ich hatte ein freundschaftliches Verhältnis zu mexikanischen Kollegen, die sind aber leider wieder zurück in die Heimat gegangen. Die Amerikaner sind sehr nett, aber eine richtige, verlässliche Freundschaft ist nicht entstanden. Momentan unternehme ich in meiner Freizeit einiges mit einer Mitarbeiterin aus Österreich. Im Grunde bleiben wir "Ausländer" eher unter uns."

Was weißt Du zu schätzen und was vermisst Du?

"Einkaufen rund um die Uhr, zu jeder Tages- und Nachtzeit, daran kann man sich gewöhnen. In South Carolina, wo ich wohne, dürfen alkoholische Getränke Montag bis Samstag von 9 bis 19 Uhr verkauft werden. In North Carolina gibt es keine Einschränkungen, also fahre ich dann auch mal spät abends über die Grenze in einen Supermarkt. In Lake Wylie ist nicht wirklich viel los. Um am Wochenende auch einmal ordentlich ausgehen zu können, muss man ohnehin "downtown" Charlotte fahren. Es gibt dort eine gute Partyszene. Das Wetter hier ist unschlagbar. In diesem Sommer war es jedoch so heiß und trocken, dass selbst hier verboten wurde, die Gärten zu wässern. Im Dezember sind es noch 25 Grad, die Temperatur kann von heute auf morgen aber auch einmal auf 12 Grad fallen. Nicht zu vergessen die tollen Serien und vielen Fernsehprogramme, die hier empfangen werden können."

"Am meisten vermisse ich spontane Verabredungen auf ein Bier mit meinen Freunden. Und natürlich meine Familie. Die kurzen Wege in die nächstgelegene Stadt fehlen mir auch."

"Kompliziert wird es als Neubürger in den USA, einen Kredit zu bekommen. Um als solvent zu gelten muss eine Kredithistoy aufgebaut werden, die für alle nachfolgenden Bankgeschäfte wichtig ist. Eine Kredithistory gehört zum guten Ton. Um einen Kredit zu bekommen, zahlt man erst einmal regelrechte Wucherzinsen, stellt die Bank dann fest, dass regelmässig abgezahlt wird, sinken die Zinsen nach und nach.

Erst mit der History sind weitere Geschäfte möglich. Hat man erst einmal eine ordentliche Bankhistory vorzuweisen, kann man sich vor Kreditkartenangebote kaum retten. Der Zahlungsverkehr ist anders als in Deutschland. Überweisungen sind so gut wie unbekannt. Man zahlt mit Kreditkarte oder Scheck - auch die Miete. Die "Kontoauszüge" sind die Kopien der Bankschecks. Kaum vorstellbar bei uns.

Was ist denn das "Top-Thema" zur Zeit in den USA?

"Der Wahlkampf! Ganz klar. Es vergeht kein Tag in dem nicht wieder irgendetwas über die Kandidaten herausgefunden wurde. Reiner Personenkult - das Parteiprogramm spielt kaum eine Rolle. Die Wähler werden über Emotionen eingefangen. Über das parteipolitische Ziel der Kandidaten informiert sich kaum einer."

"Auf dem Flug nach Deutschland hatte ich in Chicago einen mehrstündigen Aufenthalts. Auf eine Leinwand war das Programm von CNN zu sehen. Fast 2 Stunden lang wurde bei CNN über die Schwangerschaft der Schwester von Britney Spears spekuliert. Ein Nachrichtensender, der sich damit beschäftigt. Das spiegelt die Gesellschaft meiner Meinung nach sehr gut wieder. Politisches Interesse gleich Null."

Würdest Du Dein Leben dort verbringen wollen?

"Nein, das kann ich mir momentan nicht vorstellen. Ich lebe hier gut, der Job macht Spaß und es gibt viel zu entdecken. Ich habe aber auch nichts dagegen, bald wieder nach Deutschland zu kommen."

 
 

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