Ein Händchen für besondere Knalleffekte

Freudenberg..  In der zweiten Hälfte des Stücks müssen Thomas Fischer und Maximilian Schüttler aufpassen. Ein Kanonenschuss, eine Explosion, ein Feuergefecht mit Long John Silvers Piraten: Die beiden Männer sind für die Spezialeffekte an der Südwestfälischen Freilichtbühne in Freudenberg verantwortlich, die am Wochenende mit „Die Schatzinsel“ in die Saison startet.

Allerdings werden sie einen gemütlichen Sommer haben. Denn obwohl die Bearbeitung der „Schatzinsel“ vom bühneneigenen Autor Jens Benner vor Piraten, Renegaten und zusätzlich erfundenen Indianern nur so wimmelt und damit nach Spezialeffekten „riecht“, kommt das Stück eher betulich daher. Die meisten Effekte seiner Karriere habe er interessanterweise in Stücken wie „Ronja Räubertochter“ und „Biene Maja“ eingesetzt, erklärt Thomas Fischer (35), der schon seit 21 Jahren mit der Bühne verbunden und seit 15 davon für die Explosionen zuständig ist.

In den Anfangsjahren musste er viel basteln und ausprobieren, inzwischen würden viele Effekte bereits fertig geliefert, berichtet der ausgebildete Feuerwerker, der sich inzwischen in Freudenberg selbstständig gemacht hat.

Arbeit als Entspannung

Neben Stadt- oder Schützenfesten ist er mit seinem wachsenden Team, zu dem Maximilian Schüttler gehört, auch immer wieder für Film und TV im Einsatz. Im Vergleich sei die Arbeit für die Freudenberger Bühne eher Entspannung und Spaß. Vor allem ist sie auch ehrenamtlich, „weil man die Leute hier kennt. Vereinsleben eben“.

Mit seiner Firma ist Fischer auch für die Ausbildung der Kollegen an anderen Bühnen zuständig. Bundesweit; ein Feuerwerker aus Bad Segeberg war letztens zur Auffrischung da. Einen kleinen Vorteil haben die Freudenberger immerhin: „Es gibt immer wieder neue Sachen auf dem Markt, die ich dann hier ausprobiere und die mit einem Jahr Verspätung auch an andere ausgeliefert werden“, lächelt Weber. Wobei die Größe der Effekte stets an die der Bühne angepasst ist. Würde er Ladungen wie die Elsper benutzen, „flögen hier alle Fenster im Hintergrund heraus“. Die Explosionen werden von den Feuerwerkern übrigens aus nächster Nähe ausgelöst. „Früher haben wir es aus dem Zuschauerraum gemacht. Aber das ist sicherer“, verrät Weber.

Austritt aus dem Dachverband

Dazu wurde eine Last vom Theaterverein genommen, die er sich in diesem Jahr nicht auch noch aufbinden wollte. Der Verband Deutscher Freilichtbühnen (DVF) wollte in Freudenberg tagen. „Das war uns einfach zu viel“, nennt Vorsitzender Volker Gieseler einen der Gründe, warum die Bühne den Zusammenschluss wieder verlassen hat. Ursprünglich habe Freudenberg sogar einmal zu den Gründungsmitgliedern des Dachverbandes gehört, erinnert der Vorsitzende. Vor einigen Jahrzehnten seien sie dann erstmals ausgetreten, „gemeinsam mit Elspe“. Der damalige Vorsitzende des Verbandes habe den Bühnen ins Programm hineinreden wollen; das sei „nicht akzeptabel“ gewesen. Erst vor drei Jahren machten die Freudenberger einen neuen Versuch und traten wieder ein. „Wir haben uns davon Vorteile erhofft, hatten sie aber letztlich nicht“, bilanziert Gieseler. Die Bühne habe Beiträge bezahlt und aus seiner Sicht wenig dafür bekommen. Die langen Jahrzehnte der Eigenständigkeit hätten den Freudenbergern nicht geschadet, vielmehr ein gewisses Selbstverständnis und eine eigene Handschrift gegeben. Letztlich habe der DVF ihnen nichts zu bieten. Volker Gieseler: „Wir haben genug mit uns selbst zu tun, im positiven Sinn“.

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